Jessie Ware - Superbloom
EMI / UniversalVÖ: 17.04.2026
That! Feels the same!
Prinzipiell bräuchten wir an dieser Stelle nicht mehrere Absätze auf Jessie Wares sechstes Album "Superbloom" verwenden. Nicht, weil es nicht gut wäre. Auch nicht, weil es prinzipiell nichts Interessantes dazu zu sagen gäbe. Nein, es fällt nur schwer, einen neuen Blickwinkel für diesen Sound zu finden, den Ware mit der formidablen Selbstneuerfindung "What's your pleasure?" nahezu perfektioniert hatte und auf dem kaum weniger grandiosen "That! Feels good!" nahtlos fortsetzte. Eine paradiesische Odyssee voller Soul, Funk und Disco. Opulent instrumentiert und mit Wares großartiger Stimme vergoldet. Songs, in denen Sex und Sinnlichkeit immer Hand in Hand gehen. Ob wir über die beiden Vorgänger oder eben über "Superbloom" reden, kommt weitestgehend aufs Gleiche raus. "I could get used to this", die erste Single und der erste volle Song auf der Platte, bräuchte gar keinen Konjunktiv im Titel. Ein Intro und ein Interlude machen noch keine echte Neuerung. Und wenn man böse wäre, könnte man was von dezenten "diminishing returns" faseln. Ist man aber ja nicht. Gibt auch wenig Gründe dazu.
Schon gar nicht, wenn die Platte so munter aus den Puschen kommt mit dem angesprochenen "I could get used to this", in dem Ware in ihren "secret garden" einlädt, wo die orchestralen Elemente wie Knospen aufspringen und Blüten treiben. Der anschließende Titeltrack lässt den zarten Bass das stilvolle Klavierspiel umschmiegen, die Vocals wechseln zwischen Tirilieren und anmutigem Flüstern. "I really like the way we move." Manchmal reichen ja einfache Formulierungen völlig aus. So wie auch in "Sauna", das von nichts anderem handelt als körperlichen Freuden im titelgebenden Schwitzkasten: "If you wanna last longer / I don't need faster, I need stronger / Take it to the sauna." Auch außerhalb davon bringt der hitzige Discotrack den Körper in Wallung. Überhaupt trifft "Superbloom" erneut die Mitte zwischen ungeheuer körperlich und äußerst erhaben. Einen Sound und Stil, den Ware sich mittlerweile völlig zu eigen gemacht hat.
In diesem Spektrum findet sich genauso Platz für das überraschend hibbelige "Mr Valentine" wie für die Bond-artige Spannung, die trotz des lustigen Tutens über "Don't you know who I am?" liegt. Mit "16 summers" gibt es sogar eine große Balladen-Shownummer, die sich aus altem Soulpop herausschält und immerhin eine kleine Neuerung darstellt. Und "No consequences" entwickelt sich mit seinem Drive in eine so ungeheuer mitreißende Klimax samt Chor-Breakdown hinein, dass es als Highlight des Albums kurz vor Schluss schon lächerlich offensichtlich ist. Das Push-and-Pull-Prinzip – im dynamisch-musikalischen Sinne, ihr Ferkel! – hat "Superbloom" in seiner Gänze drauf. Klar, die ganz großen Entwicklungen braucht man bei Jessie Ware nicht mehr suchen, aber wer auf so hohem Niveau und mit einem eigenen Stil abliefert, darf sich darauf gerne ausruhen. Schauspieler Colman Domingo darf das Spoken-Word-Intro zum funky "Automatic" abliefern und findet hier folgende Worte: "Do you know what you got? You got a perfect woman." Dem ist in Bezug auf Wares Können nichts hinzuzufügen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- I could get used to this
- Superbloom
- No consequences
Tracklist
- The garden prelude
- I could get used to this
- Superbloom
- Automatic
- Chariots of love interlude
- Sauna
- Mr Valentine
- Love you for
- Ride
- Don't you know who I am?
- 16 summers
- No consequences
- Mon amour
Im Forum kommentieren
Kojiro
2026-04-18 12:56:47
"Immer noch besser als so manches hochgejubelte Popsternchen"
Völlig sinnbefreite Äußerung, weil Fräulein Ware eine völlig andere Zielgruppe bedient.
Heute mal durchgehört. Produktion ist wieder ordentlich, aber es fehlt nach dem ersten Durchlauf an den wirklichen Krachern.
Zappyesque
2026-04-18 11:50:29
Damit sind sicherlich Konsorten wie Sabrina Carpenter, Harry Styles, Chappell Roan gemeint, nein?
Halte dieses Album jedenfalls nach dem ersten Hören für sehr gelungen, von dieser Dance-Trilogie seit what’s your pleasure vielleicht sogar das am besten produzierte, auch wenn ich hier nicht die Übersongs höre… macht Spaß!
rheiton
2026-04-18 09:35:11
Nenn mal Beispiele für hochgejubelte Popsternchen, deren Alben schlechter als Superbloom sein sollen.
BunteKuh
2026-04-18 09:16:34
OK
Es hat nicht die Tops aus dem Vorgänger.Aber es ist solide.
Immer noch besser als so manches hochgejubelte Popsternchen
Herr
2026-04-17 22:36:09
„Free yourself“ und „Begin again“ sind leider für alle Zeiten unschlagbar. Frau Ware kann jetzt Blumen züchten gehen, so wie Sade Adu.
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