Flea - Honora

Nonesuch / Warner
VÖ: 27.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Bass erstaunt

Es ist ein Wunder, dass "Honora" tatsächlich das erste vollwertige Soloalbum von Flea ist. Neben seiner Haupttätigkeit als Bass-Slapper der Red Hot Chili Peppers hat Mr. Michael Balzary mit unfassbar vielen Musizierenden zusammengearbeitet – meist in deutlich abseitigeren Gewässern als dem Funk-Rock von Anthony Kiedis und Konsorten. Auf Albumlänge mit Thom Yorke und Damon Albarn, darüber hinaus mit The Mars Volta samt Nebenprojekten, Jane's Addiction, Tom Waits, Johnny Cash oder Patti Smith. Aber bis auf die 2012 erschienene EP "Helen Burns" prangte noch nie der Künstlername des mittlerweile 63-Jährigen auf einer Veröffentlichung. Wer seine Karriere aufmerksam verfolgt, weiß jedoch, dass neben dem Bass noch ein zweites Instrument durchaus häufig in seinen Händen liegt: die Trompete. Sie kommt auf "Honora" zu vollwertigen Ehren und ist – natürlich neben den Low-End-Frequenzen – die Hauptakteurin dieser im Jazz beheimateten Kompositionen. Die teils von anderen Interpret*innen stammen, aber zumeist von Flea selbst geschrieben sind.

Darunter ist die Vorabsingle "A plea", ein getriebenes, mitreißendes Stück, in welchem Flea selbst ans Mikro tritt und den Weltfrieden verlangt. No, really: "Make something beautiful / I don't care if it's a little scrap of squiggly crayon on a paper / Make something beautiful and see somebody / Give it to somebody / I'm not being corny, this shit is real / Live for peace! / Live for love!" Das ist natürlich naiv, aber steht in der Tradition der direkten und unverfälschten Protestmusik, welche er auch mit dem Funkadelic-Cover "Maggot brain" heraufbeschwört. Den Eröffnungsmonolog, im Original von George Clinton, spricht er selbst ein: "Mother Earth is pregnant for the third time / For y'all have knocked her up / I have tasted the maggots in the mind of the universe / I was not offended / For I knew I had to rise above it all / Or drown in my own shit." Die Traurigkeit des anschließenden, eigentlichen Stücks bleibt komplett erhalten, auch wenn die Gitarre nun durch Fleas Trompetenspiel ersetzt wird – und er die stolze ursprüngliche Laufzeit dezent zusammenkürzt.

"Honora" lässt sich auch nicht durch zwei große Gaststars aus dem Konzept bringen. Vor allem Thom Yorke ist auf "Traffic lights" tatsächlich nur eine Randerscheinung, fragt sich "How will we live past the traffic lights in the upside down?" und lässt sich vom lockeren Beat umwickeln. Ungleich präsenter ist Ex-Chili-Peppers-Kritiker Nick Cave im Cover von Glen Campbells "Wichita lineman", bringt seine Gravitas dem Song entgegen, der als klarer Ruhepol der Platte fungiert – mitsamt der folgenden Version von "Thinkin bout you", die beweist, dass das Stück auch ohne Frank Oceans Vocals und mit einer Trompete als Ersatz eine ganz große Nummer bleibt. Kurioserweise platziert "Honora" im Anschluss sogleich das vierte Cover in Folge, das mit brummigen Synths ausgestattete "Willow weep for me", ursprünglich 1959 durch Ella Fitzgerald bekannt geworden.

Die eigenen Tracks von Flea stehen möglicherweise leicht im Schatten der Klassiker, können sich aber dennoch mit ausgetüftelten Klangwelten wie im auf beinahe elf Minuten gestreckten "Frailed" behaupten, sodass "Honora" eine sehr runde Sache ist. "Free as I want to be" skandiert nicht ohne Grund seinen Titel durch den lauten, lebendigen Song. Mit diesem Werk verbindet Flea seine Liebe für Jazz mit Anleihen der Popmusik und schafft etwas Eigenwilliges, Freies und dennoch Einladendes. Nicht nur das geschmackvolle Cover, das ein Bild seiner Schwiegermutter Shanin Badiyan ziert, weist darauf hin, dass es ein Herzensprojekt ist. Es tropft außerdem aus jedem Ton, der gespielt wird.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • A plea
  • Maggot brain
  • Thinkin bout you

Tracklist

  1. Golden wingship
  2. A plea
  3. Traffic lights (feat. Thom Yorke)
  4. Frailed
  5. Morning cry
  6. Maggot brain
  7. Wichita lineman (feat. Nick Cave)
  8. Thinkin bout you
  9. Willow weep for me
  10. Free as I want to be
Gesamtspielzeit: 51:12 min

Im Forum kommentieren

fuzzmyass

2026-05-22 11:10:18

Da wäre ich zu gerne dabei gewesen... das Album ist grandios, sollte eigentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen... für mich klares Jahreshighlight bisher

embele09

2026-05-22 10:04:32

Gestern Abend in Berlin beim Konzert gewesen. Grandios. Der Spund war super, die Musiker relaxt und alle gut drauf. Flummi- Flea war sichtlich nervös, aber souverän, was seine Darbietung anging.
Konzert dauerte knapp zwei Stunden ( incl. Zugabe.)
Eine sehr tolle Location im Heimathafen Neukölln rundete die ganze Sache ab. Der Laden war restlos ausverkauft und die Stimmung war überragend.
Richtig tolles Event !

fuzzmyass

2026-04-20 14:37:59

Super geiles Album! Zu wenig Aufmerksamkeit hier IMO... nächstes mal hätte ich gerne höchstens 1-2 Cover und dafür mehr Eigenkompositionen - letztere sind ein besonderes Highlight

embele09

2026-03-27 21:52:24

Geliefert am VÖ...freu.
Großartige Scheibe. Trebend, sphärisch, verträumt, hektisch...kurzum: es fesselt direkt von Beginn an.
Eine schöne Überraschung, die man so nicht auf dem Zettel hatte. Chapeau, Mr. Balzary

MickHead

2026-03-27 11:09:56

Jetzt komplett bei Bandcamp:

https://officialflea.bandcamp.com/album/honora

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/flea-honora/

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