Voodoo Jürgens - Gschnas

Lotterlabel / Sony
VÖ: 20.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Küstennebel im Fiaker

Helau, ahoi, alaaf. Kaum ist die fünfte Jahreszeit vorbei, lädt Voodoo Jürgens zum Maskenball. Oder eben zum "Gschnas", wie das fröhliche Kostümfest in Österreich und auch das vierte Studioalbum des Wahl-Wieners heißt. Dass sich hinter dem spaßigen Künstlernamen ein genauer Beobachter der alltäglichen Maskerade verbirgt, beweist er seit mittlerweile zehn Jahren. Auch "Gschnas" lebt von ironisch-klugen Kommentaren und dem breiten Grinsen, das dem Liedermacher jederzeit anzuhören ist. Und doch sind die Texte des 42-Jährigen auch persönlich und reflektiert. Der einst komischste Kauz der Austropop-Szene ist in den knapp drei Jahren seit "Wie die Nocht noch jung wor" anscheinend erwachsen geworden.

Beim Opener "Langsam wirst ma fremd" beschreibt der als David Öllerer in Tulln an der Donau geborene Sänger, wie ihm alte Bekannte auf der Straße aus dem Weg gehen. Er hadert mit der Vergänglichkeit, hinter all der Süffisanz schwingen Bedauern und Traurigkeit mit. Beim Titeltrack erträumt er sich eine Welt, in der es für alle Faschingskrapfen regnet und man sich weinselig in den Armen liegt. Nur um am Ende festzustellen, dass er dem Tod sowieso nicht entkommen kann. Fast schon ein Klischee, wie sich die inhaltliche Reife auch optisch niederschlägt. Den schrulligen Vokuhila hat Voodoo Jürgens abgelegt, er will nicht mehr wie "eine Comicfigur seiner selbst daherkommen", wie er im Ö3-Podcast zu Protokoll gab. Für die Aufnahmen ist er mit seiner Band Die Ansa Panier und Haus-und-Hof-Produzent Wolfgang Lehmann in das legendäre Studio Nord Bremen gereist. Der Truppe hat die Klassenfahrt in den Norden Deutschlands hörbar gut getan, und so sind Songs wie die lässige Single "Vaschwindn" und "Langsam wirst ma fremd" näher an der Hamburger Schule als am schunkeligen Wiener Beisl. Bei "Somnabulen" improvisiert sich die Band durch ein Free-Jazz-Stück, "Kassiber" klingt nach elegant komponierter Filmmusik. Passenderweise hat sich Voodoo Jürgens zuletzt auch als Schauspieler versucht und die Hauptfigur im schwarzhumorigen "Rickerl" gespielt. Seitdem steht bei ihm ein österreichischer Filmpreis in der Vitrine.

Vielleicht hat er das Drehbuch für den nächsten Film schon im Kopf, wenn er zu einer windschiefen Melodie den "Taxitänzer" Harry vorstellt, der sich als professioneller Tanzpartner für einsame Damen verdingt. Oder wenn er den verschrobenen Gastgeber ersinnt, in dessen "Guade Stuben" man sich mit lauwarmem Bier und Kräuterschnaps in das abgewetzte Sofa sinken und von der blechernen Trompete und dem klimpernden Klavier einlullen lässt. Es gibt sie noch, diese Geschichten über die besonderen Wiener Typen, die Voodoo Jürgens das Etikett des Milieudichters eingebracht haben. Zum Ende seines Maskenballs schickt er uns mit dem melancholischen "Ka Ruah" in die kalte Nacht. Und vom Himmel fällt ein letzter Faschingskrapfen.

(Andreas Rodach)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Kassiber
  • Vaschwindn
  • De An und de Aundan

Tracklist

  1. Langsam wirst ma fremd
  2. Kassiber
  3. Vaschwindn
  4. De An und de Aundan
  5. Taxitänzer
  6. Da Dings
  7. Guade Stubn
  8. Gschnas
  9. Da Zweifl
  10. Somnambulen
  11. Ka Ruah
Gesamtspielzeit: 39:29 min

Im Forum kommentieren

Deaf

2026-03-20 14:08:02

Es ist immer noch unverkennbar Voodoo Jürgens, das ist das Wichtigste nach dem ersten Hören. Weniger Geschichten, ja, aber ansonsten hält sich die Weiterentwicklung zum Glück in Grenzen.

musie

2026-03-20 14:02:18

ob es Langsam wirst ma fremd ohne Langsam wochs ma zamm je gegeben hätte…

Enrico Palazzo

2026-03-20 13:04:03

Ein sehr schönes Album :) Ich gebe mal 8/10, auch wenn es gerne ne Spur knarziger sein dürfte.

MickHead

2026-03-20 10:17:07

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_laP66fPKKm5mm2hDjlykfcG2ckAryPPII&si=RVjp11eIDVs1wqrL

Musikexpress 5/6

https://www.musikexpress.de/reviews/voodoo-juergens-gschnas/

Rolling Stone 4/5

https://www.rollingstone.de/reviews/voodoo-juergens-gschnas/

Francois

2026-03-20 07:17:49

Der erste Song gefällt mir schon mal sehr gut. Ich mag „diesen“ Voodoo weit mehr, als den „poppigeren“. Herrlicher Flow von der Band und sein Gesang fügt sich hervorragend.

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