Weird Nightmare - Hoopla
Sub Pop / CargoVÖ: 01.05.2026
Liebliches Erwachen
Noch ein wirrer Albtraum? Für Fans von Metz könnte er wahr geworden sein, seit die kanadische Drei-Mann-Institution in Sachen rabiates Noise-Rock-Geschabe nach ihrem jüngsten und nicht unbedingt stärksten Album "Up on gravity hill" unerwartet ihre Auflösung bekanntgab. Oder sich vielmehr in einen "indefinite hiatus" verabschiedete. Nehmen wir's angesichts von Kreischsägen-Indie-Meisterwerken wie "Atlas vending" vorerst als willkommene Entlastung für die noch etwas mitgenommenen Gehörgänge – und als ungeahnten plötzlichen Freiraum für die sonstigen künstlerischen Ambitionen von Frontmann Alex Edkins. Der verdiente sich zuletzt für die kalifornischen Grunge-Punks Cosmic Kitten seine ersten Sporen als Produzent, betreibt mit dem früheren Lids-Kollegen Brian Borcherdt von Holy Fuck das kosmische Psych-Ding Noble Rot und pflanzte 2022 mit seinem Debüt als Weird Nightmare einen freundlichen Pflock lautstarken Surf-Lärm in die Landschaft. In gerade einmal 34 Minuten – das kann doch nicht alles gewesen sein?
Kann es in der Tat nicht, auch wenn "Hoopla" sogar noch etwas kürzer ausgefallen ist als der Vorgänger. Doch die relativ knappe Spielzeit reicht Edkins aus, um zusammen mit dem etwa bei Billy Talent, Wintersleep oder Big | Brave erprobten Schlagzeuger Loel Campbell und Bassist Roddy Kuester einen Sack seliger pop-punkiger Harmonien vollzumachen und bei den vermutlich an der musikalischen Sozialisation beteiligten Altvorderen anzudocken. Nur folgerichtig, dass "Hoopla" mitunter wie von der heiteren Melancholie einer Rückkehr an Schauplätze der eigenen Jugend beseelt wirkt, wenn "Might see you there" die Gitarren zwar vorwitzig kreischen und knarzen lässt, aber dabei samt vollmundigen Singalongs und diesiger Riffs durch eine Vergangenheit streift, in der sicher das eine oder andere Mal die frühen Weezer oder Green Day liefen. Der "Headful of rain" hat sich da längst verzogen: Sonniger als im gleichnamigen Opener oder beim johligen Wonneproppen "Forever elsewhere" war Edkins auch solo selten unterwegs.
Zu diesem Zeitpunkt hat sich "Hoopla" in seiner teils knirschigen, aber stets melodisch souveränen Bubblegum-Punk-Umgebung bestens eingegroovt und wagt hier und dort auch einen musikalischen Rückblick, der über Reminiszenzen an die rauen, aber herzlichen Neunziger hinausgeht. Das unsanft kickende "Pay no mind" braucht sich seiner mutmaßlichen Inspiration im knorrigen Wurzelwerk von The Whos "I can't explain" nicht zu schämen, und das sehnsüchtige Breitwand-Schmachten von "If you should turn away" kennt sowohl die alten Electric-Light-Orchestra-Scheiben als auch die schönsten Power-Pop-Jubelarien, die The New Pornographers je eingefallen sind. Da kommt es wie gerufen, dass "Little strange" keinerlei solche Erhabenheit berücksichtigt und als lärmiges Hook-Ungetüm die Ohrenschrauben kurz vor Schluss noch einmal anzieht, ehe die Gesangseinlage der Folk-Landsfrau Julianna Riolino in "Bright city lights" für ein liebliches Erwachen sorgt. Egal, wie viele Knallfrösche im Albtraum zuvor hochgegangen sind.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Might see you there
- Forever elsewhere
- Pay no mind
- Little strange
Tracklist
- Headful of rain
- Might see you there
- Baby don't
- Forever elsewhere
- Never in style
- Pay no mind
- If you should turn away
- Little strange
- Bright city lights
- Where I belong
Im Forum kommentieren
Enrico Palazzo
2026-05-09 17:10:32
Ein Sommeralbum!
fuzzmyass
2026-05-09 16:08:13
In der aktuellen Visions ist das Platte des Monats btw... muss es mir demnächst noch anhören, bin gespannt
Armin
2026-05-04 20:55:11- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
The Libertine
2026-05-04 15:49:57
Hoopla, geile Platte!
Als würde J Mascis eine Fusion mit The Sonics und den The Who eingehen - dazu dann noch diese schönen 60s Melodien. Einmal durch, für groß befunden!
MickHead
2026-05-04 10:26:39
The Fire Note 4/5
https://thefirenote.com/reviews/weird-nightmare-hoopla-album-review/
Visions: Platte des Monats
https://www.visions.de/review/weird-nightmare-hoopla/
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