Green Carnation - A dark poem, part II: Sanguis

Season Of Mist / SPV
VÖ: 03.04.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

In der Mitte

Bevor man sich mit dem neuesten Album von Green Carnation befasst, muss zwingend ein Jahr zurückgespult werden. Da erschien "A dark poem, part I: The shores of melancholia", ein vortreffliches und in sich stimmiges Bündel aus sechs durchweg starken Songs jenseits der Fünf-Minuten-Grenze. Melodischer, kraftvoller Metal voller feiner Strukturen und Ideen wurde dort vorgetragen, und wie es der Titel des Ganzen schon andeutete, konnte das alles natürlich nur ein Anfang sein. Ein Jahr später liegt nun tatsächlich die Fortsetzung vor: "A dark poem, part II: Sanguis" knüpft wenig überraschend musikalisch und inhaltlich an den Vorgänger an. Wieder gibt es sechs Stücke, wieder mischen sich vornehmlich Power- und Progressive-Metal zu einer zünftigen Angelegenheit. Und eines ist auch klar: Es wird einen dritten Teil geben.

Das aber ist natürlich Zukunftsmusik, und so gilt der Fokus endgültig der Gegenwart. Die Norweger verstehen ihr Handwerk, sprich: ihre instrumentalen Fähigkeiten. Davon zeugt unmittelbar der Opener, das Titelstück "Sanguis". Denn Green Carnation machen vieles richtig: Sie bedienen die progressive Meute, ohne in selbstgefälliges Gefrickel abzugleiten. Sie geben sich durchaus ausschweifenden Momenten hin, ohne in grenzwertige Theatralik abzudriften. Und sie kitzeln zumeist genau das aus Frontmann Kjetil Nordhus heraus, was der stimmlich zu leisten imstande ist. Zugegeben: Ganz gelegentlich kratzt er an den Grenzen seiner Bandbreite, was aber angesichts des sehr guten Gesamteindrucks generös durchgewinkt werden darf. Schon an zweiter Stelle des Albums bremst sich die Band explizit aus, wenn "Loneliness untold, loneliness unfold" geradezu balladesk durch den Gehörgang gleitet. Und auch hier gilt: Mut zu ruhigen Passagen, ohne in etwaige Überzuckerung auszuarten.

In der Folge gibt es wieder vermehrt wohldosierte Härte, die in Stücken wie "Sweet to the point of bitter" oder "Fire in ice" ihre Höhepunkte erreicht. Beschlossen wird das Album dann von einem weiteren Ruhepol, "Lunar tale" führt uns souverän in die Wartezone zum dritten Teil. Apropos souverän: Neulinge sind die Skandinavier beileibe nicht. 1990 gründete sich die Formation, allerdings ging es in der Anfangsphase ein wenig drunter und drüber. Gitarrist Tchort bediente lieber den Bass bei Emperor, die Verbliebenen hievten In The Woods… aus der Taufe. Irgendwann aber wurde Green Carnation neues Leben eingehaucht, später folgte eine weitere längere Unterbrechung im Schaffen. Die aktuelle Phase wiederum scheint den Musikern überaus gutzutun. Falls Green Carnation den noch ausstehenden Schlussakt nicht in den Sand setzen, dürften wir es am Ende mit einer weit überdurchschnittlichen Trilogie aus der Welt des melodischen und progressiven Metals zu tun haben. Die Vorfreude auf den finalen Teil ist nach diesem zweiten Streich auf jeden Fall enorm.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Sanguis
  • Sweet to the point of bitter
  • Fire in ice

Tracklist

  1. Sanguis
  2. Loneliness untold, loneliness unfold
  3. Sweet to the point of bitter
  4. I am time
  5. Fire in ice
  6. Lunar tale
Gesamtspielzeit: 37:16 min

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Armin

2026-04-08 21:08:53- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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