Spoon - Ga ga ga ga ga

Anti / SPV
VÖ: 06.07.2007
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Papperlapapp

Es gibt nichts als Einbahnstraßen, die uns mit dem Soul verbinden und natürlich führen sie alle von ihm weg. Entweder man hat ihn, oder man hat ihn eben nicht. Entweder man wird als Amy Winehouse geboren, oder man ist und bleibt Joss Stone. Die eine Ausnahme, die das Ganze erst zur Regel macht: Britt Daniel, Sänger von Spoon, Songwriter von Spoon, Seele von Spoon. Im 13. Bandjahr angekommen, wird er immer cooler, singt längst wie jemand, der alles schon gesehen hat, und könnte es nicht beiläufiger hinkriegen, würde er noch die Studioblumen gießen, während seine Vocals aufgenommen werden. Paradox ist aber doch: Gleichzeitig schafft er es irgendwie auch, immer beseelter zu klingen. Gleichzeitig werden Spoon mehr und mehr zur Soulband.

"Ga ga ga ga ga" heißt die neuste Platte zu dieser fortlaufenden Entwicklung; sie steht am Ende zweier weiterer Bandjahre, in denen Daniel mit gewohnter Souveränität die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Er trug die wichtigen Stücke zum "Stranger than fiction"-Soundtrack bei - nach "Gimme fiction" natürlich logische Konsequenz. Und er gab sogar eine Art Schauspieldebüt, als Britt in der großartigen Fernsehserie "Veronica Mars". Die meiste Zeit aber ist für 36 Minuten neue Musik draufgegangen, gebündelt und beschränkt aufs Wesentliche (wie immer) und doch wieder anders als die Platte davor (wie immer). Man sagt das noch nicht mal, weil Daniel den Song "You got yr. cherry bomb" geschrieben hat, der mit Diana Ross auf der Brücke eins zu eins von den Supremes sein könnte.

Es ist eben auch sonst wieder viel passiert, neu dazugekommen und weg gestrichen worden. Letzteres gilt vor allem für die zerfetzten Soli und kühlen Rechenaufgaben von "Gimme fiction" - nur der überragend breit getretene Opener "Don't make me a target" führt sein Bluesklavier noch pflichtbewusst zur Gitarrenschlachtbank. "The ghost of you lingers" versteckt sich anschließend hinter gut gespielten Schüchternheiten, ist aber eigentlich das Schlüsselstück zur Platte. Daniel singt ein Terzett mit den Gespensterstimmen in seinem Kopf, das Piano hämmert einem dazu den Albumtitel in die Hirnrinde, der Effektstaubsauger besorgt den Rest. Es steht nicht mehr viel nach diesem Song, aber "Ga ga ga ga ga" hat ja noch eine ganze Platte Zeit für seine Wiederaufbauarbeiten.

Dass erstmal ein Cover kommt, ist nur gerecht; Spoon machen aus dem bisher unveröffentlichten "Don't you evah" der New Yorker Rockband The Natural History einen schock gefrosteten Funksong und sind auch danach nicht knauserig mit den Geschenken für Freunde und Bekannte. Das selbsterklärende "Eddie's ragga" ist dem Sänger von I Love You But I've Chosen Darkness gewidmet, und der Flamenco-Zusammenstoß mit "My little Japanese cigarette case" könnte zumindest dem Titel nach auch ein Fiery-Furnaces-Track sein. Wer wegen dieser abstrusen Geschichte aber auf die Idee käme, Daniel zu fragen, ob er mal Feuer habe, macht sich auch mit Blick auf die bisher vielseitigste, fleißigste und unordentlichste Spoon-Platte lächerlich. Kippen zündet dieser Mann längst durch seine Aura allein an.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Don't make me a target
  • The ghost of you lingers
  • You got yr. cherry bomb
  • My little Japanese cigarette case

Tracklist

  1. Don't make me a target
  2. The ghost of you lingers
  3. You got yr. cherry bomb
  4. Don't you evah
  5. Rhthm & soul
  6. Eddie's ragga
  7. The underdog
  8. My little Japanese cigarette case
  9. Finer feelings
  10. Black like me
Gesamtspielzeit: 36:30 min

Im Forum kommentieren

Luc

2021-05-26 20:14:51

Danke
bzw. Danke

Felix H

2021-05-26 19:36:52

@Luc:

Hab deinen Post mal gefixt. :)

kingbritt

2021-05-26 16:53:08


. . . ja, BritPop würde ich das Album mal bezeichnen wollen.

dreckskerl

2021-05-26 16:45:18

Ja. Ich habe es im letzten Post bewusst übertrieben :-)
Ich höre das meiste ja so richtig konzentriert zum ersten Mal...ab nächster Woche kommen die Alben, die ich besser kenne.

Mir kamen diese britischen Assoziationen immer wieder und ich finde schon, dass die Band recht eindeutig die britische Pop/Rockmusik abfeiert und enorm kreativ ihren eigenen Stempel draufdrückt.

Takenot.tk

2021-05-26 16:35:26

Ich bin etwas überrascht über die vielen Anmerkungen zum britischen...für mich war Spoon immer eine sehr amerikanisch-soulige Band, das britische habe ich da nie wirklich wahrgenommen (auch wenn ich die Kommentare song-bezogen durchaus immer nachvollziehen konnte in den Sessions, zumindest was die Vergleiche zu bestimmten britischen Bands anging (habe mich ja auch etwas dran beteiligt glaube ich).

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