Get Well Soon - Minus the magic

Recordjet / Edel
VÖ: 22.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Krisenfest

Den Musiker Konstantin Gropper umweht seit "Rest now, weary head! You will get well soon", seinem feinen Debüt aus dem Jahr 2008, eine besondere Aura. Mit gebotener Theatralik, einem unwiderstehlichen Hang zur Opulenz und einem ausgeprägten Gespür für große Momente legt er in schöner Regelmäßigkeit unter dem Namen Get Well Soon Album für Album vor, und er verdiente sich auf diesem bemerkenswerten Weg eine durchaus veritable Fanschar. Inzwischen Mitte 40, hat er sich nach eigenem Bekunden zuletzt mehr und mehr den großen Fragen des Lebens gewidmet und dabei nebenher auch seinen künstlerischen Wurzeln nachgespürt. 20 Jahre nach Gründung seines Projekts beschreitet Gropper auf "Minus the magic" nun durchaus neue Wege, ohne auf die bewährte Magie zu verzichten. Der Titel ist nur eine Täuschung. Statt möglicher Midlife Crisis regiert erfrischend kreative Neugier.

Als "Musik von Musikern mittleren Alters für Menschen mittleren Alters" bezeichnet Gropper diese etwas mehr als dreiviertelstündige Angelegenheit in einem ausgesprochen ausschweifenden Begleittext. Wer ihn kennt, denkt sich das Augenzwinkern gleich mit, und tatsächlich fügt er einladend hinzu: "Aber natürlich sind auch alle anderen herzlich willkommen." Wer mag diesem höflichen Angebot schon widersprechen? Aufmerksamen Menschen, die mit dem bisherigen Schaffen von Get Well Soon etwas besser vertraut sind, dürfte gleich zum gelungenen Auftakt auffallen, dass das neue Material streng genommen nicht durchgehend gänzlich neu ist. Der überzeugende Opener "The 4:3 days" ist eines von gleich fünf Stücken, die 2014 die EP "The Lufthansa heist" bildeten und für "Minus the magic" in ein aufgefrischtes Gewand gehüllt wurden. Im weiteren Verlauf des Albums erfahren auch "A night at the Rififi Bar", "The pope washed my feet in prison", "Sci-fi gulag" und "Staying home" eine pointierte Frischzellenkur.

Die Ausrichtung nahezu des gesamten Materials ist spürbar roher als bei vielen Vorgängern, erstmals hat Gropper die Songs mit einer kompletten Band live im Studio eingespielt. Ein Vorgehen, das stets hörbar ist und den elf Songs bestens zu Gesicht steht. Etwas weniger Theatralik, etwas weniger Opulenz, etwas weniger von allem: Das alles funktioniert überraschend gut. Der Sänger selbst bleibt unterdessen trotz des zwischenzeitlich verblüffend hohen Tempos in den Stücken ganz bei sich und verliert im besten Sinne nie die Fassung. Seine genussvolle, nonchalante Art des Gesangsvortrags passt dabei bestens zu jedweder Herangehensweise der Band um Maxi Schenkel, Marcus Wüst, Paul Kenny und Sebastian Brödner, während Alex Mayr und seine Schwester Verena sich zwischenzeitlich mit ans Mikro gesellen. Der Titel "Minus the magic" ist dabei in keinem Fall falsch zu verstehen, denn die besondere Magie von Get Well Soon schimmert bei aller Freude am eher einfacheren Song an vielen Stellen nach wie vor durch. Erfreulich: Das Album ist nur das erste von gleich zweien, die 2026 aus dem Hause Get Well Soon vorgelegt werden sollen.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The 4:3 days
  • OK
  • The golden toilet heist
  • Staying home

Tracklist

  1. The 4:3 days
  2. OK
  3. A night at the Rififi Bar
  4. There's Waldo
  5. The pope washed my feet in prison
  6. The golden toilet heist
  7. Sci-fi gulag
  8. When they cheer you're wrong
  9. Here's some feedback
  10. Staying home
  11. That's not me
Gesamtspielzeit: 46:43 min

Im Forum kommentieren

Vivat Virtute

2026-06-10 07:34:26

Hab's inzwischen ein paar Mal gehört, wird das erste GWS-Album seit dem Debüt, zu dem ich öfter zurückkehren werde. Nicht, weil ich den restlichen Output schlecht finden würde, sondern weil ich leider mit seinem Hang zu Opulenz und Konzept nichts anfangen kann.
"A night at the Rififi Bar" war in der EP-Version besser, aber allgemein sind die fünf Songs von "The Lufthansa heist" so ziemlich die stärksten auf dem Album.

The MACHINA of God

2026-06-09 14:46:38

So, höre es grad zum ersten Mal. Mag ihn ja eher pompös, aber diese Lockerheit und der Bandsound hat was. Mir gefällt direkt "A night at the Riffi Bar" richtig gut.

Dielemma

2026-06-04 11:39:06

Ja, da ist was dran. Gibt aber einige tolle Tracks auf dem Album, v.a. die beiden Opener.

mercury666

2026-06-03 15:29:27

Habe GWS früher echt gerne gehört. Aber mMn hört sich jeder Song gleich an. Gleiches Tempo, gleicher Rhythmus, gleicher Gesangsstil in jedem Track. Passt schon, aber haut mich nicht um.

Dielemma

2026-05-23 15:31:41

Finde es schön und abwechslungsreich mit neuen Stilnuancen

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