The Dandy Warhols - Pin ups
Beat The WorldVÖ: 20.03.2026
Spiel's noch einmal, Sam
The Dandy Warhols sind in den letzten Jahren nicht dafür bekannt, in einer kreativen Hochphase zu stecken. Zwar war das jüngste Album "Rockmaker" durchaus ein Lichtblick im Vergleich, aber an die gloriosen Zeiten rund um die Jahrtausendwende konnte es trotz illustrer Gäste weder künstlerisch noch kommerziell anknüpfen. Da es sowieso anstrengend ist, teure Studiofreunde einzukaufen, entschied die Band sich nun für den einfacheren und günstigeren Weg, viele große Namen im Promotext unterzubringen: das Coveralbum. Schon auf der B-Seiten-Compilation "Come on feel The Dandy Warhols" aus 2004 waren ein paar Fremdinterpretationen vorhanden, allen voran das wundervolle AC/DC-Cover "Hells bells", das den überdrehten Hardrock des Originals in eisigen Psychedelic Rock überführte und damit einem eigentlich totgespielten Klassiker einen neuen, ganz eigenen Stempel aufdrückte. Auf "Pin ups" sind leider die meisten Coverversionen so abgeschmackt wie der Klau des Bowie-Albumtitels oder die Überschrift dieser Rezension.
Einige Stücke sind gar nicht neu: Manche hat die Band bereits 2009 sowie 2012 als Bonustracks zu "Earth to The Dandy Warhols" und "This machine" verbraten, andere kamen als Standalone-Singles raus. Genau an diesen Tracks spiegelt sich das erste Problem wider. "Kiss off", ursprünglich von Violent Femmes, nahm die Band für "Pin ups" komplett neu auf – leider klang das damals jedoch viel schmissiger und lebhafter. Andere Songs, etwa der Opener "Cherry bomb" (The Runaways), wurden nur anders abgemischt, und auch in diesen Fällen schallt es nun schlichtweg dumpfer und dröger aus den Boxen, auch wenn das Stück sonst wirklich Laune macht. Neben Gang Of Fours "What we all want", dessen unspannende Nachempfindung sowieso erst 2021 herauskam, ist nur "Blackbird" noch in der ursprünglichen Fassung enthalten – zum Glück. Eigentlich war das Cover quasi ein Gag – "When Michael Jackson dies / We're covering 'Blackbird'", sang Frontmann Courtney Taylor-Taylor einst auf "Welcome to the monkey house". Nun, der mehr oder weniger Gute segnete 2009 das Zeitliche und The Dandy Warhols hielten ihr Wort. Der Beatles-Klassiker erschien kurz darauf als verträumte, leise Ballade voller Reverb, mit Keyboarderin Zia McCabe an den Vocals. Wirklich schön.
Von den stolzen 17 Coverversionen sind immerhin zehn aber bisher in jeglicher Form unveröffentlicht gewesen. Der Eindruck fällt hier meist nicht anders aus: Wer nicht viel macht, kann auch nicht viel kaputt machen. "Goo goo muck" von The Cramps, "Ripple" von Greatful Dead, "Inside the outside" von Love And Rockets – sie alle hören sich gut weg, aber fügen den Originalen herzlich wenig hinzu. Von The Cult gibt es mit "Rain" und "She sells sanctuary" gleich doppelte Auswahl, die beiden Songs stammen sogar vom selben Album. Kein Wunder, denn der Sound passt gut zu Taylor-Taylors flüsternder Intonation, die er seit ein paar Jahren bevorzugt pflegt. Bei The Clashs "Straight to hell" schafft die Band damit immerhin eine hübsch entrückte Atmosphäre und dehnt den Song noch weiter aus als im Original schon. Bei Bob Dylans "Lay lady lay", das es von der Band schon als bessere Version mit verdrogtem Hall-Beat gibt, und dem ähnlich countryfizierten "You ain't going nowhere" von The Byrds verfallen die Füße eher in Dauerschlaf. Mittlerweile holt man für solch einen Sound lieber was von Geese ins Haus.
"Pin ups" greift in die Trickkiste und lässt die meisten Songs ineinander übergehen, damit man auch nicht merkt, dass hier Stücke aus verschiedenen Jahren zusammengeflickt wurden. Der einzige Song, der weder Verbindung zum Vorgänger noch zum Nachfolger hat, heißt "The beautiful people", und vielleicht ist das bezeichnend. Man kann sich drüber wundern, wie toll Cancel Culture wieder funktioniert hat, aber das Schlimmste ist tatsächlich die eigentliche Darbietung des Marilyn-Manson-Songs. Stümperhaftes Rumgeklampfe, blecherne Percussion und ein ungekonntes Falsett, das sehr, sehr schnell auf den Wecker geht. Womöglich kann man aus mindestens einem der genannten Gründe das Ding zukünftig einfach aus der Tracklist streichen, wie es im Streaming-Zeitalter so üblich ist, und "Pin ups" würde gut daran tun, denn bei diesem Totalausfall sieht sich der Rezensent während jedes Durchgangs fast geneigt, das ganze Album zwei Punkte abzuwerten. Ohnehin kann "Pin ups" die Stunde Laufzeit nicht ganz rechtfertigen und wird zur Grabbelkiste mit ein paar gelungenen Versionen, die man erst aus der Masse herausfischen muss. Da The Dandy Warhols sich bei ihren Eigenkompositionen jüngst deutlich inspirierter gezeigt hatten, sollten sie doch besser dort weitermachen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Straight to hell
- Blackbird
- She sells sanctuary
Tracklist
- Cherry bomb
- What we all want
- Primary
- Kiss off
- Goo goo muck
- Rain
- Straight to hell
- Sister Golden Hair
- Lay lady lay
- Ripple
- You ain't going nowhere
- Blackbird
- The beautiful people
- Love song
- Jetboy
- She sells sanctuary
- Inside the outside
Im Forum kommentieren
oldschool
2026-04-09 07:11:38
Bin da weitgehend bei Felix. Ne gute 5 oder ne Symphatie 6. Whatever.
Ich mag die Songauswahl, auch die Herangehensweise der Band an die Orginale. Dennoch nach der ersten woche schon aus dem Blickfeld verschwunden.....
Armin
2026-04-08 21:06:40- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
Felix H
2026-03-23 07:34:44
Ich denke, sie haben alles, was bereits auf "Come On Feel the Dandy Warhols" war, bewusst weggelassen. Da gab es ja noch weitere.
oldschool
2026-03-22 23:39:16
Es ist nicht alles neu, ich kannte auch einiges. Eine Zusammenstellung der bisherigen Coverversions ist es aber auch nicht, sonst wäre das famose "Hells Bells"-Cover ja auch drauf.
Ich habe das Album erst zweimal gehört, zu früh um schon ein Urteil abzugeben. Man weiß ja, wie das bei der Band ist. "Beautiful people" von Manson finde ich zum Beispiel recht langweilig interpretiert.
Felix H
2026-03-22 23:19:30
Muss noch reinhören, aber seltsam, dass der Bandcamp-Text behauptet, "Kiss Off" wäre neu, das gab es als Bonustrack von "This Machine" eigentlich schon. Ein paar andere sind auch bereits veröffentlicht.
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