Neil Diamond - Wild at heart

Capitol / Universal
VÖ: 08.05.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Der Vorhang fällt

"Life ain't fair / Don't go there / Once you're in you might not get out." Man kann nicht behaupten, dass das Leben dem, der diese Zeilen gesungen hat, besonders übel mitgespielt hätte. In der Gesamtbetrachtung wohl nicht. Aber auch nicht, was Erfolg und Popularität beim Publikum angeht. Neil Diamond gilt unbestritten als einer der ganz Großen. Das hat gute Gründe. "Solitary man", "I am... I said", "Song sung blue", "I'm a believer", "Sweet Caroline", "Forever in blue jeans", um nur einige zu nennen. Dass die Glanzzeit schon ein gutes halbes Jahrhundert zurückliegt, sollte jedoch nicht den Blick auf die jüngere Vergangenheit verstellen. Mitte der 2000er hat sich Neil Diamond mit Rick Rubin zusammengetan, der bekanntlich zuvor schon Johnny Cash zu einem würdevollen Spätwerk verholfen hatte. Aus der Zusammenarbeit mit dem rauschebärtigen Produzenten entstanden "12 Songs" von 2005 und "Home before dark" von 2008, letzteres Diamonds erstes und einziges Nummer-1-Album in den Billboard-Charts. Offenbar ist bei den Sessions zu "Home before dark" seinerzeit aber auch so einiges liegengeblieben. Bislang unveröffentlichtes Material, ausnahmslos Eigenkompositionen und neun Songs an der Zahl, die nun, ergänzt um eine Alternate-Version von "Forgotten", Eingang auf "Wild at heart" gefunden haben.

"Wild at heart" beginnt schwungvoll mit einem Country-Schunkler, das Leben ein Rodeo-Zirkus. "Hey, what am I drinking? I'm thinking I must be high / Talk about settling down but I don't know why." Die Feier juveniler Lebensfreude ist eine erfrischende Reminiszenz, dauert allerdings nicht lange an. Schon mit "You can't have it all" und "Talking it to death" dominieren die leiseren und vor allem nachdenklichen Töne. Hier sinniert ein älterer Herr über dies und das, lässt die Gedanken schweifen, scheint vor allem aber auch mit sich selbst im Reinen. Wie weit das auch ins Persönliche reicht, zeigt sich in "Shine on", wo Neil Diamond seinem Sohn ein paar gute Ratschläge mitgibt. "Shine on / Love will lead you / That's all you need to do / Even the longest Journey starts from a place inside of you." Eine merklich gereifte, aber dennoch kraftvolle Stimme. Eine markante Akustikgitarre, nur hier und da zart umspielt von weiteren Instrumenten. Das Prinzip ist einfach – und bekannt. Was das hier Dargebotene aber nicht minder eindrucksvoll macht. Nein, mit Ausschussware wird man nicht abgespeist. Vielmehr lässt Neil Diamond in reduzierter Form noch einmal sein ganzes songwritersches Können und sein Gespür für Hooklines aufblitzen. Wer sonst schreibt mal eben Songs, so eingängig wie "You can't have it all", "You're getting to me" oder "You never know"?

Und wäre "You never know" nicht auch ein passender Titel für dieses Album gewesen? Dass die Diamond-Rubin-Trilogie, die nun einen gelungenen Abschluss findet, ursprünglich als eine solche angelegt war, darf bezweifelt werden. Es ist aber auch herzlich egal. Dass sich beim Hören des finalen dritten Albums eine gewisse Wehmut einstellt, hat mit der Musik, nicht zuletzt aber auch mit den Umständen zu tun. Vor einigen Jahren wurde bei Neil Diamond, der im Januar seinen 85. Geburtstag feierte, Parkinson diagnostiziert. Seither hat er sich vom Konzertgeschäft zurückgezogen und tritt nur noch selten öffentlich auf. Die Zeichen stehen also auf Abschied. Dass nach dem unbekümmerten "You're my favorite song" mit "Forgotten" ein Song am Ende steht, der zwar schon auf "Home before dark" enthalten war, im spärlichen Akustikkleid aber noch einmal an Intensität gewinnt, darf als eindeutiger Wink verstanden werden: Vergesst mich nicht. Was bei einem monumentalen Werk wie dem von Neil Diamond aber zum Glück nahezu ausgeschlossen sein dürfte. "Wild at heart" fügt ihm eine vielleicht letzte, aber alles andere als unbedeutende Fußnote hinzu.

