Lizzo - Bitch
Nice Life / Atlantic / WarnerVÖ: 05.06.2026
Die innere Mitte(ilsamkeit)
Kaum ein Jahr ist es her, dass man sich an dieser Stelle mit dem musikalischen Auffahrunfall "My face hurts from smiling" aus dem Hause Lizzo befassen durfte. Obwohl schon jenes Mixtape in der Zwischenzeit nochmal um die etwa gleiche Songanzahl erweitert (wenn auch nicht verbessert) wurde, steht nun dennoch bereits das nächste Album an. Scharf kombiniert könnte man den Eindruck gewinnen, dass Melissa Jefferson einen gewissen Redebedarf hat. Und auch wenn ein Albumtitel namens "Bitch" ja erstmal vermuten lässt, dass sich dieses Mitteilungsbedürfnis wohl nicht gerade in sorgfältig abgewägten Kulturdebatten ausdrücken wird, so lässt sich dankenswerterweise feststellen: Viele Stärken aus früheren Lizzo-Releases feiern ein Comeback. Schon das Intro "A toast" gerät durch den orchestralen Auftakt sehr stimmungsvoll und mit Zeilen wie "And all the energy I put into these people / I'm letting go, just to free my mind / 'Cause I'm finally / Who I said I'll be / For the first time" steht tatsächlich mal nicht zuerst die eigene Selbstbeweihräucherung im Zentrum. Böse Zungen könnten vielleicht behaupten, dass jemandem wohl sehr dringend daran gelegen war, den Eindruck aus besagtem Mixtape zu revidieren und wieder in die Fahrwasser von "Special" zurückzukehren. Nachvollziehbar und lobenswert.
Ohnehin ist es bezeichnend, wie viel Leichtigkeit nun wieder in Stücken wie "Little black cat" oder eben auch dem titelgebenden "Bitch" durch die Boxen transportiert wird, wenn man sich eben nicht mehr so verkrampft darum bemüht. Schwerere Themen und der Umgang mit eigenen Unzulänglichkeiten scheinen Lizzo stärker in etwaige Soul-Kompositionen zu leiten. Das steht ihr – zumindest auf Albumlänge – aktuell einfach deutlich besser zu Gesicht als Rapmusik. Gar nicht mal, weil es am Skill dafür mangeln würde, sondern vielmehr weil die dafür von ihr gewählte Attitüde und Selbstpräsentation merklich nicht zur Person passt. So ist sie nunmehr einfach mal wieder "Happy 2 be", und ihre angesprochenen Soul-Qualitäten legen sich wieder spielerisch über einen nicht allzu wilden, aber doch ambitionierten Genre-Mix von Sunshine-Pop bis leichtem 80s-Wave ("Don't make me love u"). Und so herzerwärmend und wohlgelitten dies alles zur Kenntnis genommen werden könnte, hat "Bitch" als Album dennoch einige Probleme handwerklicher und erzählerischer Natur, die es dann nur zu einer Rückkehr auf Raten werden lässt.
Nur weil die Texte nicht mehr vollkommen stumpf(sinnig) sind, so sind diese doch recht weit von der ehemals gewohnten Qualität entfernt. Exemplarisch ist eine Nummer wie "Whose hair is this" vielleicht sogar ein bisschen lustig, allerdings auch nur unter der Arbeitshypothese, dass Lizzos inbrünstiger Vortrag hier bewusst ironisch überhöhen soll – was sich nicht wirklich zweifelsfrei sagen lässt. Es ist schon clever, an dem einen gefundenen Haar im Bett des Lebensabschnittsgefährten in bester Sherlock-Holmes-Manier abzuleiten, was für teure Klamotten die vermeintliche Affäre tragen muss. Jedoch wird dieser Song in einem lyrischen bed/head/mad/sad-Ringelreigen textlich derart lieblos abgefiedelt, dass er glücklicherweise hinter den überzeugenden Instrumentals in Deckung gehen und sich in Ruhe schämen kann. Auch wenn Lizzo hier ironischerweise deutlich mehr von sich selbst persönlich preisgibt, so sind diese (gewollt?) flachen Songpassagen sehr hinderlich dabei, diese Songs nun spezifisch ihr zuzuschreiben und nicht irgendeinem sonstigen befähigten R'n'B-Artist. Einfacher ausgedrückt: Keiner dieser Songs hätte es auf Alben wie "Big grrrl small world" geschafft, obwohl sie rein thematisch durchaus stimmig darin aufgehoben gewesen wären. Am Ende bleibt mit "Bitch" eine große Menge Mittelmaß übrig, was zumindest eine positive Trendwende diagnostizieren lässt.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Happy 2 be
- Little black cat
Tracklist
- A toast
- Happy 2 be
- Don't make me love u
- Bitch
- She stole my man
- Whose hair is this
- Little black cat
- Sexy ladies
- That grrrl
- Too nice
- Like a crime
- Goodmorning!
Im Forum kommentieren
Felix H
2026-06-27 11:35:48
Lizzo got Arcade-fired, quasi.
Arne L.
2026-06-27 11:08:51
Das Album ist rein kommerziell betrachtet eine Katastrophe:
"The album was also a commercial failure, failing to chart on the Billboard 200 albums chart, along with all of the singles failing to chart on the Billboard Hot 100."
Fantano hat da ein Einordnungsvideo gemacht, wo auch der immer noch laufende Prozess gegen sie vorkommt:
https://youtu.be/PCqX8X-CmDk?si=c6dtFNLTEJmDVEMU
Plattentests.de-Sammelaccount
2026-06-10 21:19:37- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
MickHead
2026-06-05 08:51:31
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nxu-PepknQXFoF-n28lToUNACocce0bGw&si=iZbOsHIg76dJafUu
Musikexpress 3.5/6
https://www.musikexpress.de/reviews/lizzo-bitch-review/
MickHead
2026-05-01 11:54:30
Erster Song "Bitch"
https://youtu.be/06rg2Msxe08?si=j1a36bx36JXgxrBF
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Referenzen
Spotify
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