Drake - Iceman / Maid of honour / Habibti

OVO / Republic / Universal
VÖ: 15.05.2026
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 2/10
2/10

Quantitätsoffensive

Was auch immer Drake dazu bewogen hat, drei Alben gleichzeitig zu veröffentlichen – jetzt haben wir den Salat. Dabei stellen "Habibti" und "Maid of honour" gefühlt eher die Beiwerke zu "Iceman" dar, werden aber in seiner Diskografie gleichberechtigt als neunte, zehnte und elfte Platte von Aubrey Drake Graham aufgeführt. Der Einfachheit halber widmen wir den drei Alben eine gemeinsame Rezension, was sich nicht nur deshalb anbietet, weil sich diese musikalisch nicht nachhaltig unterscheiden. Okay gut, Drake hat sich schon bemüht, dass die Trilogie verschiedene Stimmungen einfangen soll – vom Partytier auf "Maid of honour" über liebestrunken auf "Habibti" bis hin zum vermeintlich coolen, aber eher gekränkten oder launischen "Iceman". Zuletzt wurde die Luft für Graham immer dünner, doch der erhoffte Befreiungsschlag ist hiermit leider ausgeblieben. Selten, vielleicht nie zuvor in der Rap-Geschichte wurde ein Beef derart öffentlichkeitswirksam und gleichzeitig dominant gewonnen wie Kendrick Lamar über Drake im Frühjahr 2024.

Mit rund zweieinhalb Stunden Musik gäbe es nun eigentlich genug Möglichkeiten für eine Art Gegenschlag, es reicht jedoch nur zur Schadensbegrenzung. Diese klingt aber zumindest meistens ganz brauchbar, vor allem beim Hauptteil. Als "Iceman" kann Drizzy am wenigsten falsch machen, dementsprechend befinden sich hier auch die meisten Höhepunkte, selbst wenn ausgerechnet die Lead-Single "What did I miss?" am unspektakulärsten wirkt. Hier fehlt noch diese Mystik und das Schnörkellose, was "Janice STFU" zum Beispiel so interessant macht. Hier schießt Drake am gelungensten gegen Lamar, gleichzeitig könnte man noch Seitenhiebe gegen unter anderem Joe Budden herauslesen. Stark umgesetzt und inhaltlich wichtig ist auch "Ran to Atlanta", das nicht nur das Traumduo Drake und Future wieder vereint, sondern daneben noch Underground-Rapperin Molly Santana etwas Spotlight neben ihnen schenkt. Es dient zudem als Statement, nachdem Future im Beef von 2024 mit dem Song "Like that" etwas sehr offensiv mit Lamars Seite flirtete. Noch so ein Fall, bei dem Inhalt und musikalische Leistung quasi gleich viel hermachen, wäre "National treasures", das uns den vielleicht schonungslosesten Blick in Drakes Gemütszustand nach öffentlicher Demütigung gewährt. Bei den Tracks, die hier mit "Make them (...)" anfangen, gelingt das aber leider weniger. Obwohl sie allesamt stark klingen, vor allem "Make them pay", sind das für Intro und Closer zu viele vermeidbare Baustellen; die Instrumentals sind quasi zu schön chillig für den Overkill an Referenzen. Überhaupt wäre das wohl am sonst recht soliden "Iceman" der Hauptkritikpunkt. Und wenn nun ein Album schon an diesem Problem würgt, wirken die beiden zusätzlichen Veröffentlichungen mehr als Bürde statt als Hilfe.

Immerhin lenken beide Werke aber gut ab vom Informationsüberschuss. "Maid of honour" bietet ordentliche und doch ausgefallene Sounds, es klingt mehr nach dem Drake der letzten zehn Jahre, aber mit überfälligen musikalischen Fortschritten. Die fließende, cluborientierte Ästhetik kommt am besten bei "Cheetah print" mit Sexxy Red rüber, auch "Which one" mit Central Cee klingt stark, hier wiederum gibt der Text weniger her. Auf "Habibti" dominieren glücklicherweise R'n'B-Ästhetik und, was man Drake wirklich zugutehalten kann, experimentelle Elemente kleinerer Acts. So sind die Vocals der bislang kaum bekannten Londonerin Qendresa auf "Slap the city", "Gen 5" und "Fortworth" absolute Highlights, während Produzent Gordon das Team für "WNBA" merklich verstärkt. Das wohl beste Zusammenspiel aller drei Platten gibt uns "I'm spent", dessen schöne Klavierläufe sowohl die ansprechende Performance von Loe Shimmy unterstreichen als auch hervorragend zu Drakes ausufernden Einsätzen passen. Shimmys einleitende Frage "What’s the cost gon’ be?" beantwortet Drizzy unaufhörlich mit "What if I go broke and I got no more racks to spend on you?", als wäre diese Frage nicht schon mehrfach auf seinen Alben behandelt worden, aber wenigstens klingt es nach etwas.

