Deichkind - Aufstand im Schlaraffenland

Island / Universal
VÖ: 19.05.2006
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

TipTop

Liebe Freunde, diese Platte hier ist eine echte Revolution. Natürlich weiß das jetzt gerade noch niemand, aber trotzdem, ungelogen, das Teil wird mal legendär. Menschen werden sich Jahre später daran erinnern und sagen: "Ja." Oder vielleicht auch: "Na, aber hallo." Und das liegt noch nicht mal an der Musik, das liegt am wegweisenden, schlechthin visionären Umgang der Band Deichkind mit dem Scheißhaufen, der da vor ihr liegt und früher mal eine Karriere war. Andere Celebrities würden vor laufender Kamera einen kleinen Amerikaner heiraten (Sarah Connor), mit René Weller boxen (Big-Brother-Neun-Live-Jürgen) oder mit Big-Brother-Neun-Live-Jürgen boxen (René Weller), um da noch irgendwas zu retten. Deichkind hingegen haben kapiert, was man so anstellen kann, wenn eh alles egal ist. Und sollte das Schule machen - na, aber hallo.

Für den besseren Überblick: Weil ihr HipHop für heute nicht mehr gangsta, real und schlecht genug ist, war Deichkinds Karriere zuletzt so sehr am Arsch, daß die Karrieren anderer Künstler schon anfingen, sie auf den Karriere-Gewerkschaftstreffen liebevoll Pete Doherty zu nennen. Malte, Phillip und Buddy sind folgerichtig nach allen Regeln durchgedreht, die die Kunst in solchen Fällen vorsieht (Malte sogar ein bißchen zu sehr, weswegen er jetzt raus ist). Und "Aufstand im Schlaraffenland" klingt als Resultat des ganzen Quatsches nun, als hätten Deichkind vor, in Zukunft bei Mayday und Bundesvision Songcontest mitzumachen oder sich von Scooter remixen zu lassen.

Schon das "Intro" samt seiner Midi-Bläser klingt hier, als wäre es auf einem Gameboy aufgenommen worden. Wenn man's aber mal nüchtern betrachtet - was ja eigentlich von vornherein ein Fehler ist! - dann ist das doch noch der gesündeste Track der ganzen Platte. Die grandiose Single "Remmidemmi" kommt da jedenfalls nicht in Frage, wie sie so über die Grasnarbe hoppelt und von dort der Niveaumeßlatte unter den Rock stiert. Die Eskapaden des gloriosen "E.S.D.B." dürften fleißigen Privatfernsehguckern nicht nur wegen seines Modern-Talking-Zitats (so ungefähr) bekannt vorkommen. Und daß in "Prost" sogar Das Bo kurz hochschreckt, um gegen sein Dispo-Problem anzurappen, ist dann ja auch nur noch die letzte Konsequenz. Hoch die Tassen und runter mit den Spendierhosen.

Sagen wir's also, wie es ist: Die Eurodance-Gabba-HipHop-ShitRock-Gala auf dieser Platte ist wahrscheinlich das schlechteste bißchen Musik seit der Sportfreunde-Fußballplatte, das hier noch mit einer 6/10 davonkommt. Und zugegeben, man braucht ja auch einen guten An/Aus-Schalter im Hirn, um sich vom Türkiye-Rap aus "Jüjük", der ausgesprochen relaxten Akustikgitarrenzeitlupenballade "Silberweidenpark" oder einem beliebigen anderen Track von "Aufstand im Schlaraffenland" nicht die Nervenbahnen zuteeren zu lassen. Unser Top-Tip deshalb: Gleich nach dem Blutabnehmen hören. Kurz vorm Aufstehen. Oder nur im Handstand. Alles andere könnte zu ernsten Verletzungen führen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Remmidemmi (Yippie yeah yeah)
  • E.S.D.B.
  • Jüjük

Tracklist

  1. Intro
  2. Voodoo
  3. Remmidemmi (Yippie yeah yeah)
  4. Aufstand im Schlaraffenland
  5. Show 'n shine
  6. Ich betäube mich (feat. Sarah Walker)
  7. Silberweidenpark
  8. Papillon
  9. E.S.D.B.
  10. Jüjük (feat. Porky & Mister Celebi)
  11. Prost (feat. Das Bo)
  12. Krieg
Gesamtspielzeit: 42:53 min

Im Forum kommentieren

Micha

2017-07-31 14:59:58

Kann ich mir schwer vorstellen, live lief Remmidemmi schon ende 2004 und Anfang 2005 auf den Deichkind-Konzerten (z. B. damals auf dem Immergut als sie dort waren). Beat Connection von LCD Soundsystem wurde aber auch erst 2005 veröffentlicht.

Mister X

2017-06-16 09:56:47

Mister X deckt auf.
Heute : Remmidemmi Yippie Yippie Yeah geklaut von Beat Connection von LCD Soundsystem

Felix H

2017-05-25 22:54:23

Für mich ihr schäwchstes Album überhaupt und speziell nach der Neufindung.
Klar, "Remmidemmi", "E.S.D.B.", "Krieg", der Titeltrack - die können schon einiges. ABer super zerfahren das Ganze, einiger Müll auch. Die zunehmende Fokussierung danach hat ihnen gut getan.
"Voodoo" ist auf Platte lahm, die Version von der letzten Tour war aber geil.

eurodance commando

2017-05-25 17:42:34

die ersten Worte der Rezi sind im Rückblick tatsächlich visionär !

lüdgenbrecht™

2008-05-30 18:36:40

Egal, tolle Band, unfragwürdig spitze, und
unanfechtbar großartig!

Weit Weg

Remmidemmi

Bon Voyage

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