Healing Wound - Bodies of heavenly violence
Healing WoundVÖ: 29.05.2026
Das Tor zur Hölle
Wo fangen wir hier denn am besten an? Vielleicht mit einer Plattitüde. Flach spielen, hoch gewinnen: "Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck." Irgendetwas Positives muss es ja haben, jederzeit die Berliner Konzertlocations aufsuchen zu können. Eine davon hat einen sehr speziellen Ruf, der hier eigentlich nicht groß Thema sein soll, sie dient hier einfach nur als Ort. Das Berghain. Meistens bleibt die Tür zu, ab und an geht sie dann doch einen Spalt auf: Es finden auch reguläre Konzerte dort statt. Und genau hier beginnt die Story mit dem ersten Eindruck: Jemand dachte sich, es wäre eine gute Idee, dort Black Metal stattfinden zu lassen, hat Agriculture gebucht samt Support. Und so startet es dann, zu einer ungewöhnlich arbeitnehmerfreundlichen Zeit an diesem Ort, und der Abgrund öffnet sich. Die Anlage dieses Clubs ist einfach brutal, und hier stehen ein paar Menschen auf der Bühne, die das voll ausnutzen. Von allen vier Seiten dringt der Lärm auf die in der Mitte stehende Masse ein und kennt kein Erbarmen. Vorn steht ein circa zwei Meter großer Dude und schreit sich alles aus dem Leib. Während um ihn herum das Inferno tobt. Agriculture werden das noch toppen, aber um die geht es in diesem Text nur am Rande. Kurz vor Ende dieser Ganzkörpererfahrung fällt der Satz: "Wir haben gerade unser Debüt veröffentlicht."
Das trägt den so freundlichen wie passenden Titel "Bodies of heavenly violence". Acht Songs, knapp 23 Minuten. Der erste Eindruck hier: erstmal ein paar unangenehme Geräusche hinrotzen. Dazu ein zackiger, unfassbar finsterer Sound. Referenzen? Chaotischer, tiefgestimmter Hardcore, wie Converge in düsterer, angepisster. Hier und da auch Sludge – Marke Eyehategod. Einige Momente des Openers "Purging visions" sind durchzogen von Black-Metal-Gekloppe. Und dazu diese Stimme. Ein Reibeisen, das keinesfalls poliert werden kann. Es ist eine Qual, sich diese knapp über 20 Minuten reinzuziehen. Musik, mit der man Leute testen kann, die sagen, dass sie alles hören. Wenn sie das hier tatsächlich hören können, stimmt das wohl. Der Bandname Healing Wound muss ein Witz sein, was das Quartett hier betreibt, ist, genüsslich Wunden aufzukratzen und dazu gleich noch einen dicken Salzstreuer parat zu haben. "Bodies of heavenly violence" zeigt schnell: Es braucht keine High-End-Anlage, um Eindruck zu hinterlassen, das klappt auch aus der Konserve.
Die vier aus Bristol haben schon mit ihrem Debüt vollkommen zu ihrem Sound gefunden, der dem Publikum Sämtliches abverlangt. Einige Momente sind komplett drüber, doch dann knallen sie wiederum einen Song wie "Fear of silence" raus. Anfangs dynamisch bis zum Anschlag, später in Doom-Riffs untergehend. Harry Huntington, so heißt der Mensch am Mikro, bellt, keift, spuckt die Lyrics heraus, erneut: Wieso tut man sich sowas an? Healing Wound versprühen so eine dunkle Faszination, so ein "meinen die das wirklich alles ernst?". Es ist schwer greifbar, was hier alles einprallt – und wie man da eigentlich jemals wieder rauskommen soll. Healing Wound selbst lösen das mit dem Closer "Trail of human wreckage", indem sie einfach Stück für Stück leiser drehen und das Album ausfaden lassen. Das letzte Wort? Noch lange nicht geschrien.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Purging visions
- Obelisk of grief
- Fear of silence
Tracklist
- Purging visions
- Obelisk of grief
- The loss of lightness
- Flesh ridden
- Fear of silence
- Heavenly violence
- In the shadow of your absence
- Trail of human wreckage
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The MACHINA of God
2026-07-17 14:28:57
Rezi klingt gut, wird gehört.
Armin
2026-07-16 20:33:55- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Healing Wound - Bodies of heavenly violence (2 Beiträge / Letzter am 17.07.2026 - 14:28 Uhr)