(Markus Huber)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • You can't have it all
  • You never know
  • Forgotten

Tracklist

  1. Wild at heart
  2. You can't have it all
  3. Talking it to death
  4. Shine on
  5. The secret you
  6. You never know
  7. You're getting to me
  8. You still look good to me
  9. You're my favorite song
  10. Forgotten
Gesamtspielzeit: 32:14 min

Im Forum kommentieren

MickHead

2026-05-13 10:47:19

Laut de 4/5

https://laut.de/Neil-Diamond/Alben/Wild-At-Heart-126931

Armin

2026-05-12 19:45:01- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?


MickHead

2026-05-08 10:02:16

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kSq9IA5H7spyXL3nC58wrCDyyJjB9u8hw&si=z1m-PsVRkeMraMob

MickHead

2026-03-21 10:25:30

Der legendäre amerikanische Singer-Songwriter und Pop/Rock Musiker "Neil Diamond" aus New York City, kündigt für den 08.05. das 33. Studioalbum "Wild At Heart" an. Es folgt auf "Melody Road" von 2014.

„Wild At Heart“ enthält zehn bisher unveröffentlichte Tracks aus Diamonds Sessions mit Rubin für das 2008 erschienene Projekt „Home Before Dark“. Dieses Album war Diamonds zweites mit dem gefeierten Produzenten, nach „12 Songs“ aus dem Jahr 2005. Nun erscheint die letzte Sammlung von Songs aus ihrer gemeinsamen Schaffensphase. „Die Arbeit mit Rick war für mich eine Herzensangelegenheit“, sagte Diamond in einem Statement, „und ich bin überglücklich, dass diese Songs nun endlich veröffentlicht werden und unsere Trilogie vollenden.“

Diamond arbeitete erstmals 2005 mit Rubin für das Album „12 Songs“ zusammen, das als „eines der unterhaltsamsten und gelungensten Alben, die Diamond je veröffentlicht hat“ gefeiert wurde. Die Zusammenarbeit verlief so erfolgreich, dass Diamond unbedingt wieder mit Rubin arbeiten wollte. „Home Before Dark“ aus dem Jahr 2008 war ein enormer Publikumserfolg (sein erstes Nummer-eins-Album in den Billboard-Charts) und erhielt breite Anerkennung von der Kritik. James Bassett von PopMatters schloss sich der Meinung vieler seiner Kollegen an und bezeichnete „Home Before Dark“ als „ein Album von seltener Schönheit, Anmut und Ausdruckskraft, das Diamond in all seiner unprätentiösen und warmherzigen Pracht zeigt. Es ist mit Abstand die persönlichste Veröffentlichung seiner beeindruckenden Karriere.“

Im übrigen habe ich den Troubadour 2 mal live gesehen. Einmal in den 70ern in der Dortmunder Westfalenhalle, und 2008 in der noch damaligen Kölnarena. 2 Freikarten bei WDR 2 gewonnen.
Damals schon 67 Jahre alt, aber mit einem Auftritt à la bonne heure. Unvergesslich!

Erster Song "Wild At Heart"

https://youtu.be/bJR23wTwz_s?si=_LdYglsaZK-waAt5

Tracklist:

01. Wild At Heart
02. You Can’t Have It All
03. Talking It To Death
04. Shine On
05. The Secret You
06. You Never Know
07. You’re Getting To Me
08. You Still Look Good To Me
09. You’re My Favorite Song
10. Forgotten

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