The Hu - Hun

Better Noise / Open
VÖ: 24.07.2026
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
3/10

Brauchtumspflege

Die Mongolei ist ein Staat, den außer ein paar besonders fanatischer Backpacker wohl kaum jemand aus unseren Breiten als bevorzugtes Urlaubsziel auf der Bucket-List hat. Zumal – und das ist nicht despektierlich gemeint, sondern Fakt – nahezu das komplette Staatsgebiet des Landes aus Gebirgen, Steppen und Wüsten besteht. Bis heute leben in dieser teils unwirtlichen Umgebung etwa 900.000 Nomaden, also mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung. In dieser für westliche Verhältnisse archaischen Lebensweise werden traditionelle Bräuche weiter gepflegt; dazu zählt natürlich auch die Musik. Die unbestritten bekanntesten Vertreter einer Stilrichtung, die traditionelle mongolische Instrumente mit moderner Musik verbindet, sind natürlich The Hu. Gegründet 2016, zählt die Band seit der Debütsingle "Yuve yuve yu" zu den wichtigsten kulturellen Botschaftern des Landes, wurde bereits 2020 mit dem höchsten mongolischen Verdienstorden geehrt und darf sich seit 2022 offiziell "UNESCO Artist for Peace" nennen. Alle Achtung.

Lässt man aber all diese Faktoren außer Acht, müssen sich allerdings auch The Hu den üblichen Regeln des Geschäfts stellen, Exotenfaktor hin oder her. Und das heißt für das klassisch ausgebildete Quartett, dass mit dem nunmehr dritten Studioalbum "Hun" der Überraschungserfolg der Vorgängeralben gefestigt werden muss. Mit welchem Rezept, zeigt direkt der Opener "Warrior chant": stampfende Rhythmen, mit denen die traditionellen Instrumente – vor allem die Pferdekopfgeige – und der Untertongesang einen hypnotischen, mitreißenden Groove entfesseln. Das ist zwar durchaus schon bekannt, zieht aber dennoch in seinen Bann.

Schwieriger ist da das folgende "Lost soul", das durch den Co-Produzenten Johnny Hawkins und dessen Band Nothing More in ein Modern-Metal-Gewand gezwängt wird, was an allen Ecken und Enden nicht passen will. Ein zweitklassiger Song wird durch vermeintliche Exotik eben nicht besser, und The Hu verkommen so zum lustigen Folklore-Beiwerk zum Fremdschämen. Glücklicherweise bleibt dies der einzige diesbezügliche Ausreißer, doch mit zunehmender Spieldauer wird klar, dass das Songwriting nach wie vor nicht höchsten Ansprüchen genügt. Immer wieder fällt das Quartett von spannendem Groove in monotonen Midtempo-Stampf, und permanent eingestreute Chants lockern nur teilweise auf.

Viel interessanter ist da schon die Ballade "Echoes of my father", bei der die Asiaten den kompletten folkloristischen Zinnober einmal beiseite lassen und eine wunderbare Atmosphäre voller erhabener Melancholie schaffen. "Horsemen" erhöht zwar ein wenig das Tempo, doch erst gegen Ende werden die Mongolen mit "Universe" wirklich mutig. Über fast neun Minuten nimmt sich der Vierer Zeit, baut langsam eine geradezu epische Stimmung auf. Leider wird gegen Ende des Songs der Mut nicht ganz belohnt, weil das große Finale etwas arg pathetisch gerät. Dem kommerziellen Erfolg wird das keinen Abbruch tun, erst unlängst trat die Band als Support von Iron Maiden in Knebworth auf. Doch wenn man sich dem nach wie vor andauernden Hype ein wenig verweigert, das Exoten-Gewand lüftet und zum Kern vordringt, bleibt weniger Substanz als gedacht. Trotz aller zu respektierenden kulturellen Verdienste.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Warrior chant
  • Echoes of my father
  • Horsemen

Tracklist

  1. Warrior chant
  2. Lost soul (feat. Nothing More)
  3. The men
  4. Echoes of my father
  5. Shadow
  6. Horsemen
  7. Greed
  8. The real you
  9. Grey hun
  10. Universe
  11. Second face
Gesamtspielzeit: 51:07 min

Im Forum kommentieren

Hierkannmanparken

2026-08-08 13:16:17

Hu ist gut genug (sorry)

Huhnmeister

2026-08-08 12:43:07

The Who bei Temu bestellt.

Hierkannmanparken

2026-08-08 09:28:28

lol

The MACHINA of God

2026-08-08 03:17:31

Ob Horton sie hört?

Armin

2026-07-29 21:25:07- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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