The Temper Trap - Sungazer

Mushroom / Integral
VÖ: 10.07.2026
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Die Erwachsenen

Als The Temper Trap zum ersten Mal auf Plattentests.de rezensiert wurden, musste sich Dougy Mandagi noch zwischen Skaterboy und Physikstudent verorten lassen. Inzwischen ist der in Indonesien geborene Australier Familienvater – und auch seine Band hat einen gewissen Reifeprozess durchlebt. Nach dem weltweiten Erfolg von "Sweet disposition" blieb der Vierer ein uneingelöstes Versprechen, konnte sich weder künstlerisch noch kommerziell nachhaltig verankern. Nun haben sich The Temper Trap nach eigener Aussage von der Erwartungshaltung gelöst, einen weiteren großen Radiohit schreiben zu müssen, und im Vorfeld ihres vierten Albums "Sungazer" so viel Spaß wie noch nie im Studio gehabt. Dem Opener ist diese Selbsteinschätzung definitiv anzuhören: "Lucky dimes" formt Breakbeats, noisig verzerrte Gitarren und einen zerhackten Anti-Refrain zu einem treibenden Indie-Rocker, der sich keinen Deut um universale Gefälligkeit schert. Repräsentativ für die Platte im Gesamten ist die hier vorgetragene Haltung allerdings nicht.

Schon das folgende "Into the wild" macht nämlich klar, dass The Temper Trap ihre Stadion-Ambitionen nicht eingebüßt haben und Mandagi seine Ängste und Zweifel immer noch am liebsten hat, wenn er sie zu The-Edge-Gitarren über die ganze Welt ausbreiten kann. Gerät die große Geste an dieser Stelle noch geschmackvoll und sympathisch, sorgt "Bird on a wire" für Stirnrunzeln: Dieses austauschbare Stück Mainstream-Pop-Rock mit seinem schwerfälligen Nerv-Refrain wäre eher den Bastilles dieser Welt zuzutrauen gewesen. Der Song bleibt zum Glück der einzige Tiefpunkt. "Giving up air" macht es im Anschluss deutlich besser, indem es mit Glitzerkanonen die Tür zum Dancefloor aufsprengt und im Rausch der Bewegung nach Worten zur Trauerverarbeitung sucht: "All of the visions / Of you are fading / Where have they gone and / This house / Feels like it's sinking."

Trotz solcher Lyrics ist "Sungazer" musikalisch weitgehend eine optimistische Angelegenheit. Einzig der Titeltrack taucht als nennenswerte Ausnahme in die Atmosphäre des Albumcovers ab und brilliert mit dunkelblauem Trip-Hop – inklusive an "The rip" geschulten Synth-Arpeggios im instrumentalen Finale. Nicht nur hier ist dem Album anzumerken, dass The Temper Trap den Weg zum Ziel erklärt haben und sich dabei nicht auf eine Richtung festlegen wollten. "Lifeline" schmiegt sich als pastellfarbener Soul an, während Mandagis altersloses Falsett ein wenig an Paul Janeway von St. Paul & The Broken Bones erinnert. "These arms" erzeugt mit Drums und Gitarre dezente Radiohead-Vibes und unterläuft sein später aufkommendes Pathos mit Piano-Akzenten. Auch wenn die beiden letztgenannten Tracks in ihren jeweiligen Refrains etwas saftlos daherkommen, ist es der Band hoch anzurechnen, dass sie stilistische Wagnisse eingeht und nicht nur der nächsten Hymne hinterherjagt.

So schafft "Sungazer" das Kunststück, trotz seiner konstanten Verhaftung im soften Indie-Pop-Rock kaum einen Song wie den anderen klingen zu lassen. "Halfway" stolpert mit Jangle-Riff und Peter-Hook-Gedächtnisbass vorwärts, bis der pulsierende Post-Punk von "Dystopia radio" das Momentum aufgreift und im Finale die Saiten durchs Gewitter tanzen lässt. Der Closer "Kuru" übt sich schließlich in ungewohnter Reduktion, nur um die Regler doch wieder hochzufahren und einen Streicher-gestützten Schlussakt im Geiste der frühen Arcade Fire zu zelebrieren – und damit ein "sense of wonder" zu vermitteln, wie es im Buche steht. The Temper Trap beweisen, dass sich die Neugier auch nach dem Erwachsenwerden bewahren lässt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Lucky dimes
  • Giving up air
  • Sungazer
  • Kuru

Tracklist

  1. Lucky dimes
  2. Into the wild
  3. These arms
  4. Bird on a wire
  5. Giving up air
  6. Sungazer
  7. Lifeline
  8. Runaways
  9. Halfway
  10. Dystopia radio
  11. Kuru
Gesamtspielzeit: 46:09 min

Im Forum kommentieren

oldschool

2026-07-10 10:07:02

Denke bin da weitgehend bei Marvin und seiner Rezi. Tolle Songs, aber auch einige Malen-nach-Zahlen-Standards. Genau wie Embrace ist die Band am Besten, wenn Sie NICHT auf den großen Stadionsong schielt. Und wenn doch, muss es halt vom Songwriting her passen.

Würde erst mal ne 6,5 geben. Vielleicht wäachst es ja noch....

MickHead

2026-07-10 09:33:31

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://thetempertrap.bandcamp.com/album/sungazer-1

Armin

2026-07-06 20:29:22- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?


MickHead

2026-05-09 14:19:48

3. Song "These Arms"

https://youtu.be/c9c0Ty6bal0?si=svgrBHfgCd3R5wL3

oldschool

2026-04-03 10:29:11

ohh die gibts noch?
Vorabsongs sind auf jeden Fall besser als das, was sie zuletzt rausgebracht haben

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