Rostam - American stories
Matsor / CargoVÖ: 15.05.2026
Keep calm and coup d'état
Menschen neigen dazu, Hoffnungen, die sie sich selbst nicht erfüllen können, auf andere zu projizieren. Wenn also jemand wie Rostam Batmanglij als US-Künstler mit persischen Wurzeln auf dem Cover zum umgedrehten Star-Spangled Banner greift, wirkt das zunächst wie das Versprechen einer politischen Kampfansage. Es lädt dazu ein, in "American stories" ein Sprachrohr für die persönlichen Wut- und Ohnmachtsgefühle über die einst große Nation zu interpretieren. Allein: Es stimmt nicht. Mit diesem Album will Rostam eine ganz andere, stark in den Hintergrund geratene Alternative anbieten: Egal wie infantil die Welt um einen herum wird – irgendwer muss der Erwachsene bleiben. Im Zweifel ist man das selbst. Wenn alles lauter wird, hilft es nicht, noch lauter zu schreien. Wut ist nicht nur ein schlechter Ratgeber – sie ist oft das Werkzeug, mit dem sich Menschen gegeneinander aufbringen.
In den neun Songs von "American stories" geht es dann hauptsächlich um seinen persönlichen Umgang mit dem Clash der Kulturen, instrumental durch gleichzeitiges Spielen von Akustikgitarre und Saz repräsentiert. Das ist alles andere als subtil, funktioniert aber durch seine Gleichzeitigkeit so gut, wie man es aus den früheren Produktionen seiner Ex-Band Vampire Weekend kennt. Rostam verließ die Gruppe vor nunmehr etwa zehn Jahren, und mittlerweile lässt sich wohl anerkennen, dass sich beide auch unabhängig voneinander angenehm weiterentwickelt haben. Zurückkommend auf "American stories" lassen sich die Lyrics von Rostam nur schwerlich auf dem Level seines ehemaligen Bandkollegen Ezra Koenig sehen, allerdings ist das durch die insgesamt defensivere Produktion und schlicht introvertiertere Grundausrichtung auch gar nicht erforderlich. Wenn wie in "Different light" zu Zeilen wie "Sometimes I don't want to know / What it is I'm trying to say / Sometimes I don't want no words / Written anywhere in front of me" angesetzt wird, dann ist der Bedarf zum Ausdruck der eigenen College-Pop-Cleverness einfach schon so hinreichend gedeckt, dass man schlicht kein Problem mehr damit hat, seine eigene Müdigkeit mit der Welt einzugestehen. Das ist gleichermaßen nah am Herzen wie auch am Verstand.
Auffällig ist der deutlich erhöhte Folk-Anteil im Vergleich zu früheren Soloarbeiten. Gleichzeitig verzichtet das Album weitgehend auf sonstige stilistische Ausschläge, und das bekommt den Songs gut. Die frühere Suche nach immer neuen, möglichst obskuren Klangquellen trägt als Konzept irgendwann nicht mehr allzu weit. Stattdessen wirkt es hier erfrischend unaufgeregt, wie Rostam mit seinen vertrauten Instrumenten an die amerikanische Folk-Tradition anknüpft und sich ganz selbstverständlich in diese einreiht. Expliziter als "They can force a resignation / But can't stop a formation" wie in "The weight" wird "American stories" jedoch nicht. Es ist eine leise, aber kraftvolle Erinnerung daran, dass die stärksten Phasen amerikanischer Kultur immer dann entstanden, wenn Ausgeschlossene ihren Platz fanden. Und dass sie immer dann schwächelte, wenn sie sich gegen genau diese Offenheit abschottete. Dadurch gelingt ein spannender Kunstgriff, ohne offensichtliche Protestsongs eine eindeutig subversive Nachricht zu verbreiten. Das legt dar, was das Handwerk eines guten Produzenten wie Rostam ausmacht.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Hardy (feat. Clairo)
- The weight (feat. Amir Yaghmai)
Tracklist
- Like a spark
- Back of a truck
- Different light
- Hardy (feat. Clairo)
- Forgive is to know
- To feel no way
- The road to death
- Come apart
- The weight (feat. Amir Yaghmai)
Im Forum kommentieren
dreckskerl
2026-05-19 23:59:21
Ich hatte auch viel Freude, man merkt die Vampire Weekend Vergangenheit, mir gefallen die Arrangements, die Saz zum Beispiel.
Schönes Album mindestens 7.
7pointz
2026-05-19 23:25:41
Grad von Spotify empfohlen: Hardy
Gefällt sehr. Eine Art Mix zwischen Sufjan Stevens, Phoenix mit einer Stimme die nach Fran Healy von Travis klingt (der männliche Part)
Werd mir das Album demnächst mal geben
MickHead
2026-05-15 07:41:07
Jetzt komplett bei Bandcamp:
https://matsor.bandcamp.com/album/american-stories-3
Musikexpress 4.5/6
https://www.musikexpress.de/reviews/rostam-american-stories-review/
Armin
2026-05-12 19:47:04- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
MickHead
2026-05-11 18:13:08
3. Song "Hardy (Feat. Clairo)"
https://youtu.be/YRnST8QfH4A?si=HBetb0TxsGY6AxEN
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Referenzen
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