Sigur Rós - Með suð í eyrum við spilum endalaust

XL / EMI
VÖ: 20.06.2008
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Die Blumenkinder

Schaut man sich Bilder von Adam und Eva im Paradies an, kann man es erahnen. Das Woodstock-Festival und seine legendäre Atmosphäre lebten davon. Und auch in den 70er- und 80er-Jahren gab es an den Stränden von Kühlungsborn noch massig von ihnen. Seit heute wissen wir es aber auch von Sigur Rós: alles Hippies! Viele hatten es ja auf Grund der immer wiederkehrenden Feen- und Elfenvergleiche bereits vermutet, doch das offizielle Coming-out kam jetzt doch recht plötzlich. Ohne große Ankündigungen war sie dann auf einmal da, die Single "Gobbledigook". Und mit ihr ganz viel nackte Haut, Liebe unter freiem Himmel und eine Band, die man jetzt in einem ganz anderen Licht sieht.

Natürlich denken jetzt bei dem Wort "Hippie" sofort alle an alte bärtige Männer und unrasierte Frauen, die auf Hölzern trommeln, ausgelassen über Wiesen hüpfen, mit Drogen experimentieren und seltsame Rituale feiern. Aber genau das machen Sigur Rós ja inzwischen auch. Dass die Band sehr naturverbunden ist, ist nichts Neues, das konnte man spätestens in der filmerischen Liebeserklärung "Heima" sehen. Außerdem liegt es Sigur Rós als Isländern völlig zu Recht quasi im Blut. Doch wenn in dem Video zu "Gobbledigook" tatsächlich nackte unrasierte Frauen passend im Takt zu Baumstammgetrommel singend und klatschend durch die Wälder huschen, hat das in der Tat etwas von Flower-Power.

Auch "Inní mér syngur vitleysingur" oder "Við spilum endalaust" könnten ebenso wie der Opener von dem Fotografen Ryan McGinley inspiriert worden sein. Sie sind wie das Artwork sehr menschlich, lebendig, warm, unmittelbar, vor allem aber unbearbeitet und fröhlich. Also eigentlich genau das Gegenteil von dem, was Sigur Rós mit ihrer nicht selten sehr melancholischen und depressiven Musik bisher gemacht haben. Das mag viele bestimmt verwirren, klingt zudem auch gewöhnungsbedürftig, setzt aber den mit "Takk ..." eingeschlagenen Weg nur fort.

Doch Pop hin oder her - ähnlich den Hippies geht es auch Sigur Rós längst um mehr. Nämlich um eine Art individualistische Selbstverwirklichung, frei von Zwängen und Tabus. So werden Texte jetzt sogar in Englisch gesungen, und "Með suð í eyrum við spilum endalaust" emanzipiert sich sehr deutlich vom perfekten Soundbild seiner Vorgänger. Sigur Rós klingen nun nicht nur heiterer, sondern eben auch realer und spontaner, was allein schon die Tatsache belegt, dass das Album in seiner Gänze allein dieses Jahr geschrieben und aufgenommen wurde. Doch selbst das tut auf der anderen Seite den beiden Mammutsongs "Festival" und "Ára bátur" keinen Abbruch, die gewohnt weitschweifig mit größtmöglichem Orchesteraufwand wahrlich herausragen. Fast so wie der Lagerfeuersong "Íllgresi", dessen reduzierte akustische Schönheit im besten Kontrast dazu steht. Und eben auch bestätigt: Sie sind Hippies.

(Christoph Schwarze)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Festival
  • Ára bátur
  • Íllgresi

Tracklist

  1. Gobbledigook
  2. Inní mér syngur vitleysingur
  3. Góðan daginn
  4. Við spilum endalaust
  5. Festival
  6. Med sud í eyrum
  7. Ára bátur
  8. Íllgresi
  9. Fljótavík
  10. Straumnes
  11. All alright
Gesamtspielzeit: 65:34 min

Im Forum kommentieren

hideout

2019-08-19 23:47:05

Wie bitte? Ich hab 7,5/10 gegeben! Ich mag sie alle, egal welche Nummer dabei steht.

Felix H

2019-08-19 20:52:03

Ihr seid halt auch alle doof.

The MACHINA of God

2019-08-19 20:42:58

Jepp. Auch für mich mit "Von" das schwächste. Und joah 7/10 geht klar.

MopedTobias (Marvin)

2019-08-19 20:38:33

"Góðan daginn" ist schon sehr schön, ein sympathisches Highlight. Album als Ganzes für mich aber mit Von die klar "schwächste" SR-Platte (Anführungszeichen weil immer noch 7/10).

The MACHINA of God

2019-08-19 20:38:12

Ist auch mein Favorit!

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