Digitalism - Optimism
Magnetism / ZebralutionVÖ: 29.05.2026
Eine kleine Meltmusik
Was waren das für wunderbare Jahre, damals in Ferropolis beim Melt! Als man zwischen den alten Tagebaugiganten Mad Max, Big Wheel und Gemini (Schwenk- und Schaufelradbagger sowie sogenannte Absetzer, für die Uneingeweihten), zwischen Strand und See, zwischen Indierock, Elektropop, Techno und DJ-Sets vom Nachmittag bis in den Morgen tanzen konnte. Zu einem exzellent kuratierten Festival-Lineup, das es hierzulande davor und danach nicht gab. Die beste Zeit des Melt! lag dabei zwischen 2005 und 2013, später wurde die Mischung zu unrund, auch beim Hedonistenpublikum – und vor zwei Jahren verabschiedete sich dieses vielleicht spannendste deutsche Musikfestival endgültig von der zunehmend öden Sommermusiklandschaft.
Was das mit Digitalism zu tun hat? Ganz einfach, Jens Moelle und İsmail Tüfekçi gelang es vor allem auf ihrem Debütalbum "Idealism" , aber mit Abstrichen auch auf dem Nachfolger "I love you, dude" , diesen Melt!-Sound perfekt auf Konserve zu bannen. Diese fiebrige, permanent nach vorne schiebende Tanzparty mit Köpfchen, die aber immer auch ein Herz für die Dynamik der Rockmusik in sich barg. Das dritte Album konnte das nicht mehr so ganz erfüllen, so holte man lieber ab und zu die alten Kracher heraus und dachte nicht daran, dass da noch einmal etwas Relevantes käme. Doch nun haben wir 2026, und die Welt kann eine Prise "Optimism" unbedingt gebrauchen. Nachdem angesagte neue Künstler wie Zartmann Digitalism entdeckt und ihr "Pogo" zu einem millionenfach gestreamten Hit versampelt haben, ist es vielleicht auch der richtige Moment.
Und nicht nur der Albumtitel und die – bei genauem Hinsehen erkennbare – Gestaltung des Bandschriftzuges erinnern an das Debüt. Nein, das scheppert hier just like 2007, was als Kompliment gemeint ist. Gleich mit dem eröffnenden Vorabstück "Space invaders" begibt sich das Duo mit auf Pop getunten Synthies auf die Suche nach dem "better place". Das nachfolgende "Double jam" verbindet frühes Gebratze für Leute, die sich noch an die legendären Kitsuné-Sampler erinnern, mit einer schlicht-schönen Hintergrundmelodie. Dagegen pumpt sich "AOA (The age of anyone)" minimalistisch durch einen wohl postironisch zu nennenden Text. Auf dem "Planet rhythm" zählt oft nur der nächste Rave.
Aber noch hält niemand das Alter auf, also gibt es nach vier Tracks erst einmal eine Pause vom Tanzen, in der die Kaffeemaschine angeworfen wird. Ernsthaft. Um anschließend mit "Golden" einen chilligen Sundowner (oder Sunupper?) zu schlürfen. Das bei aller Tanzbarkeit auch leicht melancholische "Starburst" bringt das Blut wieder leicht in Wallung, bevor im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte die Bässe und Beats den Druck erhöhen. Die "Sirens" rabatzen herum, die Afterparty wird durch den "House alarm" nach weniger als zwei Minuten gestoppt, wie gesagt, wir können alle nicht mehr drei Tage wach bleiben. Aber bevor die "Four seasons" zur permanenten Wiederholung anregen, recken wir noch einmal die Faust und rufen zusammen: "Achtung! Optimism".
Highlights & Tracklist
Highlights
- Space invaders
- Golden
- Starburst
- Achtung! Optimism
Tracklist
- Space invaders
- Double jam
- AOA (The age of anyone)
- Planet rhythm
- Inspiration room interlude
- Golden
- Starburst
- Sirens
- House alarm
- Achtung! Optimism
- City of love
- Four seasons
Im Forum kommentieren
Armin
2026-06-03 20:43:30- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
Gomes21
2026-06-03 15:51:29
laut lobt mir 4/5 "Party wie in 2008: im Infinity-Loop der Glückseligkeit."
Für mich gerade der Grund warum das nicht mehr funktioniert. Digitalism haben sich überhaupt nicht weiterentwickelt. Ich mochte sie gerne, habe sie sogar ein mal live gesehen, aber 2026 brauche ich das so nicht mehr.
MickHead
2026-05-29 09:58:55
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mMIZoYsFRKZL6AJbO6m-U1V_l92JeZI1s&si=DAvC8KtSWCDFvE8d
Croefield
2026-05-29 07:12:28
Fängt stark an, lässt aber auch nach "Golden" für mich ganz schön nach.
MickHead
2026-04-16 18:31:12
Das deutsche Electronic-Duo "Digitalism" aus Hamburg, kündigt für den 29.05. das 5. Studioalbum "Optimism" an. Es folgt auf "JPEG" von 2019.
Sonnenaufgang als Musikprogramm: Mit der neuen Single „Golden“ und dem neuen Album melden sich İsmail „Isi“ Tüfekçi und Jens Moelle als Digitalism eindrucksvoll zurück.
„Golden“ klingt wie ein Morgen, der sich Zeit lässt. Der Track beginnt schwerelos und verträumt, irgendwo zwischen letzter Dunkelheit und erstem Licht – um sich dann langsam, aber sicher in eine Disco-Maschine zu verwandeln, die einen durch den Tag trägt.
Kein Drama, keine Schmerzen, nur: Aufwachen und weitermachen. Das Duo beschreibt den Song als „Schutzschild, der dich positiv und mutig hält“ – und wer würde so etwas in diesen Zeiten nicht gerne in der Jackentasche haben?
Dass Digitalism diesen Optimismus heute glaubwürdig vertreten können, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von zwei Jahrzehnten harter Arbeit. Als Remixer für Schwergewichte wie Daft Punk, Depeche Mode oder The Cure haben sie bewiesen, dass elektronische Musik auch rocken kann. Quelle: MusikBlog
Erster Song "Golden"
https://youtu.be/S5Rxq-IJa7I?si=TvksGXbE5ZDrQBif
"Optimism" bei Bandcamp:
https://digitalism.bandcamp.com/album/optimism
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