Keane - Hopes and fears

Island / Universal
VÖ: 10.05.2004
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Was Frauen wollen

Es kann so einfach sein. Manche haben es von Geburt an. Manche haben sehr, sehr hart trainiert und feiern erste Fortschritte. Andere werden es nie erreichen: jenes gewisse Etwas, das die Damenwelt geschlossen zum Dahinschmelzen bringt wie ein halbes Pfund Butter in der Sonne. Was das ist? Nun, das wissen wir Männer nicht so genau. Aber wir ahnen, was es sein könnte. Hellblaue Augen. Ein tiefsitzendes Lächeln. Ein Herz für Kinder. Ein wohlgeformtes Heck. Ein muskulöses Portemonnaie. Oder einfach nur eine Stimme, die sich in den Lauschern anfühlt wie Samt auf nackter Haut.

Letzteres hat Tom Chaplin zweifellos. Da ist es vollkommen egal, daß er weder das Fair Trade-Zeichen auf der Hand noch den Hundeblick auf dem Gesicht trägt wie Chris Martin. Sein Organ genügt, um ihn zum potentiellen neuen Teeniestar, zum Frauenschwarm, zum Traum unzähliger schlafloser Nächte zu machen. Das verstehen wir Männer zwar nicht, nehmen es aber hin. Und genießen die Musik von Keane, wenngleich nicht ganz ohne Neid.

Aber ist es wirklich berechtigt, daß Keane auf dem Weg nach ganz oben sind und schon mit dem ersten Album zum Überholversuch aller Coldplays und Starsailors ansetzen? Mit ihrem Debüt "Hopes and fears" an die Spitze die UK-Charts und auch ziemlich weit vorne in die deutschen Hitlisten einsteigen werden? "This is the last time" von der in Britannien veröffentlichten, gleichnamigen EP brachte dem Trio jedenfalls zurecht einen hochdotierten Plattenvertrag. Aber rechtfertigt die Major-Debütsingle "Somewhere only we know" wirklich den Jubel, den Trubel und die Heiterkeit, den man um die Band macht?

Nein, eigentlich nicht. "Somewhere only we know" ist ein netter Song mit netter Piano-Hookline und netter Melodie. Wenn da nicht Tom Chaplin wäre. Er ist es auch, der das Keane-Debütalbum "Hopes and fears" weit über den Durchschnitt hebt, in dem sich manche Songs verlieren. Hinter "She has no time" oder "Your eyes open" steckt zwar eine Menge Pathos, aber leider nicht das kompositorische Genie, das man von Coldplay oder dem Starsailor-Debüt kennt. Und nicht zuletzt in diesen Momenten vermißt man die Gitarre schmerzlich bei diesen Puristen, die ausschließlich auf Geklimper, Drums und vereinzelte Spielereien setzen.

Was denn also nun? Wunderbare Himmelsstürmer? Hoffnungsvolle Newcomer? Ziemliche Langweiler? Oder völlig unberechtigter Hype? Publikum fragen? Lieber nicht. Das entscheidet eh mit 90 Prozent auf Antwort A. Dann möge hier anhand der Songs entschieden werden: "We might as well be strangers" schafft immerhin das, wofür Bono mit U2 zwanzig Jahre geübt hat. "Bend and break" glänzt nicht nur mit schöner Stimme, sondern auch mit schöner Stimmung. Und das finale "Bedshaped" zeichnet mit wohligen Pianoakkorden und schmeichelhaftem Frauenchor die Konturen eines Himmelbetts nach. Wie einladend. Spätestens damit ist der Bann gebrochen. Man verzeiht Keane nicht nur ihre offensichtlichen Schwächen. Man lernt diese sogar zu schätzen. Vielleicht gerade als gewisses Etwas.

(Armin Linder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • This is the last time
  • We might as well be strangers
  • Bedshaped

Tracklist

  1. Somehwere only we know
  2. This is the last time
  3. Bend and break
  4. We might as well be strangers
  5. Everybody's changing
  6. Your eyes open
  7. She has no time
  8. Can't stop now
  9. Sunshine
  10. Untitled 1
  11. Bedshaped
Gesamtspielzeit: 45:10 min

Im Forum kommentieren

flow79

2022-06-10 14:03:48

Ich würde auch nicht Coldplay und Travis direkt mit Keane vergleichen wollen.

Grizzly Adams

2022-06-09 19:43:29

Ich möchte das Album gar nicht mit Coldplay oder anderen Bands vergleichen, auch wenn es naheliegt.
Keane haben den Keyboard/Klavier/Piano-Sound auf diesem Album schon ein bisschen mehr in den Fokus gerückt. Dieser trägt jede Komposition, ist nicht nur Komponente. Und die melancholisch-wärmende und dabei gleichzeitig irgendwie leidende Stimme Tom Chaplins führen dann zu einem Ergebnis, dem man (ich) sich nur schwer entziehen kann. Auch die Nachfolger waren gut, in meinen Ohren aber nur noch durch die Vocals von Chaplin besonders.
Beim Debüt stimmt das Paket. Darum ein besonderes Album, das einen Platz in meinem Herzen hat. Und es hat über die Jahre bewiesen, dass es diesen dort behaupten kann. :-)

köttbullar

2022-06-09 18:44:46

Großartiges Album. Hat für mich außer des Zeitpunkts nix mit Coldplay und Travis zu tun. Der Hamburg Song aus der Ära war auch top. Vor allem live. Ist dann auf Album 2 gelandet.

Felix H

2022-06-09 18:26:03

"A Rush Of Blood To The Head" finde ich schon besser, "The Man Who" gleichauf. Aber ja, ein wirklich tolles Album.

Z4

2022-06-09 17:52:31

Bestes Album der Travis-Coldplay-Britpop-Spielart.

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