Poison Ruïn - Hymns from the hills
Relapse / SPVVÖ: 03.04.2026
Jetzt ist aber Sense
Süßer die Maiglöckchen nie klingen? Nicht gerade die naheliegendste Beschreibungsebene für die Musik von Poison Ruïn, auch wenn am Anfang dieses Albums das trügerisch lieblich benannte "Lily of the valley" steht. Auch auf seinem zweiten Longplayer führt das Quartett aus Philadelphia nämlich ähnlich Finsteres im Schilde wie die Gestalt auf dem Cover, die offenbar im Begriff ist, einer weiß gewandeten Unschuld zu Pferde den Garaus zu machen. Der Quasi-Opener über die giftige Pflanze präsentiert sich dazu passend als dröhnender, punkiger Gothic-Rock mit kehligen Johl-Qualitäten – was jedoch nur die halbe Wahrheit ist, denn der Vierer trägt vor allem die Insignien von Heavy und Black Metal mit sich herum: Sensenmann-Optik und Andeutungen mittelalterlichen Folk-Horrors im Artwork, eigenartiger Ümläut, pardon Umlaut im Bandnamen sowie ein ungut schwelendes Dungeon-Synth-Intro. "Hymns from the hills" verdichtet den Sound des 2023er-Debüts "Härvest" weiter – unter anscheinend optimierten Grundvoraussetzungen.
Poison Ruïn haben nämlich den Pappkarton, in dem der vielversprechende, aber auch absichtlich schauderhaft lo-fi produzierte Erstling entstand, gegen weniger vorsintflutliche Bedingungen inklusive Mixing-Engineers eingetauscht – und schwingen ihre Gitarren mindestens genauso effektiv wie ihr Maskottchen mit Ritterhaube das todbringende Erntegerät. Etwa bei den explosiven Riffs des Titelstücks oder im überfallartigen "Eidolon", wo Frontmann Mac Kennedy brüllsäuselnd einer geisterhaften Erscheinung hinterherhetzt und seine Band ihm im Wildsau-Galopp Geleitschutz gibt – mit einem rabiaten Kracher, der schließlich so lautstark gegen die Wand prallt, wie es sich für ein Highlight dieser sardonisch grinsenden Dreiviertelstunde gehört. Mal schlängeln sich spukige Elektro-Maden durch den straighten Rocker "Pilgrimage", im triumphalen "Guts (Lay your self aside)" kommt der knackigste Break direkt zu Beginn, und das rabiate "Turn to dust" benötigt nicht einmal zwei Minuten, um alles in Schutt und Asche zu legen.
Bis die knirschende Fahrt durch angeschwärzten Brotmaschinen-Metal und grobe Noise-Eruptionen im gefährlich unrunden, aber konsequent malmenden "Puzzle box" plötzlich rückwärts geht – ein herrlich schlammiger Ritt durchs spukige Hinterland von Pennsylvania, an dessen Ende dreckverkrustete Rüstungen und geschundene Saiten stehen. Und Poison Ruïn sitzen fest im Sattel. Zeit zum Durchatmen bleibt da nur selten – zum Beispiel, wenn die "Howls from the citadel" zu ätherischem Akustik-Geklampfe herüberwehen, ehe Kennedys körperloses Barmen in wölfisches Knurren umschlägt. Oder sich der "Sleeping giant" vor dem donnernden Punkrock-Finale mit "Crescent sun" und "The standoff" als wälzendes instrumentales Doom-Urviech geriert. Blitzsauberer Sound? Bleibt zweitrangig, solange die schmirgelnde Stormgitarren-Wucht stimmt und diese abgesägten Songs so viel Power entfachen, dass selbst der Schnitter die knochige Hand zum Gruße hebt: Hier führt jemand eine scharfe Klinge, die seiner in nichts nachsteht.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Lily of the valley
- Eidolon
- Guts (Lay your self aside)
- Puzzle box
Tracklist
- Intro
- Lily of the valley
- Hymn from the hills
- Eidolon
- Howls from the citadel
- Pilgrimage
- Guts (Lay your self aside)
- Turn to dust
- Puzzle box
- Serpent's curse
- Sleeping giant
- Crescent sun
- The standoff
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Armin
2026-04-08 21:11:02- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Poison Ruïn - Hymns from the hills (1 Beiträge / Letzter am 08.04.2026 - 21:11 Uhr)
