Francis Of Delirium - Run, run pure beauty

Dalliance
VÖ: 29.05.2026
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Die Großherzogin

Ernüchternd: Beim ESC 2026 ist Luxemburg schon im zweiten Halbfinale ausgeschieden – bloß zwei Jahre, nachdem es erst wieder am Mega-Wettbewerb teilnehmen durfte. Wie schon in der Rezension zu "Lighthouse" erörtert, dem Debüt der Lëtzebuerger Musikerin Jana Bahrich und ihres Projekts Francis Of Delirium, steht aber auch das keinesfalls repräsentativ für die musikalische Ausdrucksfähigkeit des kompakten Benelux-Landes. Die Mittzwanzigjährige mischt nicht nur weiterhin kräftig im westeuropäischen Indie-Rock-Zirkus mit und knüpft mit "Run, run pure beauty" nahtlos an ihren gefeierten Erstling an. Nein: Sie toppt diesen sogar, und zwar nach allen Regeln der Kunst. Dabei handelt es sich bei Francis Of Delirium immer noch um eine Quasi-Solo-Band: So hat Bahrich sich zwar erneut mit dem US-Expat Chris Hewett zusammengetan, fungiert aber als primäre Songwriterin und hebt ihre Liebe zum DIY-Gitarrenrock aus eigener Kraft aufs nächste – oder auch übernächste – Level. Von diesem unerschrockenen Selbstbewusstsein zeugt gleich die große Alternative-Abfahrt von "Out tonight", deren kunstvolle Vocals genauso gut von The Last Dinner Party stammen könnten wie das treibende Riff aus Foo Fighters' "Everlong". Der erste Eindruck: schlicht bemerkenswert.

Wie sich zeigt, hat Bahrich den auch ursprünglich schon dichten Rock-Sound vor allem um eine zusätzliche orchestrale Ebene erweitert. So wird unter anderem der Titeltrack von filmreifen Streichern und Bläsern eröffnet, was sie auch gleich in den Lyrics aufgreift: "I built this dream / A movie scene." Der Song selbst zeigt sich derweil erfrischend uneingängig, baut sich eher zaghaft auf. Diesem Schlenker in Richtung Kunstfertigkeit steht der fröhlich-direkte Ohrwurm "Litte black dress" gegenüber, der die Sängerin und Gitarristin von ihrer nicht immer gleich ins Auge fallenden, eher unbeschwerten Seite zeigt. Dazu passt auch der zugehörige Videoclip ausgezeichnet, in dem sie gut gelaunt und leicht angeduselt über die Schueberfouer, Luxemburgs größte Kirmes, rennt. Auch dieser Lokalkolorit steht Francis Of Delirium prächtig und hebt sie von artverwandten, meist aus dem anglophonen Sprachraum stammenden Formationen ab. Denn vieles an ihrem Sound klingt weiterhin nach amerikanischer Westküste, nach den Boygenius-Musikerinnen, sowohl zusammen wie einzeln. Aber "Run, run pure beauty" ist auch ein "Mehr von allem"-Album – ohne das abschätzig zu meinen. Ganz im Gegenteil.

Denn insbesondere "Higher" schichtet gefühlt hunderte Spuren übereinander, ohne darunter zusammenzubrechen, und wird somit zu einer kleinen Großtat zwischen Pop-Gespür und mächtigen Gitarrenbauten. In langsameren, aber nicht weniger pompösen Stücken wie "Open up your mouth to love" übernimmt Bahrichs akzentfreier Gesang das Rampenlicht im Chor mit sich selbst, schwebt, umgarnt, fasziniert. "Heed the song / The angels sing / Give me your heart / Give me everything" – es ist praktisch alles bereits gesagt. Auch im zunächst melancholisch-endzeitlichen "Requiem for a dying day" bricht schließlich der Himmel auf und funkelt voller Eleganz, sodass fast überschattet wird, dass "Damned" zuvor beinahe Depeche-Mode-Vibes verbreitet hat. Spätestens, wenn der beschwingte Powerpopper "It's a beautiful life" seine euphorische Message wie auf wehende Fahnen in den Titel schreibt, zieht man den Hut: Das Versprechen, das die Künstlerin mit "Lighthouse" gegeben hat, löst sie ein. Und zwar doppelt und dreifach. Vor dieser "pure beauty" davonzulaufen, kann eindeutig keine Option sein.

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Run, run pure beauty
  • Higher
  • Little black dress
  • Requiem for a dying day

Tracklist

  1. Aliens
  2. Out tonight
  3. Run, run pure beauty
  4. Higher
  5. Damned
  6. Little black dress
  7. Sucker punch
  8. Open up your mouth to love
  9. Requiem for a dying day
  10. Modern Madonna
  11. It's a beautiful life
Gesamtspielzeit: 39:54 min

Im Forum kommentieren

vincent92

2026-05-29 19:11:20

Klasse Bandname, klasse Album. Was will man mehr. Danke für den Tipp.

MickHead

2026-05-29 10:06:45

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://francisofdelirium.bandcamp.com/album/run-run-pure-beauty

Armin

2026-05-27 20:35:39- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

manfredson

2026-05-06 18:37:17

"Real Love" fand ich damals riesig, das Album auch echt gut. Freue mich sehr auf das neue.

MickHead

2026-04-22 19:02:09

3. Song "Requiem For A Dying Day"

https://youtu.be/EOA7s8sI3p0?si=ATZlbQIaEzyG4mGx

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