Frachter - Es wird gleich besser

Gunner
VÖ: 01.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Gemeinsam mit der Angst

Wo die Möwen und der Wind sind, sind die großen Schiffe mit den Containern nicht weit. Turbostaat aus Flensburg haben viele Lieder gesungen zu jenen nordischen Settings in rauer musikalischer Umgebung. Frachter indes verorten sich deutlich weiter mittig im Land, das Emo(post)punk-Trio aus der Kulturstadt Weimar klingt aber durchaus nordisch. Und das ist natürlich gut so.

Der Opener "4:18 Uhr" gibt mittels seines stoischen wie alarmierenden Gitarrenriffs den Weg vor, die Drums poltern, als solle das Ungeheuer namens gesellschaftlicher Untergang schon sehr bald seine Krallen ausfahren. "Selbst das Bohren der dicksten Bretter / Lässt Dich jetzt im Stich." Ein Auftakt mit Ausrufezeichen. Auch "Dolomiti" überzeugt, ist in den sprechgesungenen Strophen ziemlich nah bei Turbostaat, während Frachter zum Refrain durchaus zum Hymnischen neigen, wo dann wiederum das Münsterland bzw. Muff Potter nicht als Referenz so weit hergeholt sind. "Mit dem Kopf durch die Wand" möchte "Trafo", mit ein wenig Geschrei gelingt es dem Thüringer Trio, das Energielevel hochzuhalten. Höchst melodisch und packend geraten sind auch "Here comes the sun (aber als Drohung)" und der kleine Hit "Anthrazit", dessen Refrain fast ein wenig positive Vibes verbreitet.

Für jene ist es aber eigentlich auch nicht die richtige Zeit. "Musst Du Dich selber zwingen / Oder tun die Umstände das schon?" Gutes Stichwort, dieser Vers aus "Dolomiti". Denn einen gewissen Zynismus kann und sollte man dem Albumtitel von Frachters zweitem Longplayer zugestehen: Klimakrise, ein angeschlagen röchelnder Neoliberalismus, der seine letzten Gewinnerpakete verteilt just an jene, die eh schon genug haben, und noch dazu der mittlerweile wirklich vor fast jeder Haustür lauernde Rechtsruck – nützt ja nichts: "Es wird gleich besser." Muss ja. Und alle müssen mit. Auch die alten Damen, die im intensiven "Umarella" im Chor singen und den mahnenden Finger im Kollektiv heben. Und während der Quasi-Titelsong zum Abschluss tiefer in Post-Punk-Erden gräbt, mutet seine Idee in Sachen erster Hilfe zumindest originell an: "Wir zerteilen die Angst / Mit wetzenden Messern / Gleich wird es besser." Solidarität, vielleicht eines der wenigen Konzepte, das noch trägt.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • 04:18 Uhr
  • Dolomiti
  • Anthrazit

Tracklist

  1. (Blumwiese)
  2. 04:18 Uhr
  3. Muskelgedächtnis
  4. Dolomiti
  5. Umarella
  6. Slalom
  7. Trafo
  8. Schloss
  9. Here comes the sun (aber als Drohung)
  10. Anthrazit
  11. Kanonen und Butter
  12. Gleich wird es besser
Gesamtspielzeit: 33:27 min

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sizeofanocean

2026-05-12 21:18:48

Turbostaat und Love A gibts halt schon...

Armin

2026-05-12 19:45:10- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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