Oasis - Don't believe the truth

Big Brother / Epic / Sony BMG
VÖ: 30.05.2005
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Stand by

Die Treuesten der Treuen, wir Ultras unter den Oasis-Fans, fühlen uns beizeiten wie Vladimir und Estragon, die zwei Protagonisten aus Becketts absurdem Drama "Waiting for Godot". Immer warten wir auf die musikalische Erlösung, immer harren wir aus für den Heiland unter den Rocksongs. Wir sitzen rum, wir warten ab, trinken Tee und träumen von einem neuen "Morning glory". Seit knapp zehn Jahren fristen wir so schon ein mehr oder minder unbefriedigtes Dasein. Göttliches kommt, so viel Objektivität muß sein, leider auch diesmal nicht. Um die Wahrheit also aufzutischen, bevor auch nur der erste von elf Songs hier im einzelnen eines kritischen Ohres gewürdigt wird: Auch "Don't believe the truth", der weitere angekündigte große Wurf der zwei nunmehr gezähmten Großmäuler aus Manchester, ist Stillstand auf nur mittelhohem Niveau. Und auch, wenn uns Oasis im Albumtitel zurufen, daß dieser und anderen Wahrheiten nicht zu glauben sei, ist es doch nichts als die bittere selbige.

Sie versuchen es ja immer wieder, sie geben sich nicht auf. Diese ewigen Talente auf Stand by, diese Prolls vor dem Herrn. Diesmal mit ein wenig mehr Demokratie, denn nur fünf Songs steuerte Noel am Ende bei. Der Rest kommt vom Rest: von Liam, von Gitarrist Gem Archer und von Bassist Andy Bell. "Turn up the sun" fängt himmlisch nett an und verfängt sich nach dem Intro in einer eher schlappen Rocknummer, ehe das Outro wieder zu einer flotten Melodie mit sich steigernden Akkorden wird. Besseres bieten da auch die folgenden drei Songs nicht. Allen voran die völlig belanglose Single "Lyla". Liams Gesangsspuren knallen uninspiriert auf die Melodie und wollen so recht nicht zünden wollen. Er singt so, wie sein Bruder mit Vornamen heißt.

Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Wartet nur ab! Es sind Songs wie das vertraut klingende "The importance of being idle", die uns in die Erinnerung rufen, daß die Burschen es sehr wohl können. Und "The meaning of soul" schenkt uns ein kleines bißchen Glauben daran, daß sich das Warten doch gelohnt haben könnte. Instant-Rock'n'Roll. Zu kurz jedoch, um gut zu sein. "Guess God thinks I'm Abel" schlufft zwar ziemlich ideenlos dahin, ist dennoch ein kleines Ausrufezeichen auf der bisherigen Songstrecke. Und wenn sie noch nicht "able" sind, dann müssen wir halt noch warten.

Sieben Songs lang dauert das Ausharren, dann kommt als achter Versuch "Part of the queue". Und hier ist sie endlich: die Offenbarung der Platte. Ein Song, in dem sich Oasis nicht verstecken hinter einem bewährten Sound, sondern Noel das Mikro ergreift und etwas singt, was wir Ultras bei unseren Helden schon längst vergessen geglaubt hatten: MELODIE! Der Song steigert sich ins Hymnische. Wir hören hier durch: "Golden brown" von den Stranglers! Und wir zollen Respekt. Haben wir doch gewußt, daß sie es können! Wir werden es allen vorspielen und stolz die Bäuche unserer Oasis-T-Shirts nach außen wölben. Wir können nun sogar guten Gewissens die folgenden Mittelgewichte "Keep the dream alive" und "A bell will ring" anspielen. Danach "Let there be love", die nie fehlende Akustik-Nummer, in der uns Oasis einmal mehr in Erinnerung rufen, daß die Beatles Ursprung ihres Wirkens sind. Allen endlichen Euphorien zum Trotz: Wir sind nicht versöhnt! Das kann es nicht gewesen sein. Wir harren aus. Denn irgendwann wird da noch was kommen. Etwas ganz Großes.

(Sebastian Peters)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Part of the queue
  • Let there be love

Tracklist

  1. Turn up the sun
  2. Mucky fingers
  3. Lyla
  4. Love like a bomb
  5. The importance of being idle
  6. The meaning of soul
  7. Guess God thinks i'm Abel
  8. Part of the queue
  9. Keep the dream alive
  10. A bell will ring
  11. Let there be love
Gesamtspielzeit: 43:00 min

Im Forum kommentieren

Kojiro

2022-07-22 06:41:54

"Pass Me Down The Wine" ist ebenfalls klasse.

didz

2022-07-21 19:15:09

'won't let you down' is klasse. und was stimmt mit liams stimme nich, zu näselig? ;-)

The MACHINA of God

2022-07-21 18:42:45

Halt! "Sitting here in silence" war ja doch eine B-Seite. Die hatte ich vergessen. Mega.

The MACHINA of God

2022-07-21 18:40:13

Ich finde ja die Schwäche dieser Phase spiegelt sich auch in den B-Seiten wieder. Keine einzige dieser macht es in meine Best of der Band, obwohl beide Vorgänger locker jeweils 3-4 grandiose B-Seiten haben. Aber hier? Und eine B-Seite offenbart auch, wie schlimm es um Liams Stimme damals stand: "Won't let you down". Unfassbar.

The MACHINA of God

2022-07-21 18:26:42

Übriges zweitbester Songwriter der Pladde ganz klar Andy Bell.

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