Slut - All we need is silence
Virgin / EMIVÖ: 06.09.2004
Peace is over
Nichts geht mehr. Alles liegt im Dunkeln. Jetzt soll aber bloß keiner das Licht anmachen. Weil da was nach oben drängt, nach draußen. Ein seltsam unbestimmtes Gefühl, das Gefühl vielleicht, alles satt zu haben. Der Dinge überdrüssig zu sein. Das Gefühl von "All we need is silence". Raus zu müssen, weg zu müssen, Ruhe zu finden. Ruhe vor allem und Gott weiß was. Die Ruhe nach dem Sturm jedenfalls. Denn da müssen wir jetzt noch mal durch. Dann ist gut, dann ist Ruhe. Aber das wird kein Leichtes.
Es war eine Ansage von Christian Neuburger, auf der Bühne getroffen, in der Hitze des Gefechts. Sie hat hohe Wellen geschlagen. Verunsicherung, Entsetzen, Trotz und apokalyptische Gedanken wie diese hier heraufbeschworen. Gedanken, die sich Slut längst gemacht hatten. Schluß sollte sein nach "All we need is silence", hat der Sänger vor ein paar Wochen gesagt, die neue, fünfte Platte als "letztes Album" bezeichnet. Und wenn dann jetzt die ersten unheilverkündenden Gitarrenanschläge des Anfangs erklingen, kann es einem schon mulmig werden. "The beginning" bricht über die Platte wie eine Splitterbombe, platzt nach zähem, nervösem Beginn auf in alle Richtungen. Und dann diese Zeile. "Let's make war instead of love." Komm schon! Was für ein Statement.
Dann ist fünf Minuten der Teufel los. "Lost emotion" und "Neverending" fauchen, kratzen und beißen wie kaum zwei Slut-Songs zuvor. Erst mit "Staggered and torn" kehrt wieder Besinnung ein. "No flowers, please" hängt tief in den Wolken, aber die subtilen Radiohead-Spielereien der Vorgänger-Platte sind vorbei, die neue ist kein Technikwunder. Eine Kampfplatte vielmehr, ohne Schnörkel, ohne Keyboards. Aber mit Geschrei, endlich wieder. All die unbestimmte Wut, die sich angesammelt hatte, sie verlangte und forderte nach einer einfachen, unvermittelten Umsetzung. Und die hat sie bekommen. Allein "Wasted", verdammt, wie das einen noch mal zur Schnecke macht. Das ist ganz schön große Klasse.
Schon kurz darauf endet "All we need is silence". Nach rasend schnellen 37 Minuten mit "Get lost get lost", der einzigen Ballade, dem einzigen Song, der die Kraft nicht mehr findet für einen letzten Rundumschlag. Es ist eine sehr dichte Platte, paßgerechter und direkter auf den Punkt als die vier zuvor. Vor allem aber ist es eine schrecklich unzufriedene Platte, erdacht in der Abgeschiedenheit des tschechischen Nirgendwos, entstanden wieder in den Weilheimer Uphon-Studios. "No need for conversation", heißt es im Titelstück, "Leave us alone" später, kurz bevor "Cosmopolite" von seiner Angriffslust gepackt wird. Und dann ist endlich Ruhe. Für Slut wie wir sie kannten. Von nun an könnte alles passieren.
Highlights & Tracklist
Highlights
- The beginning
- Staggered and torn (Let it all go)
- Wasted
- Cosmopolite
Tracklist
- The beginning
- Lost emotion
- Neverending
- Staggered and torn (Let it all go)
- All we need is silence
- Wasted
- Why pourquoi (I think I like you)
- Homesick
- Cosmopolite
- Get lost get lost
Im Forum kommentieren
Takenot.tk
2026-04-28 08:36:27
Das hat richtig Spaß gemacht damals! Erinnere ich mich auch an ein tolles Konzert in Frankfurt dazu, in nem relativ kleinen Laden. Danach haben sie mich nur mit Alienation nochmal annähernd so sehr abgeholt. Meine Lieblingssongs der Band sind lustiger Weise alle von anderen Alben, aber konsequent durchgehört habe ich dieses hier trotzdem definitiv am meisten, das war eine in sich geschlossene Geschichte und hat einfach gut gepasst!
Gomes21
2026-04-28 08:19:01
Für mich ebenfalls das letzte Slut Album dass ich konsequent gehört habe. War damals ein echtes Highlight meiner Sammlung, ist für mich aber so mittelmäßig gealtert, ich habe es in den letzten 10 Jahren kaum mal ganz gehört.
Vive
2026-04-28 07:44:37
das ist das slut album, mit dem ich überhaupt gar nichts anfangen konnte. da waren queens of the stone age big und slut wollten da mit rein. war für mich komplett uninteressant. die band stand für mich für ganz andere qualitäten.
oldschool
2026-04-28 07:30:15
Zusammen mit "nothing will go wrong" definitiv nicht nur ein Highlight der Band, sondern auch der damaligen Zeit.
Frisch, rauh, ungestüm, gut gealtert. Was haben wir diese Alben gehört, bis zum Abwinken.
Tja dannach wurde das output es eteas verkopfter, dannn noch etwas und irgendwann klang alles zu gewollt und konstruiert. Und war gerade das Gegenteil von diesem Album
8hor0
2026-04-28 06:00:00
*Alben!
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