Foo Fighters - Your favorite toy

Roswell / RCA / Sony
VÖ: 24.04.2026
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
9/10

Bis ans Ende ihrer Tage

Dave Grohl, everybody's liebste Grinsekatze des Arena-Rock, ist gleichzeitig millionenschwer und federleicht. Stets pendelnd zwischen Berufs- und Bauchmusiker, bringt der unbekümmerte Foo-Fighters-Anführer seine Band dazu, immer genau das zu machen, worauf er Lust hat. So haben der 57-Jährige und der nach Josh Freeses spektakulärem Rausschmiss neu zur Band gestoßene Drummer Ilan Rubin das Gerüst von "Your favorite toy" live und zu zweit eingespielt, der Rest seine Spuren dann im Nachhinein hinzugefügt. Auch "Caught in the echo" pendelt, nämlich zwischen Rawness und der altbekannten Hymnenhaftigkeit, die Grohl wohl selbst dann nicht abstellen könnte, wenn er wollte. "Some things you can't define", singt er selbst – denn anstatt Synergieeffekte freizusetzen, klingt der Opener schlicht nach einem Hybriden zwischen Rawness und Hymnenhaftigkeit, dessen einzelne Teile man von Foo Fighters jeweils schon besser gehört hat. "Asking for a friend" korrigiert dieses Nebeneinander jedoch eine gute halbe Stunde später mit mehr Melancholie und peitschenden Rock-Einschüben. Hier ist die Band klar in ihrem Metier. Aber auf welche Seite schlägt das zwölfte Album der US-Amerikaner schlussendlich aus?

Grohl und Co. steht der Sinn nach Krawall, was zu Lasten sowohl der Eleganz von "But here we are" als auch der Experimentierfreudigkeit eines "Medicine at midnight" geht. Innerhalb dieser bewussten Abgrenzung kommt es außerdem zu einer Art ironischen Brechung: War "But here we are" hauptsächlich durch die Lücke geprägt, die verstorbene Weggefährt*innen hinterlassen haben, zickt "Of all people" ausgewählte Überlebende an, die unverdienterweise noch immer nicht abgetreten sind. Ein interessanter Twist, vor allem, weil man Augenzwinkern oder echte Bewunderung maximal zwischen den Zeilen heraushört – und in Sachen Vibes erstaunlich nah am 1995er Debüt, wenn auch weniger durch sterbenden Grunge geprägt. Zeilen wie "You know you should be dead / You're still inside my head" singen das altbekannte Lied, musikalische Wiederholung soll für Grohl aber eigentlich keine Option sein. Im lässigen Rock'n'Roll des Titeltracks klingen seine Vocals zeitweise fast nach Iggy Pop oder Mudhoneys Mark Arm, zumindest mehr nach Garage denn nach Stadion. Und "Na na na"'s hat ihm auch niemand ausreden können.

Bloß: Auf dem fertigen Werk hätte mehr Getöse à la "White limo" den kratzigen Singles gutgetan. In "Window" beschließt das Sextett stattdessen, zwar hypnotischen, aber auch recht harmlosen Dad-Rock feilzubieten, und wird am Ende von "If you only knew" auch ein bisschen cheesy. "Same old story, don't you worry"? "Unconditional" lässt wuselige Gitarrenspuren einen anständigen Power-Popper dominieren, während das übersteuernde "Spit shine" noch mal ins Gedächtnis ruft, dass in Foo Fighters auch harte Rockmusiker stecken. Derartige Ausbrüche haben früher natürlicher gewirkt – obwohl man Grohl die Katharsis, die er durch seine Band zum Ausdruck bringen möchte, weiterhin abkauft. Grundsätzlich geht es hart und heavy zur Sache. Für erhabene Balladen oder die richtig leisen Momente ist auf "Your favorite toy" kein Platz.

Bevor "Asking for a friend", wie eingangs erwähnt, einen großen und gelungenen Abschluss bietet, sorgt "Child actor" für den spannendsten Moment: Der Song brilliert mit ausgefeilter Dramaturgie, Grohl nimmt die Perspektive eines angeknacksten Ex-Kinderstars an, fragt erst zaghaft "Was I ever good enough?" und wiederholt schließlich insgesamt 46 Mal "Turn the cameras off!" In seiner selbstreferenziellen Metaphorik und konsequenten Umsetzung zeigt sich die Emotionalität des Songwriters hier am deutlichsten – ausgerechnet durch Roleplay und Storytelling. Es ist der Beweis, dass Foo Fighters keine Gefahr laufen, in Behäbigkeit zu enden oder irgendwann nichts mehr zu sagen zu haben, sondern fortwährend interessante Ansätze finden können. Die Band verleiht jedem Output ihres Karriereherbsts ein eigenes Gesicht; eine lobenswerte Leistung. "Your favorite toy" reiht sich derweil anständig, wenn auch ein wenig unspektakulär im Mittelfeld einer bereits recht groß gewordenen Diskografie ein. "Save your promises until we meet again / You can save all your promises until the bitter end": Wenn sie nicht gestorben sind, dann rocken sie noch heute.

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Of all people
  • Child actor
  • Asking for a friend

Tracklist

  1. Caught in the echo
  2. Of all people
  3. Window
  4. Your favorite toy
  5. If you only knew
  6. Spit shine
  7. Unconditional
  8. Child actor
  9. Amen, caveman
  10. Asking for a friend
Gesamtspielzeit: 36:18 min

Im Forum kommentieren

fuzzmyass

2026-05-19 10:09:25

Huch... ist wohl irgendwie ein Zwischending aus "Bei... war ich ja auch" und "Auf dem ... Konzert war ich ja auch" geworden

Hier stand Ihre Werbung

2026-05-19 03:45:05

"Auf [...] Anna von Hausswolff war ich ja auch"
Ueberdenke doch bitte diese Formulierung :D

fuzzmyass

2026-05-19 01:38:12

"War so klar, dass du auch noch zu Grinsemann Onkel Dave hingehst.

Oasis
Black Keys
Foo Fighters
Liam und Squire"

:D

Auf u.a. Anna von Hausswolff war ich ja auch - und dort war der Altersschnitt sowie der männliche Anteil bzw der Altherren-Grad des Publikums deutlich höher als bei den von dir genannten... ausserdem warst du schon auf Guano Apes und ein paar ähnlichen Konsorten, da wär ich mal ganz leise ;)

NOK

2026-05-18 23:02:30

Ich finde es ehrlich gesagt eine Spur befremdlich, wenn mit erklärten Wanda-Anhängern der Snobismus durchgeht.

jo

2026-05-18 22:49:49

Alter, nörtz... Wie kann man nur so ein Miesepeter sein?

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