Ulrika Spacek - Expo
Full Time Hobby / Rough TradeVÖ: 06.02.2026
Kein Innen mehr
"Hach, dieser Stillstand des Flüchtigen gepaart mit der Infragestellung des Eigentlichen." Manchmal ist es ein Segen, wenn man bei Ausstellungen zwecks begleitender Info mit Kopfhörern ausgestattet wird, statt Gesprächsbeiträge wie diesen ertragen zu müssen. Vielleicht unterhalten sich Museumsbesucher*innen aber auch nur über die nächste Urlaubsreise oder über die gestern ganz besonders sämige Pilzrahmsuppe in der Plattentests.de-Kantine. Bei der "Expo", die Ulrika Spacek auf ihrem vierten Longplayer veranstalten, sollte man allerdings ganz genau hinhören: Statt "The album paranoia" oder ein "Constant trauma" zu schieben und so ein arg zerzaustes Innenleben zu präsentieren, blickt das Quintett hier zusehends mit großen Augen nach außen – und sieht angesichts der globalen Lage oder bizarrer Beobachtungen auf der letzten US-Tour wenig Gutes. Sänger Rhys Edwards kann immerhin in die Augen seiner neugeborenen Tochter schauen – fragt sich dabei aber fast zwangsläufig, in was für einer Welt sie wohl aufwachsen wird.
Kein Wunder, dass der britische Fünfer auf "Expo" noch ein wenig zerrissener und fragmentierter musiziert als auf den Vorgänger-Alben. Zwar klirren die Gitarren schon im ersten richtiggehenden Song "Picto" erneut wie mit dem Winkelschleifer ausgefräst und umwölkt den Sound weiterhin ein dezentes psychedelisches LoFi-Flair – aber auch Edwards' elektronisches Seitenprojekt Astrel K hat seine Spuren hinterlassen. Zum Beispiel im entwurzelten Groover "Build a box then break it", der Ulrika Spacek zunächst als ächzende Rumpel-und-Pumpel-Kapelle mit leichten Gleichlaufschwankungen zeigt, ehe eine grünlich schimmernde Keyboard-Wolke einschwebt, von der aus der Sänger und Gitarrist sparsame, aber effektive Licks ins rhythmisch anspruchsvolle Gewese streut. Und auch wenn die Sechssaitige im an Lautstärke zulegenden "This time I'm present" einmal deutlich angestochener knurrt, sorgt nicht zuletzt Drummer Callum Brown mit seinem schwer greifbaren Spiel für Komplexitität in einer, nun ja, komplexen (Klang-)Welt.
Mehr Radiohead oder zumindest Suuns als Cola oder Omni, möchte man also meinen – trotzdem findet das Quartett auch immer wieder zu seiner ursprünglichen Anmutung zurück, die an ein Bierdeckel-Konzert leicht ramponierter The Strokes denken ließ. Vor allem das Titelstück ist so ein kleines hinterhältiges Ding, das per Loop erst Death In Vegas' "Hands around my throat" antäuscht, dann aber doch den Dreh zu einem in diesem verkomplizierten Kontext fast flockigen Indie-Rocker bekommt. "Square root of none" geht es nicht viel anders – auch wenn vor dem geistigen Auge der frühere Mathelehrer mit drohendem Zeigefinger eindringlich vor der Division durch null warnt. Fort mit dem unschönen Gedanken, der sich spätestens beim herrlich beatlesken "A modern low" aber ohnehin in Luft auflösen sollte, wenn Edwards ein wenig klingt, als würde John Lennon aus dem Jenseits "Imagine" intonieren. Dass am Ende eine "Incomplete symphony" wartet, ist dabei nur folgerichtig: Es gibt noch viel zu tun. Auf der Welt wie für Ulrika Spacek.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Picto
- Build a box then break it
- Expo
- A modern low
Tracklist
- Intro
- Picto
- I could just do it
- Build a box then break it
- This time I'm present
- Showroom poetry
- Expo
- Square root of none
- Weights & measures
- A modern low
- Incomplete symphony
Im Forum kommentieren
saihttam
2026-03-31 22:11:20
Richtig gutes Album! Schön komplex und tief im Sound und dennoch leichtgängig genug, dass man es immer wieder hören will.
Armin
2026-03-10 21:03:17- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
J. Peterman
2026-02-26 16:32:40
21.10.26 - Berlin - Neue Zukunft
26.10.26 - Hamburg - Aalhaus
MickHead
2026-02-06 10:30:29
Jetzt komplett bei Bandcamp:
https://ulrikaspacek.bandcamp.com/album/expo
MickHead
2026-01-14 17:52:08
3. Song "Picto"
https://youtu.be/1l2VM9UeE6Y?si=P80gw2JCpOTGHuVC
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Referenzen
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