Levellers - Truth & lies

Eagle Rock / Edel
VÖ: 06.06.2005
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Neulich in der Wohnwagenkolonie

"Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden." Im Gegensatz zu den Squatterfreunden Levellers ist dieser bausparkassencharmante Slogan bekannt aus Funk und Fernsehen. Melodieseliger Grasbodenaktivismus hingegen, der Anfang der Neunziger noch für Hymnen wie "One way" oder "15 years" gut war, wirkt in Zeiten von Internet und Klingelton leidlich anachronistisch. Und doch hat die Bodenständigkeit der Vorzeigelinken aus Brighton ihr Gutes: Dank ihrer Initiative "The Metway sessions", bei der sie aufstrebenden Musikern jeweils eine kostenlose Studiowoche spendieren, konnten Bands wie British Sea Power, The Electric Soft Parade oder Clearlake auf sich aufmerksam machen.

Doch wer jetzt spekulieren mag, die Mannen um Näselstimme Mark Chadwick wären dem Zeitgeist, nach dem sie einst gar ein Album benannten, wieder auf der Spur, wird von "Truth & lies" einmal mehr eines Besseren belehrt. Dabei haben die elf Songs mit der stürmischen Erdigkeit der eigenen Frühphase genausowenig gemein wie mit dem Sturm und Drang aus dem heimischen Studio. Stattdessen haben die Levellers längst auch bräsigen Dadrock auf dem Plan, der bisweilen an musikalischem Thatcherismus grenzt. Obwohl trotzdem Songs wie das stampfende "Last man alive", die harmonieduselige Grinserei "For us all" oder die gutmenschelnde Single "Make you happy" so mitten im Klischee dann doch einigen Spaß machen können.

Doch wie am Ende des Tresens die eine oder andere tiefere Einsicht wartet, finden die Levellers vor allem in weniger aufgedrehten Momenten Stimmungen und Atmosphären, die nicht bloß Oberfläche sind. Unter seinem Produktionszinnober ist "Confess" ein feines Stück Songhandwerk. Das anklagende "Who's the daddy" bekommt gerade noch die Kurve am Betroffenheitskitsch vorbei, und das abschließende "Sleeping" funktioniert trotz und wegen des elektronischen Gezwitschers ganz prima. Der Rest von "Truth & lies" ist immerhin keine Enttäuschung. Sondern im positiven Sinne konventionell und vorhersehbar. Was dann ja immer noch mehr ist, als man beispielsweise von Genosse Mike Scott und seinen Waterboys sagen könnte.

Und so sind die Levellers derzeit in einer ähnlichen Situation wie Oskar Lafontaine: 1. Das Herz schlägt links. 2. Lange waren sie weg vom Fenster. 3. Derzeit macht sich wieder leise Hoffnung breit, daß es doch wieder etwas werden könnte. Selbst wenn man dafür zum Spießer werden muß.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Confess
  • Sleeping

Tracklist

  1. Last man alive
  2. Make you happy
  3. Confess
  4. For us all
  5. Knot around the world
  6. Steel knife
  7. Wheels
  8. Said and done
  9. Who's the daddy
  10. The damned
  11. Sleeping
Gesamtspielzeit: 43:22 min

Im Forum kommentieren

binhid

2012-10-31 18:18:23

dLS0yg dzubrysedzrj

captain kidd

2012-10-31 00:35:36

was habe ich die geliebt damals. aber nach zeitgeist war dann auch gut...

Sitangshu

2012-10-30 22:50:54

sagt:Moin Moritz, ist doch klar das so ein rauhes kfchles Klima pre4gt, sich fcber Jahrhunderte auf die Gemfcter necdersihle4gt. Heidft: nicht mit jedem reden und nicht jeder Sau trau‘n. Wir brauchen halt ne‘ kleine Weile bis wir auftau‘n. Tja, man glaubt's kaum, aber dann sind wir echt kuschelig. Hamburg ist ein derber Beat schf6n und schmuddelig.Um mit einem Text der Beginner zu antworten

Buttergeist

2005-07-21 23:33:01

"Levelling the land" ist tatsächlich ein sehr geiles Album. Ab Album #3 oder so wurden sie allerdings dermaßen schlecht, daß ich eine regelrechte Aversion gegen die Band entwickelt und meine Levellers Alben verkauft habe. Eigentlich blöd, ich würde die "Levelling the land" jetzt gerne nochmal hören.

nero-for-gladbach

2005-07-21 19:43:31

die "levelling the land" und die "s/t" habe ich damals auch gerne und oft gehört. heute kann ich mir diese art von musik irgendwie nicht mehr geben.

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