Olivia Rodrigo - You seem pretty sad for a girl so in love

Interscope / Universal
VÖ: 12.06.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Love isn't embarrassing

Man könnte natürlich meinen, dass die Platten von Olivia Rodrigo schon immer Konzeptalben gewesen seien, zumindest umkreisten "Sour" und "Guts" das Gefühlsleben der heute 24-Jährigen auf eher monothematische Weise. Ihre dritte LP "You seem pretty sad for a girl so in love" will aber mehr: mehr Titel, mehr Songs, mehr Spielzeit, mehr Konzept. Die 13 Stücke bilden ein Narrativ, unterteilt in die zwei Hälften "Girl so in love" und "You seem pretty sad". Es beginnt also mit liebestrunkener Euphorie, die von zunehmenden (Selbst-)Zweifeln durchsetzt wird, über das unvermeidliche Ende hin zum Zusammenkehren der Scherben. Kein neues lyrisches Territorium, klar. Nicht für Rodrigo, nicht für die Musikgeschichte. Und doch fächert sich "You seem pretty sad for a girl so in love" im Vergleich zu den Vorgängern anders auf, vor allem musikalisch.

Der Pop-Punk-Anstrich von "Guts" ist stark zurückgefahren, zugunsten von gestiegenen Synthpop-Anleihen und deutlich sporadischer ausstaffierten Klavierballaden. Wird Olivia Rodrigo etwa gewöhnlich? Die Songs heben sich stilistisch nicht mehr ganz so stark von anderen Pop-Künstler*innen ab, doch direkt beim Opener "Drop dead", der mit opulentem Kammerpop die ungestüme Verliebtheit repräsentiert, muss man konstatieren, dass eine gewisse Taylor Swift sich für diesen Song auf einem ihrer letzten drei Alben hätte herzlich bedanken müssen. "You're looking like an angel on the walls of Versailles / The most alive I've ever been / Kiss me and I might drop dead." Rodrigo lebt in einem wilden Wirbel, doch im Anschluss geht es noch intensiver zur Sache.

Wie sich "Stupid song" von einem zarten Pianostück zu einer dickbackigen Fanfare steigert, macht noch mal ungleich mehr Laune. Zwei Tracks weiter sind die Wolken am Horizont bereits sichtbar: "I'm a sad shell of a woman and I've got maggots for brains / But that's just a thing that happens when my / When my baby goes away", singt Rodrigo in "Maggots for brains", den sie zum Großteil in Lily-Allen-artigem Deadpan-Style vorträgt. Die – zumindest musikalische – Stimmungsbombe heißt "My way", scheint sich ein bis zwei Tricks bei Slayyyters "Wor$t girl in America" abgeschaut zu haben, ist aber längst in der toxischen Eifersuchtsphase der Beziehung angekommen: "So where'd you get that confidence from? / Last time I checked, I won / Let me be direct, just stop / You're being fucking weird." Da bleibt dem zurückgenommenen "Purple" nur die resignierende Sehnsucht. "Melt with you 'til it all turns black / Melt with you 'til it all feels sad."

Und dann, ja dann kommt "The cure". Ein fantastisches Stück Liebesdrama, das mehr nach den Damen von Boygenius als nach großen Popstars klingt, vom bedrohlichen Strumming bis zur explosiven Coda, in der Rodrigo immer wieder "Why can't you come stitch me up? / Why can't it ever be enough?" fleht. Moment, "The cure"? Nein, der Song hat nichts mit der gleichnamigen Band zu tun, aber es ist auch kein Zufall, dass schon "Drop dead" eine "Just like heaven"-Referenz hatte: Im letzten Drittel wartet "What's wrong with me" mit Rodrigos neuem Buddy Robert Smith persönlich als Gast – doch seine Stimme harmoniert nicht so recht mit dem cheesy Backing. Da hätte Rodrigo doch noch mal bei Chvrches' "How not to drown" nachhören sollen, wie man den Meister richtig einbindet.

Kritisch sind auch die Balladen zu sehen, die zwar strategisch passend platziert sind, aber eine gewisse Reife vermissen lassen. "Honeybee" etwa klimpert trotz aller Schönheit einen Tick zu lange umher. Viel besser funktioniert das schmissige "Expectations" als Mittelfinger an alle Losertypen und die mittlerweile zum Rodrigo-Standard gewordene großformatige Abschlussnummer in Form von "Cigarette smoke", welche nur noch auf der nüchternen Feststellung "The memories go dark" enden kann. Zwar ist auch "You seem pretty sad for a girl so in love" nicht der ganz, ganz große Wurf, zu dem Rodrigo angesichts der zahlreichen Highlights fähig ist. Aber im Gegensatz zu dem "book of love", das The Magnetic Fields einst besungen und Rodrigo selbst kürzlich coverte, ist ihres keinesfalls "long and boring".

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Stupid song
  • My way
  • The cure
  • Expectations

Tracklist

  1. Drop dead
  2. Stupid song
  3. Honeybee
  4. Maggots for brains
  5. U + me = <3
  6. My way
  7. Purple
  8. The cure
  9. Begged
  10. What's wrong with me (feat. Robert Smith)
  11. Less
  12. Expectations
  13. Cigarette smoke
Gesamtspielzeit: 51:03 min

Im Forum kommentieren

nörtz

2026-08-01 19:42:05

Kojiro

2026-07-27 20:26:03

Läuft immer noch regelmäßig. Tolle Platte.

The MACHINA of God

2026-06-29 20:50:04

»so« und »dermaßen« is ja ein und dasselbe

Finde beides zusammen ist schon bisschen mehr als nur eins von beiden.

Felice

2026-06-29 18:11:47

»so« und »dermaßen« is ja ein und dasselbe

zolk

2026-06-29 18:08:17

Bei den nächsten Grammy Awards wird Olivia sich dann ja u.U. in der einen oder anderen Kategorie mit Rosalia und Taylor messen müssen, weil deren Alben für die letzte Verleihung zu spät kamen...

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