Fatoni - Drama endet nie

LOL / Sony
VÖ: 03.07.2026
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Zwei Halbe, bitte

Der Fluch der guten Tat hört bei Fatoni auf den Namen "Yo, Picasso" und ist mittlerweile elf Jahre alt. Zusammen mit Buddy und Lieblingsproduzent Dexter brachte der damals 30-Jährige das Album raus, welches den Wendepunkt in seiner Karriere markierte und an dem er sich bis heute messen lassen muss. Der Nachfolger "Andorra" feierte einen Achtungserfolg, "Wunderbare Welt" aus 2023 wirkte dagegen unentschlossen und stellenweise banal. Drei Jahre später folgt mit "Drama endet nie" das vierte Album des gebürtigen Münchners.

Seinem großen Ziel, Tatort-Kommissar zu werden, ist Anton Schneider, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, ein gutes Stück nähergekommen. Für die ARD-Primetime hat es noch nicht gereicht, aber immerhin für die Hauptrolle in der skurrilen Netflix-Serie "Kacken an der Havel". Komplett auf die Schauspielkarriere will sich Fatoni aber nicht konzentrieren, wie schon "Bawrs", sein gemeinsames Album mit Juse Ju und Edgar Wasser aus 2025, bewiesen hat. Die Lockerheit dieses Kollabowerks nimmt er mit auf die erste Albumhälfte von "Drama endet nie". Der Titeltrack, zusammen mit Creuzfeldt-&-Jakob-Legende Lakmann, ist eine Hommage an die guten alten Zeiten, "Wann werde ich endlich ausgetauscht?" Fatonis entwaffnende Wortmeldung zum allgegenwärtigen Thema "Künstliche Intelligenz". Bei "Nachos" und "Geld ist geil" läuft der Wahlberliner zur Höchstform auf und packt Gesellschaftskritik in Punchlines, wie es ihm seit seinem Mixtape "Im Modus" kaum noch gelungen ist. Bei "Alles neu" und "Nicht Hollywood" versucht sich Fatoni an Indiepop und wildert damit in Gefilden von Casper oder Kraftklub. Und nach dem albernen "Vespa" kommt dann urplötzlich eine deutliche Zäsur.

Ist der Rapper eben noch locker-flockig "dumm gegangen" und mit Autotune-Unterstützung durch die Gegend gecruised, fällt er jetzt vom Gefährt in einen tiefen Sumpf aus Traurigkeit. "Oktober" und das intensive "Vergissmeinnicht" sind Tracks, in denen Fatoni eine Trennung verarbeitet. Das ist grundsätzlich nichts Neues, auch auf "Wunderbare Welt" gab es mit "Danke, dass du mich verlassen hast" einen Song, der sich um dieses Thema drehte. Auf den beiden neuen Tracks wirkt er jedoch verletzlich und ehrlich angefasst. Diese plötzliche Ernsthaftigkeit zieht sich, bis auf den Technorap-Exkurs "Aber ich will lieber...", durch bis zum Ende des Albums. "Moment" ist ein Zwischenfazit zum Leben, die Hook wird von Ami Warning und einem alten Weggefährten, dem Moop-Mama-Kopf und ehemaligen Creme-Fresh-Rapper Keno, gesungen. Bei "Lange nicht mehr gut" kommt es zur überfälligen Neuauflage einer Zusammenarbeit mit Mine, die inhaltlich direkt an deren gemeinsames Album "Alle Liebe nachträglich" anknüpft. Beide Hälften von "Drama endet nie" haben ihre Berechtigung, und es ist immer interessant, wenn ein Artist mehrere Seiten von sich zeigt. Aber Fatoni versteht sich sicher als Album-Künstler, dem es nicht in erster Linie um Streamingzahlen und einzelne Songs geht. In diesem Kontext wirkt "Drama endet nie" schlecht kuratiert. Vielleicht wäre der Rapper besser den Weg von Musikern wie Friska Viljor oder William Fitzsimmons gegangen, die ihren besonders schmerzhaften Trennungen ganze Alben gewidmet haben.

Mit dem an Danger Dan erinnernden Klavierstück "Wenn wir uns wiedersehen" und einer melancholischen Liebeserklärung an die Heimatstadt München, dem Song "Schwabinger Laterne", verabschiedet sich der 41-Jährige aus seinem Album. "Am allerschönsten kann es nur im Urlaub sein / Aber das beste Bier gibt's nur daheim", rappte er schon damals im Song "Authitenzität" auf "Yo, Picasso". Zumindest daran hat sich offensichtlich auch elf Jahre später nichts geändert.

(Andreas Rodach)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Nachos
  • Oktober
  • Vergissmeinnicht

Tracklist

  1. Alles neu
  2. Drama endet nie (feat. Lakmann)
  3. Wann werd ich endlich ausgetauscht?
  4. Geld ist geil
  5. Nachos
  6. Nicht Hollywood (feat. Dissy)
  7. Vespa
  8. Oktober
  9. Vergissmeinnicht
  10. Moment (feat. Ami Warning & Keno)
  11. Symptom (feat. Maeckes)
  12. Lange nicht mehr gut (feat. Mine)
  13. Aber ich will lieber...
  14. Schwabinger Laterne
  15. Wenn wir uns wiedersehen
Gesamtspielzeit: 50:59 min

Im Forum kommentieren

Kojiro

2026-07-08 13:59:44

„ Warum unhörbarer Mist? Kannst du konkreter werden?“

Schlechter „Rapper“
Schlechte Beats
Schlechte Delivery
Kein Charisma
Belanglose Reime


Mawi09

2026-07-08 07:08:49

Nachdem sein letzes Album sehr enttäuschend war, finde ich das hier wieder richtig stark. Tolle Songs, größtenteils interessante Texte, bin da bei 7-8/10.

Enrico Palazzo

2026-07-08 06:37:11

Warum unhörbarer Mist? Kannst du konkreter werden?

Kojiro

2026-07-08 05:00:02

Unhörbarer Mist. Das einzig Gute an dem Album, ist das LAK-Feature.

discko

2026-07-06 21:21:35

Bei radioeins diese Woche Album der Woche. Bei mir auch mindestens eine 7/10.

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