Depeche Mode - Exciter

Venusnote / Mute / Virgin
VÖ: 14.05.2001
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Dunkler Blütenstaub

"Can you feel a little love?" Eine Frage schwebt durch die sanfte Frühlingsluft und harrt der Beantwortung. Stimmungen im Zwielicht seltsamer Glückseligkeit breiten sich aus, während ein dunkles Zittern die Dämmerung ankündigt. "As bony fingers close around me / Long and spindly, death becomes me." Das Verschwinden der Sonne sorgt langsam für eine Gänsehaut, und eine leidenschaftliche Stimme erzählt von der Erhaltung eines Traums. Vertrautes Verlangen dringt an die Oberfläche und ruft lautstark hinaus: "Dream on!" Depeche Mode sind wieder da.

Natürlich haben die Herren Gore, Gahan und Fletcher noch immer das Patent auf düstere, und doch unverschämt eingängige Popsongs, von dem sie auch auf ihrem zehnten Studioalbum ausgiebig Gebrauch machen. Nach dem schon als altersweises Werk gefeierten "Ultra" von 1997 zeigt sich "Exciter" aber von einer unerwartet hellen Seite. Die eigentümliche Zerrissenheit, die die "Songs of faith and devotion" bevölkerte und das verstörende "Barrel of a gun" vom letzten Album ausmachte, scheint endgültig verschwunden. "If you've suffered enough / I can understand what you're thinking of" heißt es stattdessen in "Freelove". Leidenschaft statt Leidensdruck.

Ganz von der Farbe Schwarz wollen sie aber doch nicht lassen. Dezent quietschende Industrial-Anleihen, brünstige Gitarren und nicht zuletzt Gahans lüsterner Gesang verleihen "The dead of night" eine vor lauter Statik knisternde Atmosphäre. "With our decadent minds / And our innocent lines / You'll be playing our games / With your bodies in flames." Mütter, holt Eure Kinder von der Straße! Aber genau wie das unerhört zielstrebig nach vorn preschende "I feel loved" stellt diese Erinnerung an die Lack-und-Leder-Spiele der Achtziger nur einen Eckpunkt im gegenwärtigen Soundgefüge von Depeche Mode dar.

Bei der Rückbesinnung auf alte, elektronische Tugenden griff den drei Herren aus Basildon der Soundfrickler Mark Bell (LFO) unter die Arme, der schon bei Björk für die rechte klangliche Seltsamkeit sorgte. Dennoch lassen dessen verschrobenen Schnipsel und Loops, die mitunter in Bristol zur Schule gegangen scheinen, genügend Platz für die Wärme von Gores und Gahans Stimmen. War die gesangliche Spannung der beiden schon immer ein Markenzeichen der Band, gelingt den beiden mit Songs wie "The sweetest condition" oder "Goodnight lovers" einmal mehr der Beweis, wie lebendig auch elektronische Musik klingen kann.

Gores unschuldig wirkendes Organ erreicht beim beseelten "Comatose" und dem schrulligen "Breathe" Höchstform. Auch auf Gahans Stimmbändern zeigen sich keine Narben mehr. Voller Selbstbewußtsein greift er sich sogar Stücke wie "When the body speaks", die früher für Gores Stimme prädestiniert gewesen wären. Und genau diese Zuversicht strahlt "Exciter" aus allen Ecken und Kanten heraus. Mal schüchtern, mal zärtlich, mal fast naiv verliebt fließt eine positive Energie durch ein Album, das kaum noch jemand von der Band erwartet hätte. Und immer noch steht die Frage vom Anfang im Raum: "Can you feel a little love?" Ja, Dave, wir können. Und wie.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Dream on
  • The sweetest condition
  • The dead of night
  • Comatose

Tracklist

  1. Dream on
  2. Shine
  3. When the body speaks
  4. The sweetest condition
  5. The dead of night
  6. Freelove
  7. The love theme
  8. Comatose
  9. I feel loved
  10. Breathe
  11. Easy tiger
  12. Goodnight lovers
  13. I am you
Gesamtspielzeit: 56:40 min

Im Forum kommentieren

Old Nobody

2025-11-06 14:57:21

Speak & spell 2,5
A broken frame 4,5
Construction time again 5
Some great reward 7,5
Black celebration 9
Music for the masses 9
Violator 10
Songs of faith and devotion 9
Ultra 7
Exciter 7,5
Playing the angel 6,5
Sound of the universe 6
Delta Machine 5
Spirit 6
Memento Mori 7,5

ToniDoppelpack

2025-11-06 13:24:03

Speak & spell 6
A broken frame 7
Construction time again 7
Some great reward 9
Black celebration 10
Music for the masses 10
Violator 10
Songs of faith and devotion 10
Ultra 8
Exciter 7
Playing the angel 6
Sound of the universe 3
Delta Machine 6
Spirit 6
Memento Mori 7

AliBlaBla

2025-11-06 11:59:42

Lustig, ich werde vielleicht der User (irgendwie geiler Begriff, hat so was fast obszönes) sein, der die Frühphase am besten bewertet - also auch nicht höher als BC oder SOFAD, aber halt auch hoch. Mal sehen...

Huhn vom Hof

2025-11-06 11:23:54

Speak & spell 6
A broken frame 7
Construction time again 7
Some great reward 8
Black celebration 9
Music for the masses 9
Violator 10
Songs of faith and devotion 9
Ultra 9
Exciter 8
Playing the angel 8
Sound of the universe 6
Delta Machine 6
Spirit 6
Memento Mori 8

Söze

2025-11-06 09:47:26

Alan Wilders entscheidender Beitrag war es halt, den Bandsound im positiven Sinne Stadion-Bombast zu verleihen. Diesen überwältigenden Grossleinwand-Sound wie auf Never Let Me Down Again, Personal Jesus und dann vor allem auf der Songs of Faith and Devotion kriegten sie ohne ihn in dieser Klasse nicht mehr hin; und wenn sie es trotzdem versuchten, war das Resultat eben nicht bombastisch sondern leider nur laut (z.B. John The Revelator, Wrong, The Dead of Night, Soothe My Soul, usw.).

Auf der Ultra war das noch kein Problem, weil diese Platte thematisch gar keinen solchen Bombast brauchte. Auf den darauf folgenden Alben dann aber schon.

PS: Diesen atmosphärischen Grossleinwand-Sound kann man dann auch sehr gut auf den drei Recoil-Soloalben hören, die Wilder nach seinem Abgang veröffentlicht hat (Unsound Methods, Liquid und subHuman). Schade, dass er seither offenbar im Ruhestand ist.

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