Athlete - Beyond the neighbourhood

Parlophone / EMI
VÖ: 21.09.2007
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Weight Watchers

Wenn die freundliche Drückerkolonne mal wieder auf der Matte steht, einen schönen guten Tag wünscht und dynamisch choreographiert ihr Zeitschriftensortiment anpreist, sollte man womöglich doch nicht gleich die Tür ins Schloss fallen lassen. Immerhin hat Athlete-Sänger Joel Pott die unerwartet stürmische Vorabsingle zum neuen Album, die passenderweise "Hurricane" heißt, seinem "National geographic"-Abo zu verdanken; genauer gesagt einem Artikel über die Wetterkapriolen an der amerikanischen Ostküste. "And it's something we've got to get used to" seufzt er zur rudernden E-Gitarre, nur um anschließend "But we're not giving up the coastline so easily" ins Post Scriptum zu trotzen. "Beyond the neighbourhood" trinkt mit der Realität Brüderschaft - aber direkt aus dem Boxbeutel.

Wie es sich für ehrgeizige Athleten gehört, haben die Londoner in den seit der Veröffentlichung von "Tourist" vergangenen zweieinhalb Jahren fleißig trainiert und sich dafür sogar ihr eigenes Studio eingerichtet, wo sie ihr drittes Album komplett im Alleingang produzierten. Auch die Ernährung wurde konsequent umgestellt, das orchestrale Emotionsparfait gegen kalorienarme Vollwertkost eingetauscht und ein paar elektronische Flausen von "Vehicles and animals" aufgewärmt. Der Opener beginnt dann auch äußerst unvermittelt, als hätte man gerade zufällig hineingezappt - in einen Song von The Postal Service. Und eines muss man Athlete nun wirklich lassen: Ausgerechnet zu einem versponnenen Casio-Instrumental einzumarschieren, ist schon mutig.

"Tokyo" geht in tighter Rhythmusgruppenarbeit auf, während "Airport disco" zu benebelten Spätsiebziger-Synthies über eine Zukunftsvision für Flughäfen fabuliert: Sie werden zu gigantischen Nachtclubs umfunktioniert. Dass die Türsteher im Laufe des Stückes mediokrem Brit-Rock Einlass gewähren, trübt nur vorübergehend die Stimmung. Eine glücklichere Kombination hat "The outsiders" zu bieten: Vinylknistern und Breakbeats fließen mit einem federnden Midtempo-Vortrag über den Engländer an sich zusammen und münden schließlich in einen glasklaren Piano-Gebirgsbach, in dem außergewöhnliche organische Percussion - wie Lichtschalter-Geknipse - planscht. Pott verkündet derweil "I'm away with the fairies now" und schüttelt das märchenhafte Elektro-Lullabye "Flying over bus stops" aus dem Ärmel.

Der Athlete-Chef scheint übrigens nicht nur ein großer Freund von Printerzeugnissen zu sein, sondern auch gerne mal vor dem Fernseher zu sitzen. Wenn man schon brav die Rundfunkgebühren zahlt, dann muss so ein bisschen Inspiration ja schließlich auch inklusive sein: "This is what I sound like" komponierte Pott, nachdem er den Spielberg-Film "München" gesehen hatte; aus den Eindrücken einer Dokumentation über den "Flying man" des 11. September entstand die Ballade "Best not to think about it", die musikalische Schwerelosigkeit mit dem Unaufhaltbaren konfrontiert: "It's a long way down." Athlete haben allerdings die andere Richtung im Visier - auch wenn sie ihr Etappenziel dieses Mal nicht ganz erreicht haben.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Hurricane
  • The outsiders
  • Flying over bus stops

Tracklist

  1. In between 2 states
  2. Hurricane
  3. Tokyo
  4. Airport disco
  5. It's not your fault
  6. The outsiders
  7. Flying over bus stops
  8. Second hand stores
  9. In the library
  10. Best not to think about it
  11. This is what I sound like
Gesamtspielzeit: 45:38 min

Im Forum kommentieren

jo

2008-06-18 23:48:57

Ich mag 'Flying over Bus-Stops' lieber. Aber nur knapp.

Moi

2008-06-18 21:18:13

Ist second hand stores wunderschön oder ist es wunderschön?

Alex

2007-12-14 12:01:09

8/10 für jedes Album.

Armin

2007-12-14 11:50:07

Sehr schön, ich war positiv überrascht.

dr. note

2007-12-14 11:07:01

Armin (12.12.2007 - 21:33 Uhr):
Morgen werde ich jenes in München haben.


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