Lølø - God forbid a girl spits out her feelings

Fearless
VÖ: 17.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

An ex marks the spot

Auch ohne sich die Mühe einer groß angelegten Feldstudie zu machen, ist es naheliegend einfach zu behaupten, dass es deutlich mehr Songs über beginnende Liebe als über ihr jeweiliges Ende gibt. Und das ist ein Missverhältnis, dem Abhilfe geschaffen werden muss, da die gebrochenen Herzen schließlich deutlich mehr Zuwendung benötigen als die frisch Verkuppelten, denen ohnehin alles andere scheißegal ist. Lauren Mandel, kurz Lølø, stellt sich für dieses Unterfangen bereitwillig in den Dienst und veröffentlicht mit "God forbid a girl spits out her feelings" nun schon ihr zweites Album unter dem Motto "Feelgood-Musik mit Feelbad-Lyrics". Das Debüt "Falling for robots & wishing I was one" fokussierte noch das eigene Selbstmitleid und erklärte Verlieben zum Problem. Auf dem neuen Album verlagert Lølø die Schuld entspannt auf ihre Ex-Partner und wirkt dabei, wie im titelgebenden Auftakt, mittlerweile emotional deutlich abgeklärter: "Not taking your shit to my grave / Pour the grudge onto the page / Another muse, another day." Ein wesentlicher Bestandteil dieser gewonnenen Reife ist die Aufarbeitung der Fehler der Vergangenheit, beispielsweise im mit gewohnter Pop-Punk-Attitüde verpackten und auch sonst wenig subtilen "The dumbest girl in the world". Anstatt sich selbst über ihre eigene Naivität zu ärgern, ist es für das eigene Befinden wesentlich beruhigender zu wissen, dass es eben auch diese Menschen gibt, die anstelle einer zweiten Chance tatsächlich nur einen zweiten Mittelfinger verdienen.

Der Titel, bei dem man sich im Verlauf des Albums aber endgültig auf Løløs Seite schlägt, ist "Delusional darling". Darin beschreibt sie die fortlaufende Vernachlässigung durch ihren Partner und trifft damit, abseits der ganz großen Dramen innerhalb einer Beziehung, den alltäglichen und damit wohl auch recht weit verbreiteten Horror, den man sich nur allzu gerne nicht eingesteht. "Everything's fine / I'll be your delusional darling / 'Cause honestly, I'm scared of being on my own / If I can make a bad boy charming / You can make a sad bitch less alone" ist sogar für die Verhältnisse von Lølø-Songs derart düster, dass der Chorus nicht dem üblichen Upbeat-Muster folgt, sondern Strophe für Strophe weiter hinter der Bassline verschwindet und damit das Versinken im Sumpf metaphorisch schön einfängt. Wenn dieses andauernde Elend aber nun nicht an einem selbst liegt und man demnach immer weiter auf der Suche nach seinem Mister Right bleibt, sind die geschilderten Begegnungen auf diesem Weg derart ernüchternd, dass man beizeiten fast gar nicht anders kann, als sich den unkomplizierten Situationships wie in "The devil wears Converse" hinzugeben: "My angel's on break from my shoulder tonight where his left hand is / He's laughing at me like he already won and maybe he did..."

Die Vergleiche zwischen Lølø und Avril Lavigne sind vordergründig leicht nachzuvollziehen: Beide sind in Ontario geboren, singen mit einer recht hellen Stimmfarbe und haben etwaige Skatepunk-Motive in ihrem musikalischen Fundus. Und während es nun entsprechend naiv wäre, hier nicht von einer großen Inspiration auszugehen, so präsentiert sich Løløs Songwriting schon seit dem Vorgängeralbum direkt um einige Stufen reifer, ausgefeilter und lebensnäher als beim einstigen Teenieschwarm. Die Gefahr, dass bei ihr in ein paar Jahren mit Mitte 30 ebenfalls die große Hello-Kittysierung wie bei Lavignes "The best damn thing" beginnt, ist also nahezu ausgeschlossen. Wohl auch deswegen, weil bei all dieser schon klar erkennbaren künstlerischen Handschrift dieser eine überragende Hit einfach nicht dabei ist und man dadurch auch nicht unter die Räder des eigenen Erfolgs gerät. "God forbid a girl spits out her feelings" versucht sich somit auch nicht größer zu machen als das, was es ist: ein von A bis Z spaßiges Frühlings-Album, besonders für diejenigen, die gerade mal wieder mit dem Gedanken spielen, doch nochmal Tinder herunterzuladen und es eigentlich besser wissen müssten

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The dumbest girl in the world
  • Delusional darling
  • The devil wears Converse
  • Lobotomy & u

Tracklist

  1. God forbid a girl spits out her feelings
  2. Me with no shirt on
  3. The dumbest girl in the world
  4. Hung up on u
  5. Delusional darling
  6. The punisher
  7. 007
  8. The devil wears Converse
  9. Stuff like that
  10. Whiskey coke
  11. American zombie
  12. Boy who doesn't want to
  13. Lobotomy & u
Gesamtspielzeit: 37:01 min

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Armin

2026-04-15 20:08:07- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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