Cult Of Luna - Somewhere along the highway

Earache / Rough Trade
VÖ: 21.04.2006
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Hoher Besuch

Stetig wachsende Besucherzahlen, ein aktives Forum mit hitzigen Diskussionen und eine Unmenge an schönen Texten über noch schönere Soundperlen. Mit Plattentests.de wurde schon manch abscheulicher Geschmack zum Guten gewendet. So viel zu den unbescheidenen Tatsachen. Hingegen ein noch relativ unerforschtes Feld im Wirkungsbereich dieser Seite sind die Auswirkungen auf die Musik selbst. Und um das Kind gleich beim Namen zu nennen: Plattentests.de erweist sich als Trendsetter.

Daß immer mehr Hinzes und Kunzes vorbeisurfen ist - ohne wieder arrogant zu wirken - zwar eine feine Sache, doch mittlerweile scheinen sich hinter dem komischen IP-Zahlen-Wirrwarr sogar internationale Stars und Sternchen zu verbergen. "Salvation" war für manche ein Meisterwerk, doch daß es immer Widerständler gibt, wissen wir nicht erst seit Asterix. Und so prangerte ein Vertreter von Plattentests.de beim Vorgänger nicht ganz zu unrecht stimmliche Eintönigkeit an. Mit der Meinung war man zwar weitgehend allein in der Branche. Aber Cult Of Luna scheinen das gelesen und sich sogleich an die Umsetzung gemacht zu haben. Man hatte zwei Optionen: mit dem Gesang vielfältiger zu werden oder ihn gleich wegzulassen.

Und beides versuchen Cult Of Luna nun auf "Somewhere along the highway". Einerseits ist das gesamte Album mehr aufs Wesentliche reduziert worden. Und andererseits erklingt schon nach wenigen Sekunden im Opener "Marching to the heartbeats" eine gedämpfte Stimme, die sich bewußt absetzt vom aggressiven Gebrüll des Vorgängers. Auch der Standardaufbau mit minutenlangem Intro, epischem Ausbruch mit Geschrei und ebenso langem Ausklang wird schon hier gebrochen. Ein plötzlicher Wechsel zu treibenden Schlagzeugrhythmen leitet das neue Motiv ein, das in "Finland" zu Red-Sparowes-Melodien übergeht. Und überhaupt wirkt das Gebrüll jetzt viel druckvoller, wenn dem verspieltere Melodien, mehr ruhigere Momente und gar durchweg zurückgenommene Songs gegenüber gestellt werden.

Cult Of Luna namen sich die Kritik zu Herzen, ohne aber durch allzuviel Veränderung einen Stilbruch zu riskieren. Warum eigentlich auch? Um nicht auf der Stelle zu tanzen und den kreativen Prozess weiter voranzutreiben, schlagen wir im übrigen vor, auf dem nächsten Album mal kurz richtig zu singen. Ansonsten schöne Grüße, wenn Ihr eure Bewertung wieder lest. Wir haben Euch auch lieb.

(Christoph Schwarze)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Finland
  • And with her came the birds

Tracklist

  1. Marching to the heartbeats
  2. Finland
  3. Back to chapel town
  4. And with her came the birds
  5. Thirtyfour
  6. Dim
  7. Dark city, dead man
Gesamtspielzeit: 64:44 min

Im Forum kommentieren

Given To The Rising

2020-12-31 17:28:36

Cult Of Luna gehen auch experimenteller vor. Allein der Ansatz von Vertikal, sich an Fritz Langs Metropolis auszurichten. Isis klingen dafür einfach besser und perfekter.

Affengitarre

2020-12-31 17:16:37

Schwachpunkte, hm. Das liest sich gerade so, als ob man da zwanghaft nach suchen müsste.

Also Schwachpunkt ist auch wirklich relativ, wie gesagt auch für sich ein toller Track, der aber gerade im Albumkontext nochmal gut gewinnt.

Ich finde ja, dass der Vergleich mit Isis auch nur bedingt zieht (hatte ich von boneless aber auch nicht so verstanden), weil die beiden Bands trotz ähnlicher Grundzutaten dann doch ganz anders vorgehen. Bei Isis steht dieser Sog im Vordergrund, dieses repetitive, einnehmende, wohingegen bei Cult of Luna für mich die meisten Tracks abwechslungsreicher sind, dich mehr winden, mehr passiert. Beides auf seine Art fantastisch, insgesamt gefällt mir der Ansatz von Isis mehr, wobei das auch je nach eigener Stimmung wechselt.

Given To The Rising

2020-12-31 16:48:18

Bei Isis sind die harten Parts perfekt, auch weil sie cleaner klingen und weitestgehend auf Growls verzichten, die dafür umso wirksamer sind. Cult Of Luna ist trotzdem eine Ausnahmeband, die mit Vertikal, A Dawn To Fear und mit Abstrichen Mariner auch in den letzten 10 Jahren hohe Qualität abgeliefert haben und sich vom Image des Neurosis-/Isis-Klons emanzipiert haben.

Given To The Rising

2020-12-31 16:42:15

Somewhere Along The Highway ist die leichteste Platte der 3 Bands. Bei Salvation gibt es zu viele schwächere Momente und The Beyond hat nur einen Ausnahmetrack (Circle), der Rest ist gut, aber zu hart und growllastig, was die Schwäche der Band ausmacht (die eintönigen Growls).

boneless

2020-12-31 16:27:36

Schwachpunkte, hm. Das liest sich gerade so, als ob man da zwanghaft nach suchen müsste. Nein, hier haben wir eine fast makellose Platte, die zusammen mit Salvation und The Beyond Cult of Luna endgültig im Verbund der heiligen Postmetaldreifaltigkeit (Neurosis - Isis - Cult of Luna) etablierte. Atmosphäre, Spannung, Gewalt. Cult of Luna haben das so nie wieder derart zwingend auf den Punkt gebracht. The Beyond war brutaler und Salvation schmerzhafter, Somewhere hingegen atmet wie kaum eine andere Platte des Genres und bleibt doch durchgehend roh und gleichzeitig verletzlich. Und ja, Dim. Ungezählte Male gehört und doch immer wieder ergreifend. Wie dieser Track bis zur Explosion langsam und schillernd erblüht, ist atemberaubend und entzieht ca. 90% aller Instrumentalgruppen die Daseinsberechtigung. Besser kann man das nicht machen.

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