The Melvins With Napalm Death - Savage imperial death march

Ipecac / Cargo
VÖ: 10.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Nicht böse sein

Manchmal sind die naheliegenden Ideen die besten. Wie wär's hiermit: Die Sludge-Miterfinder und Grunge-Verwilderer Melvins, heuer – sehr zum Unwillen der Richtlinien von Plattentests.de – mal wieder mit "The" geschrieben, machen gemeinsame Sache mit Napalm Death, den Grindcore-Veteranen, die sich Anfang der Neunziger zum politisch unbeugsamsten Death-Metal-Act Großbritanniens wandelten. Das gab es wenigstens im Studio bisher noch nicht – sehr wohl aber auf der Bühne, die sich beide 2016 und 2025 schon unter dem Tour-Rubrum "Savage imperial death march" teilten. Nicht verwunderlich also, dass das erste Kollaborations-Album ebenfalls diesen Titel trägt und in knapp 40 Minuten ein amtliches Schlachtfest veranstaltet. Fragen über Fragen: Wie sich Buzz Osbournes hochfrequenziges, knatschiges Krähen und Barney Greenways herzlich rabiates Growl-Organ wohl vertragen – oder auch nicht? Und wie hoch The Melvins und Napalm Death auf der Patton-Skala für angewandte Durchgeknalltheit wohl ausschlagen mögen?

Zumindest der Titel des Openers "Tossing coins into the fountain of fuck" lässt darauf schließen, dass alle Beteiligten ihren jeweiligen Sockenschuss während der Aufnahmen ziemlich genossen haben. Die Gitarren bekämpfen sich mittels engmaschiger Riffs und rotglühender Solo-Eskapaden bis aufs Blut, Greenway gibt dazu den tobenden Brüllwürfel – fertig ist das kompakteste Stück disziplinierter Lärm, das man sich wünschen kann. Denn natürlich haben nicht nur die zwei Vokalisten auf "Savage imperial death march" das Sagen: Melvins-Drummer Dale Crover grunzt mit seinem virtuos verbreakten Schlagwerk genauso ein gewichtiges Wörtchen mit wie Napalm Deaths Bassist Shane Embury, der grundsätzlich schon immer für alles von Crustcore bis Death Industrial zu haben war. Auch für so infektiös wompernde Groover wie "Some kind of antichrist" inklusive wild improvisiertem Outro, das über die Hälfte des Songs einnimmt. "Müssen wir noch mal machen", so der Mann mit der explosiven Naturkrause – und hat vollkommen Recht.

Denn ist es nicht herrlich, wie "Rip the god" erst einen spröden Blues aus den Gehirnwindungen eines auf alten Teebeuteln herumkauenden Studio-Muckers antäuscht und dann mit der Doom-Planierraupe anrückt? Als hätte das garstig fauchende Godflesh-Surrogat "Nine days of rain" zuvor noch nicht gereicht. Immerhin knacken gegen Ende noch einmal die Halswirbel, wenn der aus allem Zaumzeug platzende Punkrocker "Stealing horses" ohne Vorwarnung das Tempo anzieht und diesen Gewaltmarsch von einem Album endgültig vor die Wand zu fahren scheint – Osbourne und Greenway hängen die wunden Stimmbänder vermutlich ohnehin schon zum Hals raus. Dieser zutiefst räudige Hit war's wert. Doch Vorsicht: Der elektronische Erdwurm "Comparison is the thief of joy" leistet sich ähnliche rhythmische Kapriolen wie "Coils of Kaa" von The Body And Dis Fig, und das Finale "Death hour" zitiert allen Ernstes das Keyboard aus Van Halens "Jump". Doch The Melvins und Napalm Death dürfen das: Man kann ihnen einfach nicht böse sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Some kind of antichrist
  • Nine days of rain
  • Stealing horses

Tracklist

  1. Tossing coins into the fountain of fuck
  2. Some kind of antichrist
  3. Awful handwriting
  4. Nine days of rain
  5. Rip the god
  6. Stealing horses
  7. Comparison is the thief of joy
  8. Death hour
Gesamtspielzeit: 39:39 min

Im Forum kommentieren

Herr

2026-04-17 22:39:24

Wenn man hier die Ressourcen und den Raum für diesen musikalischen Beitrag einräumt ( die Rezi ist wirklich gut geschrieben und trifft den Kern ), dann muss man ebenso auch Cosmic Psychos berücksichtigen. Das ist wie beim Pärchen Unheilig / Amigos.

Sneedlewoods

2026-04-17 12:19:04

Versucht habe ich es. Obwohl ich ahnte/wusste, dass wird nichts. Weder die Melvins noch Napalm Death sind in meiner musikalischen Speisekarte als Hauptgerichte notiert. Was hätte man aus einem Titel knapp unter 10 Minuten machen können! Welche Verschwendung von Ressourcen. Hier musizieren Musiker aneinander vorbei, versuchen einen gemeinsamen kleinsten Nenner zu finden. Krachmusik? Noise Rock? Egal. Es gibt wichtigere Alben und Zusammenarbeiten unterschiedlicher Musiker mit mehr und Sinn ergebendem Ergebnissen.
0/10

Hierkannmanparken

2026-04-16 12:10:41

"Denn ist es nicht herrlich, wie "Rip the god" erst einen spröden Blues aus den Gehirnwindungen eines auf alten Teebeuteln herumkauenden Studio-Muckers antäuscht und dann mit der Doom-Planierraupe anrückt?"

Es ist in der Tat ganz wundervoll. Auch das exaltiert tenörige "KiCkEd In ThE Ba-AlLs" gefolgt vom knurrigen "KRKD RNDR BRRRRLS" in Some Kind of Antichrist.

Armin

2026-04-15 20:08:53- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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