Dead Pioneers - Wagon burner
Hassle / CargoVÖ: 26.06.2026
Diese Wut
Drei Alben in einem Zeitraum von knapp drei Jahren: Das Arbeitspensum von Dead Pioneers ist mindestens bemerkenswert. Dass Frontmann Gregg Deal und seine musikalischen Mitstreiter überhaupt an diesen Punkt kommen würden, war zu Beginn des gemeinsamen Schaffens noch nicht einmal zu erahnen. Als eine "Band aus Zufall" bezeichnet er in einem ausführlichen Interview im Ox-Fanzine den zunächst nur als weiteres Projekt von vielen vorgesehenen Zusammenschluss kreativer Köpfe. Schon mit dem selbstbetitelten Debüt, das 2024 mit einem Jahr Verzug auch physisch erschien, und dem Nachfolger "Po$t American" indes hatte das Quintett aber angedeutet, dass es zu deutlich mehr als nur einer temporären Erscheinung taugt. Mit einer furiosen Mischung aus Hardcore, Punk, Rock und Spoken Word spielten sich Dead Pioneers mit Nachdruck in die Gehörgänge und hinterließen dort nachhaltigen Eindruck. Dem Fleiß des Fünfers sei Dank, dass der wilde Ritt nach nur einem Jahr Wartezeit direkt weitergeht.
"Wagon burner" heißt das Drittwerk der Formation aus Denver, Colorado. Und damit sind wir unmittelbar drin im thematischen Kosmos, der im Kern des Schaffens mit geballter Faust auf seine Entfesselung wartet. Es geht im Titel um jene symbolträchtigen Planwagen, mit denen die Siedler einst durch das Land zogen und die amerikanischen Ureinwohner mit unermesslichem Leid überzogen. Deal ist Mitglied des Pyramid Lake Paiute Tribe und hat indigene Wurzeln. Schon auf den beiden Vorgängeralben rückte dieser Blickwinkel in den Fokus, vermengt mit Gedanken über den aktuellen Zustand der USA im Speziellen und der Welt im Allgemeinen. Bedrohlich, düster und unklar ist vieles von dem, mit dem sich die Menschen vielerorts konfrontiert sehen, und in dieser Tonlage ist auch das Intro gehalten, bei dem Deal im Spoken-Word-Format spricht, darunter liegen beklemmende Klänge.
Danach geht es zur Sache. "Nazi teeth" ist als erster richtiger Song ein straighter Rocker, die Jungs aus Denver haben sich hier die Unterstützung von Cheap Perfume geholt, deren Sängerin Stephanie Byrne gemeinsam mit Deal am Mikro in Erscheinung tritt. "No kings" nimmt als bassgetriebenes Stück samt Sogwirkung Bezug auf eine Reihe von Demonstrationen, die sich in den USA zuletzt durch das ganze Land zogen. In "Animals that roam the earth" wagt sich Deal an richtigen Gesang, was nur ein Beispiel ist für die feine Erweiterung des musikalischen Horizonts. "Never alone" markiert dann die zweite Kollaboration, in diesem Fall sind es The Interrupters, die sich an den Aufnahmen beteiligt haben und Momente erschaffen, in denen unter anderem Bad Religion und Social Distortion durchklingen. Unmittelbar darauf gesellt sich Jason Williamson von Sleaford Mods mit ans Mikro, sein charakteristischer Vortrag passt herausragend in das starke "The worst among us".
Für eine Band, die aus Zufall entstanden sein soll, geht es bis zum Schluss souverän und wohlüberlegt weiter. In "Seeing red" sieht Künstler, Aktivist und Sänger Deal buchstäblich rot, steigert sich parallel zur anschwellenden Instrumentierung in einen beispiellosen Furor und nutzt die Musik als Ventil zur Entladung, kurz bevor die Halsschlagader Schaden nimmt. Kerniger Punk, treffsichere Bassläufe, eine weitere Spoken-Word-Passage und die stimmige Abschlussnummer "LFG", in der es nach einem entschlossenen "Let's fucking go" noch einmal zur Sache geht, führen das Album zu einem grandiosen Ende. "Du bekommst, was Du hörst", stellt Gregg Deal in eingangs erwähntem Interview über das eigene Schaffen im Bandkontext fest, und das fasst die ganze Angelegenheit kurz, knapp und stimmig zusammen. Wut und Hintersinn vermengen sich hier bereits zum dritten Mal zu einer vertonten Geschichtsstunde der besonderen Art. Und zu einem Versprechen für das, was aus dem Hause Dead Pioneers noch kommen wird. Zufall ist das alles längst nicht mehr.
Highlights & Tracklist
Highlights
- No kings
- The worst among us (feat. Jason Williamson/Sleaford Mods)
- LFG
Tracklist
- Dead presidents
- Nazi teeth (feat. Stephanie Byrne/Cheap Perfume)
- A message from Mr. Bell
- No kings
- Animals that roam the earth
- Never alone (feat. The Interrupters)
- The worst among us (feat. Jason Williamson/Sleaford Mods)
- Seeing red
- Circle jerk the wagons
- Zealots
- Nobody
- LFG
Im Forum kommentieren
Glufke
2026-06-28 20:54:54
Ok, das ist definitiv das bisher beste Punk-Album des Jahres. Am 19. Juli spielen sie in Essen - geht jemand hin?
Armin
2026-06-28 18:41:41- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
Glufke
2026-06-26 20:07:57
Auf jeden Fall kein Schnellschuss geworden. "No Kings" habe ich eben zum ersten Mal gehört und hatte direkt Gänsehaut.
MickHead
2026-06-26 10:35:02
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lFX66rie6CVjPeyZBhAhY9rLCmtK2fUoI&si=JeQ74W_7Oyg1mq4w
MickHead
2026-04-21 18:36:30
3. Song "Never Alone (Feat. The Interrupters)"
https://youtu.be/idz-rGLd4Hs?si=3kp4l9hKVOLT8ynV
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Referenzen
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