A Mountain Of One - Collected works
10 Worlds / PIAS / Rough TradeVÖ: 07.03.2008
The Patrick Pacards
Den letzten Malaria-Schub endlich ausgeschwitzt, "Miami Vice" erschöpft zu Ende geguckt, die Wiederbelebten erneut zu Grabe getragen, ihre Zombiehirnreste aus dem Hüftsakko geklopft, und schon ist es auf einmal doch so wie immer: Vielleicht hätten auch die Achtziger einfach mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. A Mountain Of One beispielsweise. Deren letztjährige EP-Arbeiten sind nun zu "Collected works" versammelt, und die drei Londoner plus Gäste agieren auf ihnen erfreulich ironiefrei, springen und setzen nicht aufs Retro-Bonanzarad oder Revival-Kettcar. Trotz Flamenco- und Santana-Gitarren, trotz 80er-Jahre-Synthieflächen, -Delays und -Slapbässen ist "Collected works" ganz im Gegenteil ein pickepacke voll gestaubtes Universum, das seine Versatzstücke nutzt, um Wärme und Tiefe zu entwickeln. Womit es quasi nebenbei auch noch dazu geeignet ist, einen neuen Ton im Zeitreisen-Diskurs anzustrengen und Sounds und Motive vergangener Zeiten aus ihrem erkalteten Imperfekt zu meißeln, um sie sachte für das Jetzt anzutauen.
Gleich der Opener entwickelt aus mehreren Bluesminiaturen eine pluckernd verstörende Westernvibe-Tretmühle und vertieft sich im folgenden "Warping of the clock" zu einem zuckelnden Gebetsmarathon, der aus mancher ZDF-Weihnachtsserie eine echte Sci-Fi-Oper herausgestanzt hätte. In ähnliche Sphären begibt sich "Our eyes", zu dem man in 80 Jahren nur zu gerne Lolek und Bolek auf ihrer Reise um den Saturn begleiten würde. Das von einfachen Klavier-Dreiklängen getragene "Freefall" oder das mit bedächtigem Druck voranstaksende "Here goes nothing" erinnern stark an Talk Talk zu ihrer produktivsten Phase. Und genau wie diese interessieren sich A Mountain Of One nicht die Bohne für die Dokumentation eines Sounds einer bestimmten Zeit. Sie wollen aufnehmen, weitertragen. Wenn es sein muss, aber auch einverleiben und verschlucken.
So werden selbst die orientalischen Dengel-Harmonien von "Can't be serious" von der sorgsam als Gegenpol arrangierten Stimme Martina Topley-Birds (Tricky, Gorillaz, sie selbst) und treibenden Dub-Bässen vor dem Tears-For-Fears-Kollaps gerettet. Und auch die simplen Gitarrentakte sowie der stets wie aus Pastelllicht hervortauchende Wasserleichen-Gesang Zeben Jamesons finden im herausragenden "Innocent line" oder "Arc of Abraham" Konsequenz nicht in der großen Geste, sondern in jedem neu hereinströmenden Detail. So geht das immer weiter, bis sich irgendwann jeder Song zu einem Strom der Beharrlichkeit flutet.
Im Ergebnis musizieren A Mountain Of One stets ebenso offensiv wie unglaublich behutsam. Sie ackern und rackern spürbar und entfesseln mit "Collected works" doch einen Trip, der sich Schicht für Schicht selbst abträgt. Ihre Vorgehensweise nennt man am besten wohl akribisch und sorgfältig, ihre Musik hingegen ist reinstes Delirium. Ein voller Körper aus Luft und der Zeit, die zwischen zwei Gegenwarten bleibt. Im Vergleich dazu war Retro wahrlich schon immer der allerälteste Hut.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Freefall
- Innocent line
- Your love over gold
Tracklist
- Ride
- Warping of the clock
- Freefall
- Can't be serious
- Our eyes
- Innocent line
- Innocent reprise
- Your love over gold
- People without love
- Arc of Abraham
- Here goes nothing
- Brown piano
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pacco
2009-02-04 19:48:24
grade nochmal gehört,
sehr guter Stoff 7,5-8/10
Pascal
2008-03-11 16:59:46
Hätte dummerweise schon lange bei mir im Briefkasten sein müssen;)
cds23
2008-03-10 16:04:19
Freefall. Can't Be Serious. People Without Love. Tolles Album.
Pascal
2008-03-10 14:28:24
Ride.
cds23
2008-03-10 12:17:44
Wenn dieses Album eines verdient hat, dann sicherlich eine Wertung oberhalb von 7/10. ;-) Bei so durchwegs guten Kompositionen und Melodien frage ich mich, wo denn da der Punkt zur 8/10 verloren gegangen ist? Klingt jetzt natürlich nach Korinthenkackerei, aber bei einem recht "schwach" besetzten Update hätte man vor allem diese Scheibe hervorheben müssen, nich?
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