Tiger Lou - A partial print

Startracks / Tapete / Indigo
VÖ: 24.10.2008
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Licht aus dem Schatten

Rasmus Kellerman bezeichnet es als kleinen Tod. Jedes Mal, wenn er ein Album fertiggestellt habe, gehöre es nicht mehr ihm, sondern der Welt da draußen. Wenn das mal keine Aufforderung ist, ihm zuzuhören! Wenn er alleine Musik macht, nennt er sich seit einiger Zeit Tiger Lou. Dieses Projekt wird auf der Bühne zu einer echten Rockband, die sich schon in Tiger Lous aufgewühlten Zweitling "The loyal" viel besser hinein werfen konnte als in das schüchterne Debüt "Is my head still on?". "A partial print" macht jetzt dort weiter, wo der Vorgänger schon ein paar Komplikationen angedeutet hatte.

So wie sich damals das Titelstück mit einer mulmigen Melodie im Gehör festsetzte, nisten sich auch die Selbstzweifel von "The more you give" und "The less you have to carry" ein. Dass diese beiden Songtitel zusammen einen Sinn ergeben, ist kein Zufall. Bis zur Selbstaufgabe versinken die Songs im Moll und klettern doch auf zickigen Gitarren aus der Niedergeschlagenheit empor. Häufig taumeln Riffs und Akkordfolgen auf vermutete und unvermutete Breaks zu, fangen sich aber stests wieder ein, weil sie wissen, dass der Song hier im Mittelpunkt steht. Die Affären mit Verästelung und Komplexität sind nur - wenn auch auffällige - Details am Rande.

Gerade in diesen Marginalien steckt viel von der Atmosphäre auf "A partial print". Gerne stellen ein paar Beats geschickt eine im Kniffeln geübte Rhythmussektion nach und tauschen dann spontan die Rolle. Die schwermütige Hymne "Odessa" hat einen ätherischen Synthesizer-Sound, den man schon mal bei Genesis' "Mama" gehört zu haben glaubt, und das aufmüpfige "Trails of spit" holt sich ein paar blaue Flecken am Drumcomputer. Dann wartet das verträumt-verständige "Coalitions", in dem Kellerman wieder die Gedanken kreisen lässt: "These are the circles in which / I have been walking."

Wenn sich Kellerman zwischendurch Luft verschafft, bremst er die Aggression dennoch charmant ab. Ob der leise Zorn auf sein eigenes Konto geht oder von Mischer Sean Beavan zu verantworten ist, der schon mit Nine Inch Nails, Marilyn Manson und, ähem, Slayer arbeitete, ist eine Frage, die man sich nicht zu stellen braucht. Es ist viel wichtiger, wie faszinierend es klingt, wenn die einnehmende Single "Crushed by a crowd" kunstvoll Gitarren und Grooves verwebt und sich nicht um Wut und deren Inszenierung kümmert. "It always seems / Too little, to little, to late" klagt er und besänftigt doch mit der schönsten Melodie seines dritten Albums.

Für investitionsfreudige Hörer gibt es auf der Deluxe-Edition von "A partial print" sogar noch einige clubbige Bearbeitungen der Songs, die ebenso wie ihre Rock-Kollegen eines zeigen: Kellerman ist weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Ganz gefunden hat er ihn auch mit "A partial print" noch nicht. Aber ihm bei seiner Suche zuzuhören, macht enormen Spaß. Der Weg ist das Ziel.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The less you have to carry
  • Trails of spit
  • Coalitions
  • Crushed by the crowd

Tracklist

  1. The more you give
  2. The less you have to carry
  3. So demure
  4. Trust falls
  5. An atlas of those our own
  6. Odessa
  7. Trails of spit
  8. Coalistions
  9. Crushed by a crowd
  10. A partial print
Gesamtspielzeit: 49:49 min

Im Forum kommentieren

Marküs

2021-01-27 19:39:00

Sehr gut gealtert genau wie der Vorgänger. Gerne mal wieder ne Pladde.

sizeofanocean

2021-01-27 08:30:30

auch schon 13 Jahre auf dem Buckel, aber sehr gut gealtert.

Tigersalat

2011-07-29 16:30:40

ist dieser thread schon im wiki vermerkt?

tgr clou

2011-01-11 21:22:24

wieder ausgegraben.
super album!
hoffentlich finden sie irgendwann wieder zusammen.

e. coli

2009-09-22 17:47:40

"'ne" und nicht "'nen"!

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