Zwar bleibt keine der drei Platten frei von schwächeren Momenten, aber das Beste an "Maid of honour" und "Habibti" ist die thematische Abwesenheit von Kendrick Lamar. Denn "Iceman" könnte eigentlich eines der stärksten Drake-Alben seit vielen Jahren darstellen, wäre da nicht diese Allgegenwärtigkeit des verlorenen Beefs. Dabei wirkt er aber halt nicht wie der heimliche Gewinner oder jemand, der über den Dingen steht, sondern größtenteils verbittert. Was allen drei Alben fehlt, wäre so ein alles überragender Hit aus der Liga von "One dance" oder "Hotline bling", der Drake vielleicht auch etwas von seiner früheren Aura zurückgeben würde. Stattdessen verschießt er relativ ungefiltert Musikmaterial, das an keiner Stelle reichen wird, um den Image-Schaden durch Kendricks "Not like us" zu rehabilitieren. Dass er vermutlich mit dem Label brechen will (siehe auch "B’s on the table") würde jedoch immerhin erklären, warum es gleich drei Veröffentlichungen sein mussten, damit so ein Ende des Deals näherkommt.

Es wäre viel erfrischender, wenn Drake das einfach auch so kommuniziert, statt sich in einem Meer aus Quantität wieder als missverstandener Held darzustellen, der alle Hürden locker überspringt. Selbst wenn er über Beziehungen und Geld philosophiert, verursacht das weniger Fremdscham, als wenn er einmal mehr anfängt, auf harten Straßentyp mit Schlägerkumpels zu machen und dass er die Branche zurückerobern will. Ja, es gibt Momente in den zweieinhalb Stunden, wo man den Kanadier schütteln und anbrüllen will, dass er wie kaum ein Zweiter für die Musikindustrie steht und sein ganzes Leben lang reich genug sein wird. Oder dass er sich deutlicher inhaltlich gegen Lamars Vorwürfe gerade machen könnte, schließlich sind es Anschuldigungen von höherem Kaliber. Allein weil all das ausbleibt, können die Erwartungen dieser Album-Trilogie nicht erfüllt werden. Denn unter anderen Umständen, ohne das Drumherum und vor allem ohne die hingeschmissenen Begleitalben hätte "Iceman" eine außergewöhnlich stimmige Platte werden können. So stehen wir jetzt vor mehr offenen Fragen als zuvor und einer Reihe guter bis sehr guter Songs neben erstaunlich viel Füllmaterial, alles durch drei geteilt.

(Maximilian Baran)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Janice STFU
  • Ran to Atlanta (feat. Future & Molly Santana)
  • National treasures
  • WNBA
  • I'm spent (feat. Loe Shimmy)

Tracklist

  • Part 1
    1. Make them cry
    2. Dust
    3. Whisper my name
    4. Janice STFU
    5. Ran to Atlanta (feat. Future & Molly Santana)
    6. Shabang
    7. Make them pay
    8. Burning bridges
    9. National treasures
    10. B's on the table (feat. 21 Savage)
    11. What did I miss?
    12. Plot twist
    13. 2 hard 4 the radio
    14. Make them remember
    15. Little Birdie
    16. Don't worry
    17. Firm friends
    18. Make them know
  • Part 2
    1. Hoe phase
    2. Road trips
    3. Outside tweaking (feat. Stunna Sandy)
    4. Cheetah print (feat. Sexyy Red)
    5. Which one (feat. Central Cee)
    6. Amazing shape (feat. Popcaan)
    7. BBW
    8. True bestie (feat. Iconic Savvy)
    9. Where's your stuff (Interlude)
    10. New bestie
    11. Q&A
    12. Stuck
    13. Goose and the juice
    14. Princess
  • Part 3
    1. Rusty untro
    2. WNBA
    3. Slap the city (feat. Qendresa)
    4. High fives
    5. Hurrr Nor Thurr (feat. Sexxy Red)
    6. I'm spent (feat. Loe Shimmy)
    7. Classic
    8. Gen 5
    9. White bone
    10. Fortworth (feat. PartyNextDoor)
    11. Prioritizing
Gesamtspielzeit: 150:31 min

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2026-06-25 15:40:48

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2026-06-11 08:16:30

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2026-06-11 08:04:28

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2026-06-10 21:18:38- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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