Citizen - Halcyon blues

Run For Cover / Cargo
VÖ: 07.08.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Guten Freund*innen gibt man ein Küsschen

Freund*innen wissen, wie man ist. Kontexte müssen nicht erklärt werden, Geschichten werden erzählt wie erlebt, und die Vertrautheit zwischen den Personen füllt die nicht genannten Informationen richtig auf. 17 Jahre lang schaffen Citizen schon diese Vertrautheit. Der Opener "Good fortune" kommt fast schon punkig um die Ecke und umgarnt die Hörer*innen mit bekannter Hook-Lastigkeit und Dringlichkeit. "I can see you from here" festigt den melodiösen Griff und führt in den wohligen Freundeskreis des Citizen-Kosmos ein.

Der Titeltrack oder "Either way" sind so vertraut bittersüß, dass es schwer wird, sich zwischen einem freudigen "Hach" oder einem bedeckten "Och" zu entscheiden. Etwas bedachter vorgetragen, mit der Stimme von Sänger Mat Kerekes im Zentrum, wird hier zwar das große emotionale Besteck aufgefahren, aber ohne in den Kitsch abzudriften. Man begibt sich gerne in dieses Gefühl, eine Art seelisches Auswringen im Schnelldurchlauf. Diese Gabe besitzen Citizen schon seit ihren Anfangstagen.

Die andere Seite der musikalischen Medaille sind Songs wie das eingangs erwähnte Doppel aus "Good fortune" und "I can see you from here" oder "Is it in my brain": das Feiern des Lebens mit einem ständigen Blick auf die Uhr. Schwungvolles Schwelgen, so könnte die Arbeitsmethode von Citizen am ehesten beschrieben werden. Diese Lieder rufen förmlich danach, in den Armen von Freund*innen gefühlt und gelebt zu werden. The Gaslight Anthem sind eine Assoziation, die in solchen Momenten auftaucht.

Der Blick auf alte Zeiten, in Form von stilistischen Rückgriffen, lässt sich bei Songs wie "Matador" (kein Amigos Cover),"Smooth talker" oder der vorab ausgekoppelten Single "Highs and lows" sehen. Dieses Trio würde sich sehr gut auf den beiden Vorgängen einsortieren lassen. Hier klingt es jedoch eher nach jugendlicher Frustration, und der Melancholie-Faktor wird zurückgefahren. Das alles geschieht natürlich nicht auf Kosten der vorher genannten Qualitäten der Band.

Alle Songs bewegen sich innerhalb von drei Minuten Lauflänge. Songs als kurze Notizen, die ein Gefühl zwischen Melancholie und Nostalgie hervorrufen (siehe auch den Albumtitel). Momente werden erlebt, nicht gegriffen, das ist die Tragik schöner Erinnerungen. "Halcyon blues" ist, wie sein Vorgänger "Calling the dogs", ein musikalisches Kind des Sommers. Wie Fußabdrücke in einer Pfütze nach dem Sommerregen, sind die Songs schnell verschwunden, dennoch sind diejenigen, die sie gesehen haben, deutlich länger von ihrer Wirkung betroffen.

(Thomas Verkamp)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Good fortune
  • Halcyon blues
  • Either way

Tracklist

  1. Good fortune
  2. I can see you from here
  3. Halcyon blues
  4. Is it in my brain
  5. Always the last one to leave
  6. Either way
  7. Matador
  8. Ether
  9. Smooth talker
  10. Highs and lows
  11. Anne
Gesamtspielzeit: 37:22 min

Im Forum kommentieren

Armin

2026-08-10 21:10:34- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

noise

2026-08-09 20:39:29

Wie dieses auch kann man eigentlich alle "Citizen" Alben gut durch hören. Keine spektakulären Songs aber größtenteils fein gemacht.

MickHead

2026-08-07 14:15:06

Jetzt auch komplett bei Bandcamp:

https://citizenmi.bandcamp.com/album/halcyon-blues

MickHead

2026-08-07 09:32:45

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mrjGrV4vgIHGxAfWwnmrgCosM9ZewExKA&si=UWxOdWWNtDo8N7J1

noise

2026-08-04 11:32:01

Mir gefällt das gehörte bislang auch. Die melancholischen Songs bei denen sind immer gut durch zuhören. Sie bringen mich irgendwie angenehm "runter".

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