Hammok - When does this place become our scene
Sargent House / CargoVÖ: 05.06.2026
Wälder, die das Brett bedeuten
Skandinavien: Da denkt man zunächst an Natur, pittoreske Astrid-Lindgren-Idylle, Fjorde, Wasser – und viele, viele Wälder. Was insbesondere für Norwegen zutrifft: Rund ein Drittel der geografischen Landesfläche ist bewaldet. Doch ebenso ist Skandinavien neben aller hygge-Seligkeit und Holzvertäfeltheit eben auch die Region, aus der blutrünstige Krimis und brettharte Musik kommen. Ganz dieser Tradition hat sich das in Oslo ansässige Trio Hammok (übrigens nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Band Hammock) verschrieben. Tobias Osland (voc, gr), Ferdinand Aasheim (dr) und Ole Benjamin Thomassen (b) veröffentlichten 2022 ihre erste EP, 2024 ihr erstes Album – und nun liefern sie mit "When does this place become our scene" eine Sammlung von zwölf Hardcore-Tracks, die dermaßen reinballern, dass es schlicht und einfach eine Freude ist. Gleich der erste Track "The scene" geht brutal und lustvoll auf die Zwölf, mit verzerrtem Gesang, waghalsig jaulenden Gitarren und massiv nach vorne prügelnden Drums. Dabei verfallen die Norweger aber nicht in Lärm um des Lärms willen, selbst im absoluten Getöse sind noch Melodielinien zu erkennen – und es gibt trotz des heftigen Intros noch dynamisches Entwicklungspotenzial, beispielsweise wenn nach rund zwei Minuten der Bassist mit noch mehr Wucht in die Saiten greift oder die Drums zum Ende hin eine weitere hektische Extraschippe drauflegen.
Auch zeigen Hammok, dass schiere Geschwindigkeit nicht alles ist: So kommt "Semi-automatic machines" zwar ebenfalls mit 100% Energielevel, aber für HC-Verhältnisse schon fast im ausgeruhten Tempo – und noch dazu mit raffinierten Wechseln zwischen Volllast und kurzen Ausruhephasen, ja sogar eine knapp einsekündige Generalpause gönnen sich die drei Waghalsigen, kurz bevor es dann in ein Gitarrengewitter erster Güte geht. Und: Anders als bei vielen Vertretern des Genres gibt's auf "When does this place become our scene" reichlich Überraschungen und Stilwechsel: So entpuppt sich das zu Beginn etwas merkwürdig daherstolpernde "Gooning für free" nach etwa einem Drittel Spielzeit als höchst erfrischender Wutanfall, während "Blast off (blast off) blast off" klingt wie die Melvins auf Speed. "Tap water" wiederum nimmt das Tempo komplett raus und fährt zunächst bewusst mit Automatikgetriebe und angezogener Handbremse, um wenig später plötzlich den Kickdown zu treten und bei der nächsten Kurve in die Leitplanken zu brettern.
Besonders erfreulich an dieser Platte ist aber vielleicht noch was ganz anderes: Dass Hammok nicht einfach nur ein paar bleichgesichtige "angry young men" sind, die der Welt mal den "Doppelfiggo" zeigen wollen. Sie haben vielmehr ein überbordendes Repertoire aus guten Ideen, vermengen auf geschickte Weise unterschiedliche Hardcore-Elemente und machen mit dem einen oder anderen bewusst-irrsinnigen Einwurf auch klar, dass neben Präzision, Wut und schierer Kraftmeierei eben auch Humor und vielleicht sogar Selbstironie mit im Spiel sind. Und genau das ist es, was ihr Album von einer durchschnittlichen Hardcore-Scheibe abhebt. Hier geht, wo erforderlich, die Luzi ab, es können aber auch einmal andere Register gezogen werden. Eine Erkenntnis darf als gesichert gelten: Der, der dies hier schrieb, freut sich seit dem Abhören dieses Albums nochmals ganz besonders auf seinen bevorstehenden Urlaub in Norwegen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- The scene
- Gooning for free
- Tap water
- Thirst
Tracklist
- The scene
- Semi-automatic machines
- Gooning for free
- Blast off (blast off) blast off
- BANG
- Groundbreaker
- Tap water
- CND
- Thirst
- When the kids are too old to cause a scene
- Confidence of a beaten horse
- For my friends
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Plattentests.de-Sammelaccount
2026-06-10 21:19:10- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Hammok - When does this place become our scene (1 Beiträge / Letzter am 10.06.2026 - 21:19 Uhr)
