Kacey Musgraves - Middle of nowhere
Lost HighwayVÖ: 01.05.2026
Von hier an blind
Die meisten Menschen müssen zu irgendeinem Zeitpunkt lernen, mit sich allein sein zu können. Nach der Scheidung von ihrem langjährigen Partner und einer weiteren beendeten Beziehung danach, ist Country-Sängerin Kacey Musgraves laut eigener Aussage so lange Single wie noch nie zuvor. Und so entstand mit "Middle of nowhere" ein Album, das die verschiedenen Aspekte dieses Alleinseins verhandelt – die einsamen Seiten, genauso wie die Klarheit, die irgendwann einsetzt, aber auch die sexuelle Durststrecke, die immer mal wieder aus dem Unterbewusstsein grüßt und winkt.
Davon berichtet die Vorab-Single "Dry spell" genervt, die nicht nur in ihren Lyrics, sondern auch im begleitenden Video die humorvolle Seite von Musgraves zeigt, die ihre Musik seit Jahren auszeichnet und in denen sie verrät, dass sie so sexuell bedürftig sei, dass sie sich schon auf die schleudernde Waschmaschine setze. Wer jetzt schluckt und denkt, dass die Musikerin eher an die schwächeren, textlichen Momente ihrer Karriere anknüpft, sei beruhigt: Die mehrfache Grammy-Preisträgerin hat sich für ihr siebtes Studioalbum auf ihre früheren Kernkompetenzen rückbesonnen und auch ein Songwriting-Team um sich geschart, das bei den älteren Alben dabei war. Deshalb klingt "Middle of nowhere" deutlich mehr nach Country als die letzten Genre-Mixturen, die auf durchwachsenes Echo stießen.
Exemplarisch fündig wird man in "Abilene", das die Country-Gitarre traben lässt, während Musgraves von einer Frau singt, die ihre Heimat in der Peripherie hinter sich lässt und ihr Glück sucht. Oder in "Coyote", das in melancholischen Weiten unter sternenklarem Himmel ein Tier trifft, dessen ängstlicher Blick an eine alte Bekanntschaft erinnert. Der Bluegrass-Song profitiert vom Hintergrundgesang des südafrikanischen Singer-Songwriters Gregory Alan Isakov. Weitere Features kommen in der Barbühnen-Kooperation "Horses and divorces" mit Miranda Lambert vor, das ein hinter den Kulissen der Country-Szene vermutetes Kriegsbeil der beiden begräbt und sich auf Gemeinschaften besinnt. Besonders sympathisch mit einer Zeile über Willie Nelson: "We both love Willie, but I mean really / What asshole doesn't like Willie?" Und direkt im Anschluss darf dann Willie selbst ran und im etwas unspektakulären "Uncertain, TX" mitträllern. Es ist die bereits dritte Kollabo von ihm und Musgraves.
Und auch wenn auffällig oft die Steel Guitar hervorlugt, ist nicht alles Country, was einen Hut aufhat und Stiefel trägt. Trotzdem kommt der Pop-Rock von "I believe in ghosts" einem mit seinem 1-2-Rhythmus und populären Akkorden direkt vertraut vor. Zum Dank bekommt der Song ein Gitarrensolo spendiert. Und das verträumte "Rhinestoned" gönnt sich etwas Pop-Glitzer und Dancefloor, ohne zu vergessen, wo es herkommt. Musgraves owned auf "Middle of nowhere" die verschiedenen Stadien ihre neu entdeckten totalen Selbstständigkeit, wie sie auch in dem tragisch betitelten, aber eigentlich gar nicht so argen "Loneliest girl" konstatiert: "I'm getting better at being alone / I could go days without seeing someone." Es scheint offensichtlich, dass ihr neuestes Werk gar nicht der Versuch ist, ein Opus Magnum zu schreiben, sondern vielmehr die Funktion eines Orientierungsalbum erfüllt. Saiten stimmen und weiter geht's!
Highlights & Tracklist
Highlights
- I believe in ghosts
- Abilene
- Coyote (feat.Gregory Alan Isakov)
Tracklist
- Middle of nowhere
- Dry spell
- Back on the wagon
- I believe in ghosts
- Abilene
- Coyote (feat.Gregory Alan Isakov)
- Loneliest girl
- Everybody wants to be a cowboy (feat. Billy Strings)
- Horses and divorces (feat. Miranda Lambert)
- Uncertain, TX (feat. Willie Nelson)
- Rhinestoned
- Mexico honey
- Hell on me
Im Forum kommentieren
Arne L.
2026-05-13 11:57:54
@bender Danke dir! Ich find's auch super, ums Nebenbei laufen zu lassen, zum Beispiel bei der Arbeit. War für mich zu keinem Zeitpunkt beim Schreiben unter 7/10.
bender
2026-05-13 10:02:42
Danke für die Rezension. Es fühlt sich tatsächlich wie ein Zwischenalbum an, ein einfaches Wohlfühlalbum mit netten und teils echt schönen Country-Pop-Songs. Macht daher nichts falsch, aber ist auch nicht wirklich spannend.
Ich mochte den folkigen Vorgänger etwas mehr. Und Golden Hour bleibt natürlich unerreicht.
Ich mag das neue Album trotzdem.
Armin
2026-05-12 19:46:35- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
Arne L.
2026-05-05 15:31:42
@MickHead Ach interessant, danke!
MickHead
2026-05-05 15:27:28
@Arne L.
Anscheinend nicht, denn auf der Homepage wird es auch als 6. Studioalbum deklariert!
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