Ariana Grande - Petal

BabyDoll / Republic / Universal
VÖ: 31.07.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Halt, Pop! Jetzt rede ich!

Gibt es heute eigentlich noch Weltstars? Also die Personen, die die achtjährige Cousine genauso kennt wie der griesgrämige Onkel, der kein Social Media hat? Persönlichkeiten, die von Nordamerika bis Südostasien durch keine Straße gehen können, ohne erkannt zu werden? Auf die US-Amerikanerin Ariana Grande dürfte das ziemlich sicher zutreffen. Sie lässt sogar die gerne als Maß der Dinge genommene Taylor Swift in Sachen Instagram-Follower*innen um fast 100 Millionen hinter sich. Seit Kindertagen vor der Kamera oder auf Bühnen, war sie zuletzt in den großen Kassenschlagern "Wicked" und "Wicked: For good" sowie auf Tournee zu sehen. Das bringt allerdings auch ein Leben in der Öffentlichkeit mit sich, Berichte über gescheiterte Liebesbeziehungen, zu denen plötzlich jeder eine Meinung hat, und zuletzt auch noch eine unangenehme Diskussion um Aussehen und Gewicht. Widrige Umstände für eine Blume, um zu wachsen. Doch mit ihrem achten Album "Petal" will Grande genau diesen Widerständen trotzen.

Dafür hat sich auch das Soundbild verändert. Das konnte man schon an der langsam per Drumloop groovenden Vorabsingle "Hate that I made you love me" ablesen, an der mal wieder die schwedische Hitmaschine Max Martin beteiligt war, der insgesamt allerdings nicht mal an einer Handvoll Produktionen auf dem Album mitgewirkt hat. Hauptverantwortlicher neben Grande selbst ist Ilya Salmanzadeh. Der Schwede durfte auch schon beim letzten Album die Fäden ziehen und wird mit Credits für Tate McRae und Ed Sheeran eine immer wichtigere Figur in zeitgenössischer Popmusik. Mit ihm vollzieht sich ein interessanter Wandel, der weniger Drama und Grandeur mit sich bringt, während sich der Gesang der Sängerin in den letzten Jahren immer weiter nach oben bewegt hat – weil es unter anderem schonender für die Stimme sei.

Gut funktioniert das im Titelsong, der mit seinen prägnanten, hallenden Tönen ein bisschen an die Hitsingle "7 rings" erinnert, aber viel verschleppter ist und mit ordentlich Bass auch gut The Weeknd hätte stehen können. "Oh well" ist mit beschleunigtem Tempo und vertrackten Drums nah an Sounds, die zuletzt aus dem UK-Pop von zum Beispiel PinkPantheress kamen. An den Neunzigern und Acts wie TLC orientiert sich mit Klavier und Streichern das wenig subtile "Big feelings", auf dem Grande anschwellen lässt und verkündet: "This sex is 'bout to make a grown man cry." Mit dem kleinen bisschen mehr Vulgarität – es wird hier und da nämlich auch ein "Fuck" als Adjektiv oder Verb eingestreut – war sie schon immer deutlich direkter als Zeitgenossin Tay-Tay und ist eigentlich näher bei Sabrina Carpenter, ohne dass es erzwungen oder gekünstelt wirkt.

Die größte musikalische Überraschung dürfte wohl "Bad thing (Bunny hop)" sein, das als Indie-Pop-Song irgendwo zwischen Tame Impala und Artemas daherkommt. Und ein Spalter ist die Stimmmodulation per Autotune in "Freak", die weniger korrigiert als entfremdet, während ein Achtziger-Synthie und mehr Drumloops den Rest besorgen. Der Track fließt in ein Interlude mit dem Namen "Warning signs", in dem das Autotune noch mal kurz zuckt, bevor es in das düster dreinblickende "Like I do" übergeht, von dem allein der Herleitung nach scheinbar alle Beteiligten wussten, dass er ein Highlight ist. Tief brummt der Bass, während Grande leichtfüßig und trotzdem irgendwie einschüchternd über einzelne Töne springt und fast schon droht: "No one fucks you like I do!"

Was man dabei ganz vergisst: Auch mit der Industrie und Öffentlichkeit rechnet Grande in Nebensätzen ab. Aufmerksamkeit bringe ihr nur noch mehr Geld, singt sie beispielsweise zynisch. Und auch um Erwartungshaltungen geht es in und zwischen den Zeilen. Sie habe einen direkteren Weg gefunden, die Wut in ihre Musik einzubringen, sagt sie über "Petal". Tatsächlich ist das aber nur zu hören, wenn man genau darauf achtet. Das neue Album des Superstars ist in erster Linie ein relativ mutiger Versuch, neue akustische Pfade zu beschreiten, dafür sogar die außer Frage stehende gesangliche Qualität etwas in den Hintergrund zu stellen und alles etwas weniger auf große eingängige Hits voller Drama zu fokussieren. Mit mehr als einem halben Leben im Showgeschäft eine gelungene, wenn auch eher kleine Neuerfindung, bevor es in eine öffentlich angekündigte Auszeit geht und die Gedanken sicher noch weiter reifen können.

(Arne Lehrke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Hate that I made you love me
  • Petal
  • Like I do

Tracklist

  1. Kiss me
  2. Hate that I made you love me
  3. Petal
  4. Stay
  5. Oh well
  6. Big feelings
  7. Freak
  8. Warning signs (Interlude)
  9. Like I do
  10. Never get over me
  11. Bad thing (Bunny hop)
  12. Nowhere, nobody
Gesamtspielzeit: 36:13 min

Im Forum kommentieren

Arne L.

2026-09-11 14:33:03

Haha, danke, das freut mich!

Vennart

2026-09-11 14:31:23

„Das Überschriften-Game erreicht eine neue Eskalationsstufe.“

Auch von mir große Kudos für die Überschrift, das ist wirklich gut! :D

MickHead

2026-09-11 14:19:50

Musikexpress 4/6

https://www.musikexpress.de/reviews/ariana-grande-petal-review-3/

Kontermutter

2026-08-11 18:54:59

Das Überschriften-Game erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Armin

2026-08-10 21:11:02- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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