Juli - Ein neuer Tag

Island / Universal
VÖ: 13.10.2006
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Wasser ins Gesicht

Es gibt einige Dinge, die man niemals in aller Öffentlichkeit zugeben darf. BILD lesen. CDU wählen. Juli hören. Selbst nachdem die Hessen vor zwei Jahren nicht nur unfreiwilig mit "Perfekte Welle" den idealen Soundtrack zum Tsunami in Südostasien lieferten, sondern bei einer anderen Katastrophe, dem Bundesvision Song Contest, mit "Geile Zeit" sogar richtig abräumten, wollte es keiner gewesen sein. Zu offensichtlich deren Masche: Wie am Reißbrett konzeptioniert wirkte diese Frau-vor-vier-Kerlen-Truppe mit ihrem familientauglichen Poprock. Damit wird man nicht cool, sondern höchstens reich.

Statt Lotto zu spielen, haben Juli also einfach ein zweites Album gemacht. "Ein neuer Tag" heißt es und klingt eigentlich gar nicht viel anders als "Es ist Juli". Die Melodien bittersüß, der Augenaufschlag harmlos und die Silben so charmant genuschelt, daß man das glatt mit Bodenständigkeit verwechseln könnte. Das ist so verwerflich durchkalkuliert, daß es einem beinahe durchgeht, wie wenig die unterstellt neokonservative Schlagerhaftigkeit eigentlich stört.

Was läuft hier denn gerade schief? Ist das Gehör mittlerweile von all den Silbermonds und Christls weichgeorgelt? Machen Juli plötzlich gar schmerzfreie Musik? Oder war etwa das alles damals doch nicht so schlimm, wie es in der Massierung wirkte? Auf "Ein neuer Tag" geht vieles überraschend in Ordnung. Richtig in Ordnung sogar. Die Single "Dieses Leben" ist selbstzufrieden, gönnt sich aber bescheidene Euphorie. Auch das glitzernde "Du nimmst mir die Sicht", das zweifelnde Moll von "Bist du das", das arschwackelnde "Am besten sein" oder das dezent ausfransende "Wer von euch" nehmen minimale Abwege von der allzu glatten Oberfläche in Kauf, ohne sich im Einerlei zu verirren.

Dezent schrubbt die Gitarre, leichtfüßig verschieben sich die Rhythmen, und die Laut-Leise-Dynamik hält sich an die allgemein nachdenkliche Stimmungslage. "Wen soll ich suchen? / Was soll ich finden?", rätselt Eva Briegel und hält die Songs in einer oft reizvollen Schwebe. In "Ein Gruß" kommt mit dem artigen Dankeschön an alle Anhänger und Zuarbeiter aber doch wieder die biedere Provinzialität durch. Trotzdem hält sich Pausenbrotlyrik wie "Keine, die mich sieht wie Du / Old Shatterhand und ich Winnetou" oder "Wenn Du Dich mal verloren hast / Dann hab ich Dich gesucht" meist vornehm zurück. All das ist natürlich selbst dann eher zahnlos, wenn "Das gute Gefühl" von homoerotischem Schwermut überrumpelt wird oder das Titelstück mit zackigen Riffs wuchert. Aber mittendrin wartet unvermittelt abstoßende und verstörende Brutalität: "Ich gehe über neu gestellte Weichen / Über Zäune, über Leichen." Nur Spaß, nur Spaß.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Dieses Leben
  • Bist du das
  • Wer von euch

Tracklist

  1. Dieses Leben
  2. Du nimmst mir die Sicht
  3. Bist du das
  4. Zerrissen
  5. Ein neuer Tag
  6. Wer von euch
  7. Wir beide
  8. Egal wohin
  9. Das gute Gefühl
  10. Am besten sein
  11. Wenn du mich lässt
Gesamtspielzeit: 55:04 min

Im Forum kommentieren

Machmal

2007-05-31 00:52:08

und jetzt? Hat sie sich jetzt nackig gemacht?

music-hero

2007-05-31 00:36:52

Habe den neuen Song "Zerrissen" heute gehört und muss sagen, dass er zwar ganz gut ist, aber an ihre ersten Songs nicht heran kommt.

Schade.






XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
http://www.wiilevel.de

machmal

2007-05-31 00:28:04

Hat sie sich nun endlich entblättert?

leKeks

2006-12-28 13:54:40

Ht die Olle sich endlich fürn Playboy entblättert ?

Nein ?

Dann gibts zu Juli irgendwie nich viel zu sagen. :/

alfred

2006-12-27 21:33:12

hehe....

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