Willow - The thread

Three Six Zero
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Prog wie in Progress

Der Name Willow wird mit vielen verschiedenen Dingen in Verbindung gebracht. Mit einem Fantasyfilm aus den späten Achtzigern und Warwick Davis in der Hauptrolle, zum Beispiel. Mit Alyson Hannigans Figur aus "Buffy – Im Bann der Dämonen". Oder auch mit einer montenegrinischen Gothic-Metal-Band. Der 25-jährigen Willow Smith wäre es eigentlich ein Leichtes, sich im Handumdrehen zur einzig wahren Willow zu erklären und einer der größten Popstars der Welt zu werden. Denn sie hat die Stimme, das Talent und den passenden Nachnamen dazu. Aber eben keinerlei Bock darauf. Denn kein halbes Jahr nach "Petal rock black" erscheint mit "The thread" das nächste, insgesamt achte und mittlerweile schon dritte Artpop-Jazz-Album des einstigen Kinderstars und zwischenzeitlichen Sk8er Girls. Stadionkarriere? Fehlanzeige. Zwischen ausdrucksstarker Percussion, perlender Akustikgitarre und witchy Chören ergibt "She's my religion" sich lieber mit Haut und Haaren dem Spiritualismus. Auch eine gewisse Esoterik lässt sich der Künstlerin kaum noch absprechen. Auf "The thread" bündelt sie allerdings all ihre Stärken und lenkt sie in geradlinige Bahnen.

Durch die dominantere Schlagzeugbegleitung erzeugt das Album einen Groove, der der Musikerin ausgezeichnet steht. Auch die wirklich gelungene Produktion trägt dazu bei, dass es organischer und ausgefeilter daherkommt als der Vorgänger. Wo Smith früher oft eine gewisse Skizzenhaftigkeit an den Tag legte, die viele Stücke etwas unfertig wirken ließ, formuliert sie ihre Kompositionen nun wirksamer aus, presst sie zum Teil auch in konventionellere Formen. Der Titeltrack lässt es sich trotzdem nicht nehmen, verspielt-versierte Vokalakrobatik ins Zentrum zu stellen und um seinen starken, um die Ecke denkenden Refrain zu drapieren. Viele Songs glänzen außerdem durch zusätzliche Details, welche die gewohnt herausragende Stimme ergänzen, ohne von ihr abzulenken – etwa die flinke Gitarrenfigur in "Unconditional". Während schon die Single "Talk on the hill" und das eingängige "Crush on eternity" (mit Unterstützung der japanisch-amerikanischen Indie-Musikerin Mei Semones) einen dichten Band-Sound auffahren, bricht "Tall baby" später regelrecht aus, schlägt die Kurve zur Prä-"Empathogen"-Ära – und überzeugt auf ganzer Linie.

Songs wie "Hell to pay" sind in ihren rhythmischen Verschiebungen dennoch weiterhin schwer zu greifen. Ihrer gefestigten künstlerischen Persönlichkeit zum Trotz zeigt die Kalifornierin sich hier unsicher und verletzlich: "I wanna understand / Please, can you hold my hand?" Überraschend kommt ebenso, dass "Shrink to fantasy" und "Bone collector" gewisse Assoziationen mit softem 80er-Kuschelrock wecken, Letzteres sogar auch mit Krautrock. "The present moment" springt derweil vergnügt durch verschiedene Parts und gönnt sich dennoch eine größere Pop-Bridge. Trotz kleinerer Abstriche wirkt es, als sei "The thread" genau das Album, das Smith schon immer im Sinn hatte und nun endlich umsetzen konnte. Auch wenn die riesigen Ausrufezeichen fehlen und sich zwischendurch gewisse Längen einstellen, präsentiert es sich vor allem als eines: als kohärentes, in sich geschlossenes Werk. Auf ein zweites "Symptom of life" warten wir dann auch gern noch eine Weile länger.

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • She's my religion
  • The thread
  • Hell to pay
  • Tall baby

Tracklist

  1. She's my religion
  2. The thread
  3. Unconditional
  4. Talk on the hill
  5. Hell to pay
  6. Shrink to fantasy
  7. Crush on eternity (feat. Mei Semones)
  8. Tall baby
  9. The present moment
  10. Bone collector
Gesamtspielzeit: 36:14 min

Im Forum kommentieren

nörtz

2026-09-04 16:10:45

6,76 bei mir.

Ralph mit F

2026-09-04 15:09:01

Ist es auch, hab mich am Ende nur ganz knapp gegen die 7/10 entschieden.

The MACHINA of God

2026-09-04 13:54:35

Ich finde das echt ziemlich gut.

Armin

2026-08-10 22:05:41

Wer klickt denn auf diese Links überhaupt? Ist gefixt, danke.

Ralph mit F

2026-08-10 21:51:41

In Sachen Frequenz auf jeden Fall ernstzunehmende Konkurrenz für Lucy Kruger.

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