Upupayāma - Honesty flowers

Fuzz Club
VÖ: 29.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Keine Schattengewächse

Wo gedeihen "Honesty flowers"? Ein Blick in die größte Online-Enzyklopädie verrät: an sehr vielen Orten der Welt. Nicht aber an fernöstlichen Gewässern. Nach denen klang Upupayāmas selbstbetiteltes, kontemplatives Debüt aus dem Jahr 2020. Auf den beiden Nachfolgealben setzte Alessio Ferrari, der Mann hinter dem Pseudonym, verstärkt auf Gitarrenriffs. Denen bleibt er seitdem treu und legt nun ein Doppelalbum vor. Können 72 Minuten Psychedelik gut gehen? Können sie. Denn Ferrari zeigt sich hinsichtlich Instrumentierung und Songwriting deutlich abwechslungsreicher als auf seinen vorherigen Veröffentlichungen.

Dass sich einiges geändert hat im Hause Upupayāma, wird schnell deutlich: Polyrhythmische Percussion afrikanischer Prägung eröffnet "Fliiim/Laliīmph". Erst nach eineinhalb Minuten setzt Ferraris Gitarre mit reichlich Fuzz ein, dann murmelt der Meister erstmals ein paar Worte. Seine Stimmmelodie erinnert an die eines legendären japanischen Sängers, der einst von Köln aus das lyrische Du vor dem Vitamin-C-Verlust warnte. Ja, Ferrari orientiert sich an Suzuki. Anders als der einstige Can-Derwisch mit Vornamen Damo setzt der Italiener aber nicht auf dadaistische Texte, sondern belässt es bei Lautmalerei in einer Fantasiesprache. Später mischen auch noch Querflöte und Sitar im elfeinhalbminütigen und dabei keine Sekunde zu langen Opener mit. Dass es sich bei dem Einjährigen Silberblatt – unter diesem Namen ist die "Honesty flower" im deutschsprachigen Raum bekannt – um eine krautige Pflanze handelt, dürfte zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr überraschen. Was nach dynamischem Bandzusammenspiel klingt, ist derweil keines: Während sich Ferrari auf der Bühne von fünf Musiker*innen unterstützen lässt, spielt er für seine Alben alle Instrumente in seinem Home-Studio in einem Bergdorf nahe Parma selbst ein.

"Mystic chords of memory" entpuppt sich mit seinem funkigen Riff schnell als Quasi-Hit des Albums. Spätestens wenn Ferrari nach eineinhalb Minuten auch noch auf einen Bratzsound setzt, wird deutlich, dass der Mann vortrefflich abrocken kann. Da er die Arbeit der gesamten Rhythmusfraktion übernimmt, verwundert es nicht, dass er sich nicht auch noch Zeit für komplizierte Vokalisierung nimmt. Die in mehreren Songs leicht variiert wiedergegebenen Laute schaffen bewusst Spielraum für Neuinterpretationen bei zukünftigen Live-Auftritten. Ungeachtet dessen sorgen Groove und Polyrhythmik dafür, dass Upupayāmas längstes Album gleichzeitig sein kurzweiligstes ist. "Old sky, wandering clouds" empfiehlt sich mit einem ganzen Arsenal an Shakern für eine improvisationsfreudige Aufführung an einem Tag am Strand. Hier rasselt alles, was rasseln kann. "Baobab", eine auch dank Sitar-Einsatz herrlich relaxte Hommage an den Affenbrotbaum, lädt anschließend zum Entspannen im sonnenbeschienenen Sand ein. In der Botanik mögen andere Regeln gelten, aber Alessio Ferraris "Honesty flowers" sind definitiv keine Schattengewächse.

(Dennis Rieger)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Fliiim/Laliīmph
  • Mystic chords of memory
  • Old sky, wandering clouds

Tracklist

  1. Fliiim/Laliīmph
  2. Gilded meditations
  3. Mystic chords of memory
  4. Oyob
  5. In the solstice sun
  6. Sound mirrors
  7. Mokushō
  8. Old sky, wandering clouds
  9. Yuya
  10. Baobab
  11. Morning temple
Gesamtspielzeit: 72:42 min

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Plattentests.de-Sammelaccount

2026-06-10 21:21:45- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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