Electric Callboy - Tanzneid
Century Media / SonyVÖ: 07.08.2026
Neider machen Leute
Ob man der Richtige ist, um ein Album wie "Tanzneid" zu besprechen, wenn man nun schon mehrere Jahre keine Diskotheken mehr von innen gesehen hat – zugegeben, streitbar. Dass die Songs der Kombo aus Castrop-Rauxel mit hinreichender Lautstärke in der Lage sind, auf den Dancefloors des Planeten genug Partystimmung zu entzünden, das ist allerdings auch ohne diese eigene Beteiligung eindeutig festzustellen. Und da "Tanzneid" im Zweifel gar nicht viel mehr leisten soll als eben dies, so stellt sich wohl eher die Frage: Ist nicht jede andere Facette außerhalb der Tanzbarkeit des Dargebotenen einfach nur vergebene Liebesmühe? Am Ende vielleicht sogar bloß eine schlecht kaschierte Neiddebatte, weshalb dennoch genügend Aufmerksamkeit für eine ausgedehnte Welttournee zusammenkommt? Der Vergleich mit einer x-beliebigen anderen Band erscheint in diesem Falle jedoch besonders unfair, gerade weil man mit der Electric-Callboy-Erfahrung das ironische Laissez-faire zwingend mitbucht.
Wenn man allerdings einfach nur darauf schaut, was "Tanzneid" nun im Vergleich zu den bisherigen Alben von Electric Callboy so zu bieten hat, sich also im eigenen Referenzrahmen bemisst, so bleibt allerdings auch hier das Nettofazit: gar nicht mal so viel. Was vermutlich mal eine Art Markenkern und Wiedererkennungswert sein sollte, entpuppt sich schlichtweg als stilistisches One-Trick-Pony. Besonders augenfällig ist diese Limitierung, wenn man anstelle des überproduzierten bemüht-ironischen Boyband-Trashpop-Gesangs beispielsweise wie in "Ratatata" eine Gesangsstimme in den Mix gibt, die das Kaliber von Babymetal-Frontfrau Suzuka Nakamoto aufweist. Allein ihre Präsenz hebt die ansonsten eher mittelmäßigen Shouting-Passagen auf ein Niveau, das den übrigen Songs schmerzlich abgeht und mir als Bandmitglied ernsthaft Gedanken bereiten würde. Womit sich allerdings wieder der Kreis zur initialen Frage schließt, ob man sich von der handwerklichen Anerkennung am Ende denn nun wirklich etwas kaufen kann.
Allerdings sind auch prominente Features nicht das alleinige Allheilmittel, wie "Let the good times roll" mit The Offspring belegt. Wir haben hier eine Art Karaoke-Effekt, in welchem beide Bands versuchen, besonders stark nach ihrem eigenen Werk zu klingen und dadurch anstrengend artifiziell rüberkommen. Selbst für Fans wird es bei diesem Album schwierig zu überhören sein, dass das zentrale Gimmick von Electric Callboy mittlerweile eben auch nur noch das ist. Schnulzig angespeedeter Neunziger-Herzschmerz-Pop auf Rush-Beat mit Shouting-Break rund um die erste Bridge, das dann aber auch ohne größeren Stimmumfang und ziemlich monoton. Und genau dieses Rezept eben immer und immer wieder. Das wäre sogar nicht einmal ein Problem, wenn es nicht so offensiven "Mix & Match"-Charakter hätte, was hier aneinandergereiht wird. Es wäre ohne Weiteres dasselbe Album, wenn man die Mittel- und Endparts der Songs untereinander durchwechselt. Inhalte? Ja, vielleicht gibt es die tatsächlich irgendwo. Aber in dieser Gemengelage vergeht einem auch schlicht die Lust, sich auf die Suche danach zu begeben. "Anlassbezogene Musik" nannte das meine Lehrkraft während der Gymnasialzeit, wenn es darum ging, den Unterschied zu einer komplexen Komposition zu betiteln. Und vielleicht ist es auch einfach nur das. Niemand wird verletzt, Partys werden geschmissen und irgendwie ist das doch auch genug wert an und für sich. Leben und raven lassen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Ratatata (feat. Babymetal)
- Elevator Operator
Tracklist
- Tanzneid
- Ratatata (feat. Babymetal)
- Hypercharged
- Let the good times roll (feat. The Offspring)
- Elevator Operator
- Heartclub
- The way you are
- Still waiting
- The saviour
- Revery
- We got the moves (Sullivan King Remix)
- Tanzneid (Paolo Ferrera Remix)
- Hypercharged (Paul Elstak Remix)
- Revery (Sullivan King Remix)
Im Forum kommentieren
MasterOfDisaster69
2026-08-19 11:45:50
Mein 6-jaehriger gibt auch ne 10/10, mindestens. Immer locker bleiben und mit Humor sowas nehmen, und nicht serioes bewerten wollen, oder kommt bald die Rezension zum neuen Bob the Builder - Song?
Toni
2026-08-11 08:13:16
Die Lieblingsband meines 7-jährigen Sohnes. Aber ich erkenne an, wie groß die geworden sind und sie haben unbstreitbar ein Talent für Melodien. Musikalisch so relevant wie ne Freibadpommes für die Kulinarik. Aber sie kann im richtigen Moment das Geilste auf der Welt sein. 5/10.
Armin
2026-08-10 21:10:52- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
MickHead
2026-08-07 10:03:53
Jetzt komplett bei Bandcamp:
https://centurymedia.bandcamp.com/album/tanzneid-24-bit-hd-audio
Rolling Stone 3.5/5
https://www.rollingstone.de/reviews/electric-callboy-tanzneid-review/
MickHead
2026-07-28 21:52:29
2. Song "The Way You Are"
https://youtu.be/9ji4JnBsS-Y?si=mkp6ZOv-VsetA9wR
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Referenzen
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