Jack White - Frozen Charlotte

Third Man / Cargo
VÖ: 10.07.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

13 Mal voll auf die Zwölf

Beim Blick auf den Titel von Jack Whites siebtem Soloalbum stellt sich unwillkürlich eine Frage: Wer oder was ist "Frozen Charlotte"? Eine Frage, die sich mit dem Blick aufs Cover bereits großteils klärt: DAS ist Frozen Charlotte! Genau, diese lässig dastehende Gipsfigur mit blauem Totenschädel. Nachdem ihr im Tonstudio bei einem Sturz der (nun rechts unten auf dem Boden ruhende) Kopf abgebrochen war, schenkte White ihr einen neuen. Und Gefährten aus dem 3D-Drucker, etwa einen verchromten "Frozen Charlatan". Die gesamte Skulpturenreihe ist noch bis Mitte September in der Newport Street Gallery in London zu bewundern. Alle, die angesichts dieser Geschichte ein björkesk überambitioniertes crossmediales Werk befürchten, seien entwarnt: Mitnichten legt der Herr der autofrei eingerichteten Garagen ein Konzeptalbum vor. Stattdessen tut er das, was er am besten kann: brachial rocken.

Wer nach dem Hören der beiden den Live-Check bravourös bestandenen Singles "G.O.D. and the broken ribs" und "Derecho demonico" einen stilistisch gleichgelagerten Nachfolger von "No name" erwartete, lag nicht so falsch. Einleitender Sprechgesang, ein hartes Riff, ein augenzwinkernder Text: Der Opener erinnert frappierend an Seine Exzellenz "Archbishop Harold Holmes". Inmitten des Gartens Eden stellt White Fragen, die seit den Tagen von Adam und Eva Bestand haben. Etwa diese: "So what we gonna be eating?" Patrick Keeler an den Drums und Dominic Davis am Bass tragen ihren Teil zu musikalischer Kontinuität bei. Auf Balladen, Interludes und anderes potentiell Sentimentale hat die Band auch diesmal keine Lust. Es geht voll auf die Zwölf. Ganze 13 Mal. Diese Konsequenz überzeugt auch auf "Frozen Charlotte". Der Ohrwurmanteil auf "No name" wird dabei zwar nicht ganz erreicht. Doch so manches Krabbelgetier nistet sich auch diesmal hartnäckig im Gehörgang ein, etwa dank des Refrains von "Raising the grain" und zweier Riffs in "You'll never fix me".

Für frischen Wind sorgt indes ein leicht erhöhter Anteil an Backing Vocals und Keyboard-Einsätzen. Von zweitgenannten profitieren jene beiden Albumhighlights, in denen White den sonst vorherrschenden bluesverwurzelten Garagenrock hinter sich lässt und auf stadionkompatiblen Hard Rock setzt. Im famosen "You'll never fix me" begeistert White mit punktuell eingesetzter Shouter-Stimme und einem mellotronartigen Keyboard-Sound. Auch im großartigen Closer suhlt sich White keineswegs in Blues-Klischees, sondern kleidet seine – dank Reverb gleich doppelt vorgetragene – Beschwerde über die Nachbarschaft in ein ihm ausgesprochen gut stehendes hardrockiges Gewand. Der als Mitglied der White Stripes im November 2025 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommene Musiker bricht zu guter Letzt die Songstruktur auf und gönnt sich ein halbminütiges Gitarrensolo. Jimmy Page grüßt von gar nicht mal so fern. Dieser grandiose Abschluss versöhnt mit einem ansonsten überraschungsarmen letzten Albumdrittel.

Die Steilvorlage, das Leben (und Sterben) der titelgebenden Gipsfigur – ein erfrorenes Mädchen aus der Erzählung "Fair Charlotte" – in seinen Lyrics näher zu thematisieren, lässt White ungenutzt. So clever und eigenwillig die Albumpromotion auch aufgezogen wurde: Erfrieren muss inmitten dieser rauhen Riffs und angenehm unangestrengten Lyrics niemand. Was selbstverständlich auch nicht zu den aktuellen Temperaturen gepasst hätte. "Frozen Charlotte" ist ein Album, das keine große Aufmerksamkeit verlangt, um einen zu Fuzz-Gitarren im Viervierteltakt verschwitzt headbangen zu lassen. Ein Sommeralbum für 2026.

(Dennis Rieger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • G.O.D. and the broken ribs
  • You'll never fix me
  • Neighors blues

Tracklist

  1. G.O.D. and the broken ribs
  2. Derecho demonico
  3. There's nobody there
  4. Raising the grain
  5. You'll never fix me
  6. Nobody knows
  7. Dollar bill
  8. I can't believe what I'm hearing
  9. Thick as thieves
  10. All alone again
  11. She's in a frenzy
  12. Making contact
  13. Neighbors blue
Gesamtspielzeit: 42:43 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-07-10 09:12:29

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://officialjackwhite.bandcamp.com/album/frozen-charlotte

Musikexpress 4/6

https://www.musikexpress.de/reviews/jack-white-frozen-charlotte-review/

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/jack-white-frozen-charlotte-review/

Gaesteliste.de

https://gaesteliste.de/2026/07/09/review/jack-white-frozen-charlotte/

Armin

2026-07-06 20:29:52- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?



qwertz

2026-06-15 11:59:06

Weckt schöne Erinnerungen an "Catch Hell Blues" von der "Icky Thump".

fuzzmyass

2026-06-15 10:18:36

Dollar Bill finde ich auch klasse und besser als die anderen beiden, die aber auch ganz gut sind

The Libertine

2026-06-15 10:00:06

Ziemlicher Mist.

Wann hört der Gute endlich auf so zu klingen als würde er schlechte Led Zeppelin B-Seiten covern?

Das ist immer nur Sound und trotz lichter Momente (zum Beispiel auf der letzten Platte) vom Songwriting anstrengend bis nichtssagend.

Sehe das nur ich so, oder ist er einfach der Gott und Rock-Messias für den er wohl gehalten werden muss?

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