Minus The Bear - Planet of ice

Suicide Squeeze / Undergroove / Indigo
VÖ: 24.08.2007
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Die innere Unsicherheit

Die schnöde Welt war Minus The Bear stets ein wenig zu klein. Zunächst noch recht klassisch mathy, verwandelte sich ihre Musik schon bald in einen Indie-Pop, der sie zugleich auf die Spur des DC-Postcores führte. Doch auch das scheint ihnen nun schon viel zu lange her. Es gilt, Neues zu entdecken. Zum Beispiel einen "Planet of ice". Auf dessen hoch auflösend reflektierender Oberfläche unterlegt die Gitarrensynkopen stets ein geschwungener Hallraum, der zu einem leicht schizophrenen Selbstgespräch führt. Und ihnen so die Schärfe nimmt, mit der sie früher aus dem Song heraus ihr Recht reklamierten, gehört zu werden. Statt solchem Aufbegehren präsentiert "Planet of ice" ein Verschmelzen der Pole und Zusammenstimmen der Luftmassen. Ein Vergletschern der Horizonte, Instrumente und Ideen zu einer relativen Unschärfe, in der die Orientierung zunächst etwas schwer fällt.

Einige grundsätzliche Veränderungen sind damit verbunden. So erinnert das innere Getümmel von "Ice monster" und "White mystery" nun nicht mehr zuallererst an die arithmetische Betriebsamkeit von Karate oder 31 Knots, sondern eher an die knotigen Jammertäler `von Engine Down. "Burying luck" hätte mit seinem scharf getakteten Riff durchaus Platz auf Jimmy Eat Worlds "Clarity" gefunden. Und auch "Knights" vergisst seinen Dismemberment-Plan-Funk beinahe zwischen den Planspielen all seiner Empfindsamkeit.

Ein wenig Sentiment durchzieht also "Planet of ice", doch natürlich denken Minus The Bear sich das auch anders. So wird zum Refrain nicht gleichzeitig die Faust erhoben und der Blick gesenkt, sondern es gibt ein Panoptikum aus versponnenen Ein- und Ausbrüchen zu bewundern. "When we escape" und "Double vision quest" entzünden sich immer wieder an proggig voran geschubsten Gitarrenläufen, die sich in beinahe klaustrophobische Länge ziehen, dann aber doch nur einige wenige Auftakte andauern. Auch "Part 2" oder das übergroße "Lotus" erstarren zunächst in Wehmut, kämpfen sich aber beharrlich frei, um zum Ende hin die ganz große Rockoper aufzuziehen. In Pink Floyd oder Deep Purple färbt sich hier der Tränenschleier. Bevor die Emorock-Haudegen Juno zur Sprühdose greifen.

"Planet of ice" ist edel ausstaffiertes Kopfkino, in dessen Bauch es wohlig wummert und rumort. Der einzige innere Konflikt ist, dass man nicht genau weiß, ob hier einfach zu viele Details ausgestellt sind oder doch nur die geschliffenen Soundkanten für ein Verschwimmen der Konturen sorgen. Sollten Minus The Bear diese Spannung auch noch lösen, würden sie wohl entweder riesengroß oder sterbenslangweilig. Vorerst ist "Planet of ice" zugleich sehr spannend und ein wenig zurückhaltend. Schizophren, irgendwo tief drinnen. Vielleicht trifft es Sänger Jack Snider noch am Besten, wenn er vermutet: "Music is a sedative / And you put out what you put in." Sind wir nicht alle ein bisschen schizophren?

(Tobias Hinrichs)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • Knights
  • Double vision quest
  • Lotus

Tracklist

  1. Burying luck
  2. Ice monster
  3. Knights
  4. White mystery
  5. Dr. L'Ling
  6. Part 2
  7. Throwing shapes
  8. When we escape
  9. Double vision quest
  10. Lotus
Gesamtspielzeit: 48:27 min

Im Forum kommentieren

Dan

2021-08-24 21:56:55

Oh ja, damals sehr oft gehört und auch am Stück. Ein Album, welches rauszuholen gilt.

Hoschi

2021-08-15 09:20:31

Auch gestern auf der Heimfahrt von Österreich mal wieder ausgepackt.
War lange Zeit eines meiner Lieblings Alben(zusammen mit Menos el oso).
Tolle, warme Produktion und die Gitarreneffekt waren lange Zeit ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Omni und Infinity Overhead haben mich damals stark enttäuscht, Voids war so lala und lost loves war klasse, auch wenn es nur eine Sammlung älterer Songs war.
Hör das Album nicht mehr ganz so oft aber wenn dann meistens im Sommer :)

HRP 6/10
They make beer... 7/10
Menos 8,5/10
PoI 9/10
Omni 5/10
IO 6/10
Voids 7/10

Lost loves 8/10
Acoustics 1+2 8/10
Fair enough EP nicht gehört(sollte ich mal nachhören)

Die könnten ruhig eine Reunion starten.
Was richtig schlechteres kann die Band bestimmt nicht fabrizieren.

Affengitarre

2021-08-14 22:47:58

Länger nicht mehr gehört, gefällt mir aber gerade echt gut. Gleichzeitig durchaus gniedelig aber auch schön poppig, das bekommt die Band wunderbar hin. Die ganzen Gitarrenspielereien und Effekte sind auch stets songdienlich und passen zur eher zurückgelehnten, entspannten Stimmung.

- the ear

2015-12-28 02:51:53

Was sind eurer Meinung nach die Highlights auf dem Debütalbum sowie auf Omni und Infinity Overhead?

noise

2015-12-24 10:32:58

Schön das hier einige diese Band kennen.
"Menos el Oso" und "Planet Of Ice" sind meiner Meinung nach die besten Alben der Band, wobei ich die erste nicht kenne. Finde auf der "Menos..." besonders den Song "El Torrente" sehr gut. Arbeiten auf den Alben mit interessanten Guitarreneffekten.
Dagegen hat mich die "Omni" enttäuscht. Das geht schon sehr in seichte Popgefilde.
Die "Infinity Overhead" ist wieder besser geworden, kommt aber an die erstgenannten nicht heran. Dort klingt die Band schon ziemlich "normal".
2014 haben sie "Lost Love" herausgebracht. Mit Outttakes aus ihrer gesamten Schaffensphase. Sind aber durchaus einige Perlen drauf. Kann man absolut nicht als Ausschussware betrachten.

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Threads im Forum