Fuses - Sawdust in the transmission

We Are Busy Bodies
VÖ: 26.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Wo die Liebe hinfällt

Manche Geschichten klingen fast zu schön, um wahr zu sein. Zum Beispiel die von Fuses: Wenn man dem Promomaterial glauben darf, haben sich der kanadische Gitarrist Craig Fahner und die schwedische Musikerin Moa-Linn Rosenlöf anno 2024 mehr oder weniger zufällig in Göteborg kennengelernt – und danach nicht mehr voneinander lassen können. Man tauschte die Kontaktdaten, trat in einen intensiven Dialog, der das kurze persönliche Treffen überdauerte, wenig später reifte der Plan, gemeinsam Musik zu machen. Songs wurden gemeinsam geschrieben, sodann in einem Göteborger Studio aufgenommen – und als die Tracks im Kasten waren, ging es dann auch gleich zum Traualtar. Ja, Leute, so kann es gehen, wenn Amors Pfeil so richtig trifft. Die gute Nachricht ist, dass aus dieser offenbar intensiven Beziehung auch ein reifes, schönes, hörenswertes Debütalbum entstanden ist.

Wenn auch weniger als eine halbe Stunde lang, ist "Sawdust in the transmission" rein musikalisch so ziemlich das Gegenteil von dem, was der Titel verspricht. Denn Sand scheint bei den beiden nun wirklich nicht ins Getriebe gerieselt zu sein, vielmehr erfreut das Album mit acht Songs, die durch die Bank überzeugen. Das beginnt schon beim ersten Track "Garden of ashes", der einerseits harmonisch-traumverloren wirkt, aber durch das ebenso leise wie treibende Schlagzeug trotzdem in den Bann zieht – dazu malt eine Pedal Steel warme Klangfarben, die jetzt schon Vorfreude auf den Herbst aufkommen lassen. Mit "Convictions" legen die beiden gleich einen sehr starken Song nach, der zwar mit raffinierten Wechseln zwischen Dreiviertel- und Viervierteltakt aufwartet, aber zu keiner Zeit verkopft oder akademisch rüberkommt – denn dazu sind die Vocals zu melancholisch, zu romantisch, ohne aber in Kitsch auszuarten.

"Drive it into the ground" erinnert vom Songwriting zuerst ein bisschen an die mittelalten Coldplay, bekommt aber durch die herrlich eiernd-hymnischen E-Gitarren fast schon ein bisschen Britpop-Flair – so, wie man sich Oasis (es klingt "Don't look back in anger" an) auf einer Friedensmission vorstellt. Doch bevor es zu schunkelig wird, pflügt plötzlich eine Mundharmonika durch den Song und bringt erneut eine andere Wendung rein. "Vemod" atmet zu Beginn den bekifft-folkigen Geist der späten Midlake oder auch Fleet Foxes, kommt dann aber mit psychedelischen Changes, bei denen man an die wenigen, dafür umso gelungeneren Balladen der seligen Neo-Psych-Band Shiny Gnomes denkt. Dass man auch mit ganz einfachen Mitteln und gelungener Songdramaturgie viel erreichen kann: Davon kündet dann der letzte Track "Bakom molmen", dessen bewusst unrundes Taktmaß zunächst etwas irritiert, doch im letzten Drittel überraschen elegische Passagen und ein Schluss, der zwischen Rock und sanftem Verklingen nochmal die ganze Bandbreite zeigt.

Was bleibt? Die tröstliche Erkenntnis, dass auch in Zeiten von Tinder und KI aus einer zufälligen Begegnung mehr resultieren kann als nur ein kurzes hedonistisches Vergnügen. "Sawdust in the transmission" mag zwar ein Debüt sein, es ist aber alles andere als ein Schnellschuss. Vielmehr wünscht man dem transatlantischen Bündnis eine stabile Paarbeziehung, vor allem sich selbst aber ganz egoistisch, dass die beiden Ausnahmekünstler möglichst bald ein weiteres Album nachlegen. Kreativpotenzial ist jedenfalls in ausreichendem Maße vorhanden. Unbedingt reinhören!

(Jochen Reinecke)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Garden of ashes
  • Convictions
  • Floor is lava
  • Bakom molnen

Tracklist

  1. Garden of ashes
  2. Convictions
  3. Drive it to the ground
  4. Vemod
  5. Idle heart
  6. Floor is lava
  7. Aniline
  8. Bakom molnen
Gesamtspielzeit: 28:49 min

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Armin

2026-07-16 20:33:30- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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