Rika Bender - Blut & Beton

K22
VÖ: 28.08.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Zwei Wälder

Als sich Ende der Siebziger Punk zu New Wave weiterentwickelt hatte, gab es im deutschsprachigen Raum eine Parallelbewegung: die Neue Deutsche Welle. Bands wie Fehlfarben, DAF oder Grauzone hörte man den Mut zur Verstörung an. "No future", der Slogan aus "God save the Queen" der Sex Pistols, wurde auch hierzulande an Tausende Häuserwände gesprüht. Kalter Krieg, Umweltzerstörung, politische Desillusionierung – kommt da was bekannt vor? Jedenfalls war es kein Wunder, dass Punks und Goths dieser Zeit eigene künstlerische Sprachen entwickelten.

Man könnte Rika Bender im Jetzt einfach in Schubladen stecken. Aber sie ist da ganz klar: "Ich spiel nicht mit." Sie spielt lieber mit trister Atmosphäre und treibenden Drums. Ihre tiefe Stimme lässt Bilder von Joy Division aufziehen, während das sture Vorwärts der Songs an The Cure circa 1980/1981 gemahnt. Den fulminanten Bass von "A forest" hört man hier im Opener "Schuss ins Herz" und beim unheilvollen "Zerbricht" als Inspiration. "Und wir schreien / So schön, wie alles zerbricht." Und dann drehen gläserne Gitarren Spiralen in Richtung Abgrund.

Kreiselnde Gitarren umschwirren auch das formidable "Kreis". Der Song ist auf Benders Albumdebüt "Blut & Beton" gleich zweimal vertreten, denn zum Abschluss gibt es noch einen schicken Remix der Single. Der bringt Klangfarben mit, die auf "Blut & Beton" zuvor gar nicht vermisst wurden. "Vergessen" sinniert sehnsüchtig über Wegwerfsex, während sphärische Synth-Flächen so kalt bleiben, wie eine Welt aus Frust und fehlender Nähe eben sein muss.

Es sind dunkle und distanzierende Stilmittel, die hier aus den Achtzigern hervorgekramt werden. Der gute Stoff, Monotonie und Schmollmund. Nicht das euphorische Klimbim, das sie Euch bei den Achtziger-Partys vorsetzen. Gothisches Gitarren-Moll, die säuselnden Synths der New Romantics der NDW, treibende Basslinien wie in "Schwindelfrei", die Monotonie von "Vergessen": "In einer abgefuckten Bar / Zwischen Bier und Pissoir / Tanzen wir im Schweiß der Menge." Auf "Blut & Beton" ist kein Platz für überdrehtes Gealber. Die Songs haben eher einen Besuch beim Therapeuten nötig: "Schon irgendwie toxic."

Auch das Titelstück ist angenehm morbide: "Wenn Du fällst / Dann fallen wir zusammen", erklingt es zum DAF-Elektrobass. Es geht eher um Selbstmord als um Hingabe. Bender setzt dazu auf Nihilismus statt Drama. "Tanzen zu Cure auf der Autobahn / Schlafen am Tag und lieben in der Nacht / Hab die Scheiße ja genauso satt." Und dann kommt noch "Zu hell", bei dem sich Bender vom Alltag der anderen entfremdet. "Die Sonne ist zu hell für mich." Dafür sitzt der Lippenstift. Romantik am Straßenrand, Depression im Neonlicht.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Kreis
  • Zerbricht
  • Vergessen
  • Kreis (Leland P. Remix)

Tracklist

  1. Schuss ins Herz
  2. Kreis
  3. Zerbricht
  4. Vergessen
  5. Morgenrot
  6. Schwindelfrei
  7. Blut & Beton
  8. Zu hell
  9. Kreis (Leland P. Remix)
Gesamtspielzeit: 32:14 min

Im Forum kommentieren

VELVET UNDERGROUND

2026-09-05 11:47:47

Retromüll für geschmacklich Liegengebliebene.

OliverDing

2026-09-02 12:13:33

Näher an echter NDW als Wir Sind Helden oder Mia. je sein konnten.

Cayit

2026-09-02 11:21:28

Schöne Review...
Dank PT höre ich es mir das Album.
Wirklich astreiner Post Punk/New Wave von der Frau!

Armin

2026-09-01 22:38:43- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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