Lone Assembly - Knots & chains
IrascibleVÖ: 27.02.2026
Neue Schattierungen
Die Zeilen, sie brauchen Worte. Müssen gefüllt werden, damit es nicht gleich vorbei ist nach dem einen Satz, beziehungsweise der Aussage, die ausreicht, um zu beschreiben, was hier passiert. Ein Cliffhanger natürlich, erst einmal die Leute an Bord halten. Oder gleich mit der Tür ins Haus fallen? Ach was soll es, Lone Assembly machen es ja auch vor. Die ersten Takte also: Alles ist bekannt. Die Saiteninstrumente, auf jeden Fall aber die Synthies und dazu dieses Schlagzeug, bei dem man nie weiß: Ist da jetzt jemand dahinter oder ist das ein Drumcomputer? Einen Schlagzeuger haben sie zumindest in der Band. Die ersten Takte jedenfalls, klassischerweise über eine halbe Minute, klar: Joy Division. Ist das nicht sogar ein Cover oder klingt es nur sehr (!) ähnlich? Die Gedanken: Was macht der Sänger (oder die Sängerin) gleich, wenn es mit den Worten mal losgeht? Ian Curtis 2.0? Würde passen. Und natürlich klingt dieser ein wenig nach Ian Curtis, noch mehr aber nach Tom Smith von Editors. "Call of the swift" heißt der Opener, und es juckt in den Fingern, irgendein Wortspiel mit TayTay zu machen, auch wenn es so null zur Musik passt.
Ausgetretene Pfade? Ab in die Wortspielkasse. Aber auch diese müssen gepflastert werden, oder besser: Auch oft befahrene Schienen brauchen etwas Wartung (Grüße an die Bahn an dieser Stelle) und müssen ab und an poliert werden. Wobei das Polieren eher die Züge übernehmen. Verweis auf Iliketrains auch nicht verkehrt, sehr passend! So, was gibt es noch an Infos, die zu verwerten sind? Lone Assembly kommen aus der Schweiz und nicht aus England, so sehr sie auch danach klingen. Okay, neutral. "Knots & chains" ist ihr Debüt. "Fantasy" bringt mal ein paar Sekunden "Love will tear us apart" um die Ecke, biegt dann doch Richtung poppige Editors ab (noch krasser passiert das in "In the open"). Licht und Schatten – aber als Kompliment. Diese Düsternis, diese Melancholie. Immer etwas traurig, aber doch wippt das Tanzbein. Der Promotext verwendet dafür einen Begriff, der erst gegoogelt werden musste: "chiaroscuro" – eine Hell-Dunkel-Maltechnik aus der Spätrenaissance. Bildungsauftrag auch erfüllt.
Springen wir ins Hier und Jetzt: Lone Assembly hören, das ist wie noch 2026 Tetris auf dem Handy zu installieren. Natürlich gäbe es neuere Alternativen, die Welt ist weiter als Balken und Würfel und wie diese Teile alle heißen, aber manchmal ist es eben genau diese gewohnte Einfachheit, die reicht. Lone Assembly, sie haben es durchgespielt, besser, sie haben sie durchgespielt, die 1980er. Es bleibt nicht bei Joy Division, "The pain keeper" etwa und andere auch, sie klingen nach Depeche Mode, natürlich. Sänger Raphaël Bressler kann auch klingen wie Dave Gahan. Oder Martin Gore, so genau sind wir da jetzt nicht, trotz Deutschland, dem Land der DM-Fanclubs schlechthin. The Cure winken auch einmal, und was es davor und danach eben noch so gab und gibt an New-Wave- und Synthpop-Acts.
Zehn Songs hat dieses Debüt, und wirklich niemand sollte das Zitat "kennste einen, kennste alle" verwenden, denn das hat immer so einen negativen Beigeschmack. Daher besser: "Knots & chains" ist eine homogene Platte, mit rotem Faden, die aber zum Glück nie langweilig wird und sich mit 38, irgendwas Minuten auch gut durchhört. Und wozu das Ganze? Ist eigentlich egal, aber vielleicht um im Lande der DM-Partys (Editors-Partys gibt es ja nicht – oder nicht bekannt) noch ein bis zwei Songs (alle zehn kämen in Frage) zu haben, die ein bisschen auffrischen, um tatsächlich nicht immer nur die gleichen Acts zu wiederholen, aber eben auch nichts verkehrt zu machen. Da wären zum Ende eigentlich noch ein paar Fragen: Wie findet sich das eigentlich? Stellt man irgendwann fest, dass man genau so eine Stimme hat, die genau passt? Dass dann natürlich solche Vorbilder, oder besser, solche Musik dabei herumkommt (die anderen drei Bandmitglieder müssen natürlich auch mitspielen)? Das ist ja auch schon so eine Kunst für sich, so zusammenzufinden, dass es nahezu perfekt nach dem klingt, was jede*r erwartet, wenn dieses Zusammenwirken so da ist. Lone Assembly jedenfalls gelingt das spielend.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Call of the swift
- In the open
- A dark score
Tracklist
- Call of the swift
- Fantasy
- Nocturnal vision
- The pain keeper
- The City works like this
- In the open
- My life's solid
- You`re pulling at the same strings
- Paler streams
- A dark score
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Nope
2026-04-06 22:29:38
Immer diese Joy Division Vergleiche. Ich glaube, ich habe auf dieser Website noch keinen gerechtfertigtern JD Vergleich gelesen
Armin
2026-02-27 18:05:16
Ich empfehle vor allem den Closer.
MickHead
2026-02-27 11:50:56
BEATBLOGGER.DE 4/5
https://www.beatblogger.de/2026/02/lone-assembly-knots-and-chains/
MickHead
2026-02-27 08:08:27
Jetzt komplett bei Bandcamp:
https://loneassembly.bandcamp.com/album/knots-chains
Armin
2026-02-21 21:02:25- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
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- Lone Assembly - Knots & Chains (6 Beiträge / Letzter am 06.04.2026 - 22:29 Uhr)
